Fußball

Roca, Kluivert, Bellingham Diese Neulinge wollen die Bundesliga erobern

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Er bringt den größten Namen mit in die Bundesliga: Justin Kluivert ist der Sohn von Hollands Fußball-Idol Patrick Kluivert.

(Foto: imago images/Gribaudi/ImagePhoto)

Eine der längsten Transferperioden des Profifußballs geht bald zu Ende. Die meisten Spielerwechsel finden innerhalb der Bundesliga statt, doch auch in diesem Jahr bekommen deutsche Fußballfans neue Spieler aus dem Ausland zu sehen, die viele wohl vorher nicht auf dem Zettel hatten.

Die Zeiten, in denen Bundesliga-Manager mit einem Notizblock vor ihrem Fernsehgerät saßen, um bei einer Welt- oder Europameisterschaft völlig neue Spieler zu entdecken, sind schon lange vorbei. Klar, das liegt zum einen an einer Pandemie, die in diesem Jahr die EM verhindert hat. Andererseits käme es in der heutigen Fußballwelt einem Wunder gleich, wenn bei einer Europameisterschaft plötzlich ein Spieler groß aufspielen würde, der noch nicht in den Notizbüchern von mindestens einem findigen Sportdirektor stünde. Längst schicken auch kleinere Vereine ihre Scouts in die entlegensten Winkel der Welt, um begabte Spieler aufzuspüren. Und so gibt es auch in dieser Saison wieder einige Neulinge in der Liga, die zum Teil bereits große Namen haben, von großen Vereinen kommen oder denen eine große Zukunft vorausgesagt wird. ntv.de stellt die spannendsten Personalien vor.

Marc Roca

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Marc Roca ist amtierender U21-Europameister.

(Foto: imago images/Marca)

Bayerns Neuzugang vom La-Liga-Absteiger Espanyol Barcelona ist Spanier. Wie viel dieser Fakt zur Verpflichtung des 23-Jährigen beigetragen hat, bleibt ein Geheimnis der Bayern-Bosse. Tatsache jedoch ist: Zentrale Mittelfeld-Männer von der Iberischen Halbinsel und Bayern München, das passt. Nach Thiago, Xabi Alonso und Javi Martinez kommt mit Roca ein trotz seines jungen Alters sehr erfahrener Spielmacher an die Isar, der im Gegensatz zu den anderen Last-Minute-Verpflichtungen perspektivisch mehr als nur ein Back-Up für die dünn besetzte Bayern-Zentrale sein dürfte. Für seinen katalanischen Ex-Klub hat der 1,84-Meter-Mann bereits 121 Pflichtspiele absolviert und sich schon zum unverzichtbaren Stammspieler entwickelt. Der Linksfuß überzeugt mit seinem starken Zweikampfverhalten, schnellen Finten und einer feinen Technik.

"Er spielt meistens auf der Acht, ist ein bisschen wie Goretzka, aber ein kleiner, technischer Spieler, ein feiner Spieler, kann gute Bälle spielen, hat Spielintelligenz", charakterisierte Lothar Matthäus den Neuzugang, der ein bis 2025 geltendes Arbeitspapier unterschrieben hat. Er selbst bezeichnet den FC Bayern als "besten Klub der Welt" - an Joshua Kimmich und Leon Goretzka wird er in wichtigen Spielen erstmal nicht vorbeikommen. Auf der großen, internationalen Bühne muss Roca seine Qualitäten noch unter Beweis stellen. Bislang hat er erst drei Euro-League-Spiele absolviert.

Jude Bellingham

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Schon etabliert im Starensemble des BVB: Jude Bellingham

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Jude Bellingham ist zwar erst 17 Jahre alt, in seinem alten Verein aber schon eine echte Legende. Zumindest behandelt ihn die Klubführung seines Ex-Vereins aus Birmingham so. Kurz nach dem tränenreichen Abschied des Jugendlichen verkündete der Verein, seine Rückennummer nie mehr zu vergeben. Es ist eine Ehre, die üblicherweise nur absoluten Mega-Stars wie Diego Maradona (Neapel) oder Johan Cruyff (Ajax) zuteilwird. Im Internet und auch bei den eigenen Fans sorgte dieser besondere Schritt für Spott. Bellingham hatte das blau-weiße Trikot von Birmingham gerade einmal in 41 Spielen getragen. "Sein fürsorgliches, bescheidenes und engagiertes Auftreten außerhalb des Feldes hat ihn zu einem so beeindruckenden Vorbild gemacht", verteidigte sein alter Arbeitgeber die Entscheidung.

