Fußball

Bundesliga-Check: Hamburger SV Die Hoffnung trägt pink

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Da kommt Freude auf...

In dieser Saison wird nun wirklich alles besser: Eine Finanzspritze, ein Talent aus Barcelona und ein außergewöhnliches Trikot machen die Hamburger ganz wuschig. Eine Drohung dämpft die Stimmung aber ein wenig.

Was, der HSV? Haben die Hamburger in der vergangenen Saison mitgespielt? Wo war das Chaos, die Trainerdiskussion, die Häme? Nicht mal mehr unterhalten können Sie, könnte man sagen, aber das wäre wohl unfair. Mit einer Saison knapp an der Wahrnehmungsgrenze haben sich die Hamburger vielleicht auch einen Gefallen getan. Und es klingt ja irgendwie auch nach einem guten Plan: Ruhe reinkriegen, Kräfte sammeln, ausmisten – und wieder angreifen. Einen Titel haben sie ja schon gewonnen: Das Magazin "11Freunde" hat "Hamburg, meine Perle" zur schönsten Vereinshymne gekürt. Das Fanal für die Rückkehr zur einstigen Größe? ( )

Was gibt’s Neues?

Besser noch als Geld ist frisches Geld. Es muss etwas von Monatsanfang gehabt haben, als Vereinschef Dietmar Beiersdorfer dem wankelmütigen Mäzen Klaus-Michael Kühne 25 Millionen Euro für Transfers abgerungen hat – inklusive der Zusage über je 25 Millionen für die nächste und die übernächste Saison. Damit lässt sich selbst auf dem überhitzten Markt etwas anfangen: Den Anfang machte das Talent Alen Halilovic (20) vom FC Barcelona, mit Filip Kostic (23) realisierte Beiersdorfer dann mal eben den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte. 14 Millionen Euro überwies der HSV dem Absteiger aus Stuttgart für den begehrten Linksaußen.

Beim Testspiel gegen den VfL Bochum spielte Kostic mit einer Übergangsnummer.

14-Millionen-Euro-Hoffnungsträger: Filip Kostic.

(Foto: imago/Team 2)

Der Shoppingrausch löst bei Spielern und dem stets hyperaktiven Hamburger Boulevard Euphorie aus. "Ich gehe in meine vierte Saison in Hamburg du erlebe eine Vorfreude, die ich bisher noch nicht kannte", sagte Johan Djourou. "Es ist zu spüren, dass die Leute wieder Bock haben auf den HSV." Der HSV wäre allerdings nicht der HSV, wenn er nicht gleich noch einen Stimmungskiller parat hätte: In einem Brief, der alle Dauerkartenbesitzer erreichte, teilte Beiersdorfer den treuesten der Treuen mit, sie sollten doch gefälligst zu mindestens 12 der 17 Heimspiele auch erscheinen, sonst verlieren sie ihr Vorkaufsrecht. So eine Drohung hört man doch gerne, nach einer Saison mit 5 Heimsiegen und mehr Gewürge als in einer Dschungelprüfung mit Känguru-Hoden-Verkostung.

Auf wen kommt es an?

Auf Pierre-Michel Lasoggas Mutter. Die verkündete inmitten wilder Gerüchte um einen Wechsel ihres Sohnes zu Sporting Lissabon: "Pierre fühlt sich pudelwohl und denkt nicht an einen Abschied." Fragt sich, wie groß die Erleichterung über diese Mitteilung bei den Fans ausfiel – wahrscheinlich nicht so groß wie die Freude darüber, dass Beiersdorfer mit Bobby Wood (17 Tore für Union Berlin letzte Saison) endlich eine echte Alternative zu Lasogga verpflichtet hat.

Im Ernst: Tatsächlich liegt es an Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer, die Kühne-Millionen klug einzusetzen. Offensichtlich hat ein Umdenken stattgefunden: Statt arrivierter Spieler wie Ivica Olic oder Aaron Hunt verpflichtete der HSV Potenzial - den noch jungen Kostic, Halilovic, Luca Waldschmidt (20) und Torwart Christian Mathenia (24).

Was fehlt?

Jedenfalls nicht die ein oder andere Portion Selbstbewusstsein. "Ich will keinen zu großen Vergleich ziehen, aber ein wenig erinnert es mich an meine Zeit beim FC Arsenal", sagte Innenverteidiger Johan Djourou und spielte damit auf den verschärften Konkurrenzkampf im Kader an. Aber gerade in der Defensive scheint der HSV alles andere als europapokaltauglich besetzt, vor allem auf den Außenverteidigerpositionen. Dem Vernehmen will Beiersdorfer noch nachbessern, allerdings nicht um jeden Preis. Auch Matthias Ginter bleibt ein Thema, Djourous Partner Emir Spahic fehlt dem HSV nämlich nicht nur wegen einer Verletzung noch mindestens 2 Wochen, sondern ist mit seinen 36 Jahren auch schlicht und einfach alt – so alt, dass er noch mit dem Vater von Neuzugang Alen Halilovic zusammengespielt hat.

Wie lautet das Saisonziel?

Vor allem dieser Halilovic regt zum Träumen an. Bei Dinamo Zagreb als Wunderkind und zweitjüngster Spieler aller Zeiten in der Champions League gestartet, sicherte sich der FC Barcelona seine Dienste. Den Durchbruch schaffte er bei Barca nicht, in der vergangenen Saison überzeugte er als Leihspieler bei Sporting Gijon. Halilovic lässt keinen Zweifel daran, welche Rolle er spielen will: Er schnappte sich die Nummer 23, die einst Rafael van der Vaart trug. "Das ist vielleicht die größte Nummer in diesem Klub", sagte er, und forderte gleich mal eine Rolle im zentralen Mittelfeld ein, obwohl ihn Trainer Bruno Labbadia eher rechts außen sieht.

Ein Mann vom FC Barcelona, das passt zu den Ambitionen, die der HSV hegt – und auch symbolisch unterlegt. Das Auswärtstrikot erinnert an die großen Zeiten Ende der 70er Jahre, als der HSV in pinken Trikots den Europapokalsieger der Pokalsieger holte. () "Pink schockt", so lautet der Werbeslogan für die neuen Leibchen, für die es laut Verein über 1000 Vorbestellungen gab. Um wieder was auf den Briefkopf zu bekommen, müsste der HSV natürlich erst einmal in den Europapokal einziehen – diese Parole will aber zumindest kurzfristig keiner der Verantwortlichen ausgeben. Trainer Bruno Labbadia will sich "gegenüber letzter Saison verbessern" und setzt sich darüber hinaus eher immaterielle Ziele: "Ich habe eine wahnsinnige Lust darauf, mit diesem Verein und diesem Kader wieder begeisternden Fußball anzubieten."

Die n-tv.de-Prognose

Platz 10 im Vorjahr, das klingt nach einem Aufwärtstrend. Tatsächlich lieferte der HSV aber einen Grottenkick nach dem anderen, es fehlte an einem klaren Konzept und einer Portion Esprit. Für einen Quantensprung spricht wenig, von den internationalen Plätzen dürfte der HSV weit entfernt bleiben. Die gestiegene Qualität dürfte allerdings dafür sorgen, dass die Hamburger im Mittelmaß nicht nur dümpeln, sondern sich auch spielerisch weiterentwickeln.

Quelle: ntv.de