Fußball

Der Geister-Meister-Macher-Check Die geplante Genialität des Herrn Kimmich

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(Foto: dpa)

Womöglich wird der FC Bayern in dieser Saison nicht Deutscher Meister. Was aber passieren müsste, damit das nicht eintritt, das wissen sie selbst in München nicht. Zu souverän spielt die Mannschaft von Coach Hansi Flick, als dass es noch ernsthafte Zweifel gibt.

Was ist im Signal-Iduna-Park passiert?

Jaja, bestätigen, blabla - der FC Bayern ist erster Geistermeister der Fußball-Bundesliga. Das ist so sicher wie ein Tor von Robert Lewandowski gegen Borussia Dortmund. Äh... Moment, die polnische Tor-Garantie hat im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga ja gar nicht getroffen. Egal, Meister wird der FC Bayern trotzdem und ihr Meistermacher ist Joshua Kimmich. Mit - jetzt Obacht - geplant-spontaner Genialität zerstörte der Nationalspieler am Dienstagabend den Titeltraum des BVB. In der 43. Minute zelebrierte er den Ball von der Strafraumgrenze in den Winkel der langen Ecke des Dortmunder Kastens. Menschen wie Sky-Experte Lothar Matthäus wollten den Zauber des (Meister-)Moments mit Anschuldigungen gegen Roman Bürki entlarven. Mindestens mal diskussionswürdig sei sein Anteil an dem Treffer, fand die deutsche Fußball-Legende. Nun, tatsächlich war's ja so, dass der Schweizer ein birebitzeli zu weit vor seinem Kasten stand - wie so oft, wie Kimmich zu berichten wusste. Entsprechende Erkenntnisse der Münchner Beobachtungsstelle seien ihm vorab mitgeteilt worden.

Teams & Tore

Tor: 0:1 Kimmich (43.)
Dortmund:
Bürki - Piszczek (80. Mario Götze), Hummels, Akanji - Hakimi, Delaney (46. Can), Dahoud (85. Witsel), Guerreiro - Hazard, Haaland (72. Reyna), Brandt (46. Sancho); Trainer: Favre.
München: Neuer - Pavard, Boateng (85. Hernandez), Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka - Coman (73. Perisic), Thomas Müller, Gnabry (87. Martinez) - Lewandowski; Trainer: Flick.
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)

Der Klassiker im Spielfilm

1. Minute: Uli Hoeneß dürfte in diesem sehr frühen Moment sehr froh gewesen sein, dass sich Jérôme Boateng im vergangenen Sommer seinem dringenden Rat widersetzt hat. Statt den FC Bayern zu verlassen (Hoeneß' Rat), blieb er nämlich (Boatengs Entscheidung). Und steht jetzt richtig. Nachdem Bayerns Torwart Manuel Neuer einen Pass von Julian Brandt in den Fuß von Erling Haaland klärt, schießt der. Und zwar sofort. Und zwar durch Neuers Beine, nicht aber durch Boatengs. Die sind nämlich geschlossen, auf der Torlinie, 0:0.

11. Minute: Weiß Kimmich eigentlich wie groß seine Mitspieler sind? Zum Beispiel Thomas Müller? Eher nicht. Zumindest ist die Hereingabe auf Müller, der mal wieder irgendwo aus dem nirgendwo kam, ein bisschen zu hoch. Zwar versucht der Angespielte mit all seiner bisweilen skurrilen Körperästhetik den Ball zu verwerten - aber, leider nein.

13. Minute: Der sehr schnelle Kingsley Coman gerät in einen Zweikampf mit dem nicht sehr schnellen Mats Hummels - und gewinnt das Duell. Er dreht sich um dem Dortmunder, was dem überhaupt nicht passt. Also dreht der Dortmunder den Münchner kurzerhand wieder zurück. Das ist regelwidrig und zieht Gelb nach sich.

19. Minute: Es läuft Episode zwei der Erzählung "Die alten Männer und die geschlossenen Beine". Was Boateng kann, das kann nämlich auch der ewige Łukasz Piszczek. Für seinen überwundenen Torwart rettet der Pole auf der Linie gegen Serge Gnabry.

39. Minute: Alphonso Davies schlägt Haken wie ein wildgewordener Hase - diesem Vier-Pfoten-Breakdance sind drei Dortmunder nicht gewachsen. Doch ehe "Phonzy" sein Solo womöglich auch noch mit einem Tor krönt, bosst Hummels ihn schließlich locker weg. Frei nach dem Motto: Hase, laufe niemals gegen den Schrank!

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Ein birebitzeli zu weit vor seinem Tor?

(Foto: dpa)

43. Minute, TOOOOOR FÜR DEN FC BAYERN, 0:1 KIMMICH: siehe oben.

58. Minute: Kurze Frage: Kennt sich jemand mit Handspiel aus? Wenn ja, dann freuen wir uns über kurze Klärung (Mail an sporttag@nama.de) des Sachverhalts der Szene mit Haaland und Boateng. Haaland schießt, Boateng rutscht weg - und hat den Ellenbogen zumindest mal vom Körper abgespreizt, der Ball schlägt dagegen, Ecke statt Elfmeter. Richtig?