Es sind Worte, die dem Jugendlichen sicher geschmeichelt haben. Die Erwartungshaltung bei der Borussia hatten sie vor der Saison jedoch nicht gerade gesenkt. Doch schon nach dem dritten Spieltag ist klar: Die 20-Millionen-Investition ist ein weiterer hochprofitabler Posten in einem Spieler-Portfolio, dessen Wert schon in naher Zukunft explodieren könnte. Bellinghams Spielanlage wirkt in seinen ersten BVB-Einsätzen sehr abgeklärt, mit seinem intelligenten Zweikampfverhalten und seinem starken Pässen versorgt er die anderen Jünglinge in Schwarz-Gelb mit ihrem Lieblingsspielzeug, dem Ball. Dabei gibt er jetzt schon viele Anweisungen und überzeugt durch seine körperliche Präsenz. Kein Wunder, dass ihm sein Ex-Mitspieler David Stockdale den "Geist eines 25-Jährigen" attestierte.

Justin Kluivert

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Nein, das ist nicht Patrick Kluivert.

(Foto: imago images/Gribaudi/ImagePhoto)

"Kluivert wechselt in die Bundesliga" - der eine oder andere Nostalgiker dürfte bei dieser Meldung kurz aufgeschreckt sein. Einige von ihnen werden vielleicht sogar kurz mit wildem Kopfrechen begonnen haben, bevor sie dann nach wenigen Sekunden feststellen mussten: Nein, das kann nicht sein, der hat seine Karriere doch schon vor locker zehn Jahren beendet. Stimmt, genau genommen ist es sogar schon 12 Jahre her, dass die niederländische Legende Patrick Kluivert seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Zu diesem Zeitpunkt war sein Sohn Justin erst neun Jahre alt, kickte aber immerhin schon in der berühmten Nachwuchsschmiede von Ajax Amsterdam. Nun wechselt der mittlerweile 21-Jährige zu den Leipzigern, die seinem Noch-Arbeitgeber AS Rom eine 1-Million-Euro-Leihgebühr zahlen.

Wer die Transferaktivitäten der Leipziger in den vergangenen Jahren beobachtet hat, weiß, dass die Roten Bullen wohl die letzten sind, die neues Personal anhand großer Namen auswählen. Auf jeden interessanten Profi werden so viele Filter gelegt, bis wirklich nur noch die allerpassendsten Spieler übrig bleiben. Und so ist auch Kluivert ein typischer Transfer der Leipziger, deren Spiel auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt ist: Er ist schnell, er ist jung und er ist trickreich. Einige RB-Fans haben sich, Youtube sei dank, bereits über das Können des Holländers informiert und loben ihren Verein für die Verpflichtung.

Problem: Die meisten Szenen der Zusammenschnitte dürften schon etwas älter sein, in der vergangenen Saison hat Kluivert nur neun Pflichtspiele absolviert. Bei seinem neuen Verein will er nun möglichst viele Spielminuten sammeln - seinen Vater, mit 1,88 Metern ein anderer Mittelstürmer-Typ, nimmt er sich dabei jedoch nicht als Vorbild. "Mein Vater war ein Idol, aber Ronaldo und Neymar sind meine Vorbilder als Fußballer." Kluivert tritt bei RB in die großen Fußstapfen von Timo Werner, die er sich jedoch mit einem Norweger teilen muss.

Alexander Sörloth

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Alexaner Sörloth ist wohl der beste Eisschnellläufer unter Deutschlands Fußballprofis.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Dieser Norweger heißt Alexander Sörloth und ist mit 1,95 Metern ein anderer Spielertyp als Kluivert. Mit seiner enormen Körpergröße und seiner wuchtigen Statur ist er natürlich kopfballstark. Dennoch ist der 20-Millionen-Transfer aus Crystal Palace, der zuletzt an Trabzonspor ausgeliehen war, kein klassischer Mittelstürmer à la Mario Gomez oder Wout Weghorst. Sörloth weicht dank seiner technischen Klasse und seiner Grundschnelligkeit gern auf den Flügel aus, wurde gerade in seiner Zeit in Midtjylland auch des Öfteren auf der Außenbahn eingesetzt.

Seine Geschwindigkeit verdankt der Hüne unter anderem einem für Fußballprofis wohl eher außergewöhnlichen Hobby: Bis zu seinem 13. Lebensjahr war Sörloth ein sehr talentierter Eisschnellläufer. Irgendwann wurde er von seinen Trainern als zu groß erklärt, weshalb er als Teenager die Kufen endgültig gegen Stollen austauschte. Bereut haben wird er die Entscheidung nicht. In 200 Spielen für verschiedene Klubs hat der 24-Jährige bereits 75 Tore erzielt. Eine richtig starke Quote.

