Fußball

Ex-Präsident keilt gegen Koch Die brutalste DFB-Abrechnung, die es je gab

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Koch und Keller - ziemlich beste Feinde.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Fritz Keller ist seit Mai nicht mehr beim Deutschen Fußball-Bund tätig, doch der Verband beschäftigt ihn noch immer. Der Streit mit dem Co-Interimspräsidenten Rainer Koch ist längst nicht ausgestanden. Er rechnet nun heftig mit ihm ab.

Der frühere DFB-Präsident Fritz Keller legt im Konflikt mit Rainer Koch nach. Der derzeitige Co-Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes sei jemand "dem nach meinem Befinden jeglicher moralischer Kompass abgeht, der seit Jahren seine Intrigen schmiedet, Menschen innerhalb und außerhalb des DFB mit seinen Seilschaften massiv unter Druck setzt", sagte Keller der "Sport Bild".

"Ich bin fest davon überzeugt, dass er die Schmutzkampagnen gegen Vorgänger von mir und gegen mich über den vom DFB bezahlten Medienberater Kurt Diekmann mindestens mitinitiiert hat", so der 64-Jährige, der Mitte Mai nach nur 598 Tagen im Amt zurückgetreten war. Grund war der eskalierte Machtkampf innerhalb des DFB. Keller gemeinsam mit Peter Peters, der für das Amt des künftigen DFB-Präsidenten kandidiert, gegen Koch, Schatzmeister Stephan Osnabrügge und den bis Ende Mai im Amt des Generalsekretärs befindlichen Friedrich Curtius, so sah es laut Keller im Inneren des DFB aus. Diese drei hätten versucht, "mit einigen Helfershelfern jede Veränderung, Transparenz und Professionalisierung beim DFB zu blockieren".

Die schwersten Vorwürfe erhebt er gegen Koch: "Vermutlich wurde schon Wolfgang Niersbach von Koch hintergangen, der vor ihm Informationen über die Recherchen zur Sommermärchen-Affäre hatte, diese Niersbach aber nicht mitgeteilt hat. So nahm und nimmt der DB massiv und langfristig Schaden." Er plädiert dafür, dass Koch, der der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes ist, den DFB verlässt: "Es wird Zeit, dass das ein Ende hat." Mit Koch sei kein Neuanfang möglich. "Mich macht fassungslos, dass sich einige Landesfürsten immer noch von ihm so instrumentalisieren lassen." Koch betreibe "Machtspielchen", Keller rief ihn indirekt dazu auf, von seinem Amt zurückzutreten: "Einer mit Anstand würde bei einer solchen Außendarstellung den Süddeutschen und den Bayerischen Fußball-Verband nicht weiter belasten wollen."

"War zu gutgläubig und gutmütig"

Auch den nicht mehr beim DFB tätige Curtius, dem im Mai im Führungsstreit das Vertrauen der Regional- und Landesverbandschefs entzogen worden war, woraufhin der 45-Jährige und der Verband ihre Zusammenarbeit "einvernehmlich" beendeten, und Osnabrügge attackiert der frühere Präsident des SC Freiburg. "Das Problem beim DFB sind in den allermeisten Fällen Funktionäre, die nicht den Fußball sehen, sondern nur sich selbst. Die den DFB als Selbstbedienungsladen betrachten - wir reden hier über ein Ehrenamt, dieses Geld geht dem Amateurfußball verloren - und sich gegenseitig die Posten zuschanzen." Curtius habe ihm bei seinem Amtsantritt "ausdrücklich erklärt, dass er keine Veränderung möchte", so Keller. "Schatzmeister Osnabrügge, ein Arbeitsrechtler, kein Finanzexperte - entscheidet auch mal gegen den ausdrücklichen Rat von internen und externen Fachleuten."

Zudem deutet Keller an, dass einige Mitarbeiter des DFB nicht ganz integer sind. Für ihn liege etwa der Verdacht nahe, dass dienstlich gesammelte Flugmeilen privat genutzt werden. Er habe sich einst erkundigt, wie er sie für den CO2-Ausgleich spenden könne - "es gab einen regelrechten Aufschrei". 2002 noch hatte die sogenannte "Bonusmeilen-Affäre" einiger Bundestagsabgeordneter nach Bekanntmachung der "Bild"-Zeitung für einen großen Aufschrei und sogar Rücktritte gesorgt.

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Keller bereut laut eigener Aussage, nicht gleich bei seinem Amtsantritt im September 2019 auf personelle Veränderungen gedrängt zu haben, und wird konkret "Wir reden vom Generalsekretär und vom Schatzmeister. Weil da meiner Erfahrung nach sowohl die fachlichen als auch die menschlichen Qualifikationen fehlten." Keller, der mittlerweile wieder im Gastronomiebetrieb der Familie arbeitet, sehe es als seinen größten Fehler an, "dass ich in den Gesprächen mit der Findungskommission vor meinem Amtsantritt zu gutgläubig und gutmütig war, zu viel Vertrauen hatte".

Nach seinen Erfahrungen setzt sich Keller nun für eine Amtszeit-Begrenzung ein, "damit endlich dieser Filz beseitigt wird". Lob erhält dagegen BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der als künftiger DFL-Aufsichtsratschef auch erster DFB-Vizepräsident wird: "Aki Watzke ist Fußballer bis in die letzte Haarspitze, er kämpft für den Fußball. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass er der richtige Mann am richtigen Fleck ist." Keller ist sich sicher: "Er wird sich eine Vorgehensweise wie bisher sicherlich nicht bieten lassen, wo Koch nur eine Lager-Bildung mit großem Konfliktpotenzial betrieben hat: Amateure gegen Profis."

Quelle: ntv.de, ara

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