80. Minute: Ein letztes Mal muss Neuer entscheidend eingreifen, um sein zwölftes Zu-Null-Spiel in dieser Liga-Saison abzusichern. Einen Schuss von Mo Dahoud pariert er spektakulär mit den Fäusten. Noch ein Fakt für Statistik-Fans: Es war das 400. Spiel von Neuer in der Bundesliga, er ist damit der 68. Spieler der Liga-Geschichte, der diese Marke durchbricht, zum 192. Mal blieb er dann auch ohne Gegentor (klingt irgendwie auch historisch gut).

91. Minute: Kurze Frage: Kennt sich jemand mit Foulspiel aus? Wenn ja, dann freuen wir uns über kurze Klärung (Mail an sporttag@nama.de) des Sachverhalts der Szene mit Akanji und Lewandowski. Lewandowski läuft in den Strafraum und Akanji checkt ihn robust weg. Abstoß statt Elfmeter. Richtig?

Was war gut?

Der FC Bayern war gut. Nicht bemerkenswert gut, nicht so "ewig" dominant wie im Hinspiel, aber eben gut genug, um nicht schlechte Dortmunder verdient zu besiegen. Abgesehen von ein paar müden Anfangsminuten war das höchst konsequent, was die Münchner anboten. Die Räume waren so gnadenlos eng, dass die Borussen eigentlich nie in ihr beeindruckendes Tempospiel kamen. Joshua Kimmich und Leon Goretzka waren die absoluten Herrscher der Mitte. Der zuletzt so starke Dahoud musste seine Spielideen immer wieder auf die Außen verlagern. Weil dort aber Davies und Benjamin Pavard mindestens mal einen soliden Job erledigten, spielten die Dortmunder halt wie eine Handballmannschaft, die nicht in Wurf-Positionen kommt. Und Haaland, der es richten sollte, hatte eigentlich nur diese eine gute Szene nach 30 Sekunden. Das Duell mit Boateng - es kennt nur einen Sieger: Boateng. Und natürlich einen glücklichen Ehrenpräsidenten: Hoeneß.

Was war nicht gut?

Das Duell der Torjäger war ungefähr so aufregend, wie die Stimmung auf der Südtribüne - nämlich gar nicht. Klar, hin und wieder blitzte dann doch auf, warum Haaland das größte Talent und Lewandowski der derzeit wohl beste Strafraumstürmer sind. Aber was nutzen schöne Ballannahmen, geschmeidige Drehungen, wenn das, was einen Stürmer auszeichnet, im Prinzip nicht stattfindet: die Torgefahr. Zwar sollen beide nach offizieller Statistik jeweils fünf Schüsse aufs Tor gebracht haben, in Erinnerung blieb einer, der erste.

Was macht Mario Götze?

Er wurde tatsächlich eingewechselt. In der 80. Minute nämlich. Zwar wurde er auch dieses Mal nicht wichtig für seinen Klub, den er im Sommer nach vier Jahren wieder verlassen wird. Aber immerhin deutete auch er an, was er kann: Mario Götze ist nach wie vor ein ganz feiner Fußballer mit einer ganz feinen Technik. So bereitete er auf engstem Raum den Schuss von Mo Dahoud in der 80. Minute mit vor. Dass er dem Spiel keine Wende mehr geben konnte, geschenkt. Hätte er es getan, es wäre die dann wohl ausgerechnetste Ausgerechnet-Geschichte der Liga-Historie geworden.

Was sagen die Trainer?

Lucien Favre (Borussia Dortmund): "Über 90 Minuten haben wir es richtig gut gemacht. Wir hätten aber mehr mit dem Ball beschleunigen müssen. Es hat ein wenig Präzision gefehlt und etwas mehr Bewegung. Wir hatten zu wenig Schüsse aufs Tor. Natürlich wissen alle, dass uns die Fans fehlen. Für den Titel wird es sehr schwer. Es sind sieben Punkte bei sechs Spielen."

Hansi Flick (Bayern München): "Wir haben uns vorgenommen, einen großen Schritt zu machen. Das ist uns gelungen. Wir haben viel Entschlossenheit gezeigt. Wir haben guten und schönen Fußball gespielt. Wir waren immer hellwach. Daher bin ich zufrieden. Wir haben den Abstand zu Dortmund vergrößert."

Der Weg zu Meisterschaft

FC Bayern: Fortuna Düsseldorf (H), Bayer Leverkusen (A), Borussia Mönchengladbach (H), Werder Bremen (A), SC Freiburg (H), VfL Wolfsburg (A);

Der Weg zur Vizemeisterschaft

Borussia Dortmund: SC Paderborn (A), Hertha BSC (H), Fortuna Düsseldorf (A), FSV Mainz 05 (H), RB Leipzig (A), 1899 Hoffenheim (H);

Der Tweet zum Spiel

Quelle: ntv.de