Warum hat er also "nur" 20 Millionen gekostet? Die Antwort gründet darin, dass er bislang erst eines dieser Tore in einer europäischen Top-Liga (England) erzielt hat. Bislang konnte der Angreifer nur in kleineren Ligen überzeugen, hat in seinem jungen Alter aber schon in 8 verschiedenen Ländern gespielt. Von seinem Leben als Stürmer-Vagabund hat er nun genug. "Ich will mich in Leipzig niederlassen", sagt der Skandinavier. Sörloths Landsmann und Kumpel Erling Haaland ist optimistisch, dass der Plan aufgehen könnte: Er bezeichnet den Torschützenkönig der Süper Lig (24 Tore) als den "König des Nordens". Gut möglich, dass sich mit den beiden "Kanten" gerade ein norwegischer Weltklasse-Sturm entwickelt.

Baptiste Santamaria

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Santamaria ersetzt den abgewanderten Robin Koch

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

Ein Schiedsrichter hat alles richtig gemacht, wenn nach dem Spiel nicht über ihn gesprochen wird. Im Gegensatz zur Auslegung der Handspiel-Regel können sich wohl alle Unparteiischen auf diese These einigen. Ähnliches gilt für den Neuzugang des SC Freiburg. "Mit seiner spektakulär unspektakulären Herangehensweise auf dem Platz wird er unserem Spiel die nötige Balance und Stabilität geben", sagt Freiburgs Sportdirektor Klemens Hartenbach über den neuen Spieler aus Frankreich. Der heißt Baptiste Santamaria und kommt vom französischen Erstligisten SCO Angers.

Wäre Santamaria zu einem anderen Klub gewechselt, wäre die Nachricht über seinen Transfer vermutlich nicht viel mehr wert als eine kurze Meldung gewesen. Doch der 25-Jährige hat sich nicht für Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim entschieden, sondern für den SC Freiburg. Dort ist er mit seiner zehn Millionen Euro hohen Ablöse der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Mit den Verkäufen von Robin Koch und Luca Waldschmidt hat der Verein im Sommer zwei seiner Nationalspieler abgegeben, aber dafür ordentlich Kohle kassiert. Der normalerweise sehr sparsame Provinzklub aus dem Breisgau hat sich in dieser Transferperiode nicht lumpen lassen und einen großen Batzen der 35 Millionen Euro in Santamaria investiert.

"Wir wollten Baptiste unbedingt verpflichten und sind jetzt wirklich sehr froh, dass er bei uns ist", kommentiert Hartenbach die Personalie. Mit Santamaria haben die Freiburger einen echten Dauerbrenner verpflichtet: Seit Sommer 2018 hatte der Franzose keine Partie seines ehemaligen Klubs verpasst. Und auch bei Freiburg konnte der Sechser schon seine "spektakuläre Unspektakularität" unter Beweis stellen: Gegen Dortmund und Wolfsburg stand er jeweils über die volle Länge auf dem Platz.

Matteo Guendouzi

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Matteo Guendouzi gilt als guter Ballverteiler

(Foto: imago images/PA Images)

Immer wieder gibt es diese Spieler, die nicht nur durch ihre fußballerischen Leistungen, sondern schon allein durch ihr Äußeres auffallen. Das können Brillen (Edgar Davids), Schädelschoner (Petr Czech) oder auch eine auffällige Frisur (Dante) sein. Mit Matteo Guendouzi kommt vom FC Arsenal mal wieder ein Mann mit so einer herrlichen Lockenpracht in die Bundesliga, dank der er selbst im riesigen Berliner Olympiastadion zweifelsfrei von jedem Platz aus identifiziert werden kann. Mit 32 Millionen Euro Marktwert ist der Franzose laut transfermarkt.de der mit Abstand teuerste Mann im ohnehin schon ordentlich aufgemotzten Kader der Alten Dame. Die Hertha leiht den Youngster ein Jahr aus London aus.

"Mit Matteo Guendouzi bekommen wir einen Spieler, der trotz seiner jungen Jahre mit seiner Erfahrung von bereits knapp 60 Spielen in der Premier League unser Mittelfeld noch flexibler macht", sagt Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz über den 21-Jährigen. Guendouzi kann im zentralen und defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Zum Profi reifte der Rechtsfuß im Nachwuchs von Paris Saint-Germain, bei dem er bis zu seinem Wechsel zum FC Lorient zwischen 2005 und 2014 spielte.

Beim FC Arsenal kam seine Karriere zuletzt etwas ins Stocken, der neue Arsenal-Trainer Mikel Arteta setzte kaum auf den von vielen als "Ausnahmetalent" beschriebenen Spieler. Nachdem er zuletzt frustriert über seine Reservistenrolle war, ist er nun wieder motiviert für seine Aufgabe in Berlin. Bei seiner Vorstellung sagte er das, was man sonst eher von frischgebackenen Abiturienten hört, die es in die Hauptstadt zieht: "Ich hab Bock auf Berlin!"

Quelle: ntv.de