Fußball

Trainerlegende kämpft mit Tränen Dieser Europapokal-Moment berührt die Herzen

In der Champions League passieren die Wunderdinge, in der Europa League zieht Eintracht Frankfurt ins Finale ein und in der Conference League spielt sich im Olympiastadion in Rom das emotionale Highlight der Halbfinalspiele ab. Die Zuschauer erheben sich mitten im Spiel für eine Legende.

Claudio Ranieri ist 70 Jahre alt - und eine Trainerlegende. Spätestens seit er 2016 einen der unwahrscheinlichsten Titel der jüngeren Fußballgeschichte gewann. Damals führte er Leicester City in Jürgen Klopps erstem Jahr als Liverpool-Trainer zum Gewinn der Premier League. Mit zehn Punkten Vorsprung vor dem Vizemeister Arsenal.

Damals ging der Stern von Stürmer Jamie Vardy auf, im Mittelfeld regierte N'Golo Kanté, in der Abwehr spielten Robert Huth und der ehemalige Schalker Christian Fuchs, ganz hinten hielt Kasper Schmeichel das, was auf seinen Kasten kam und an der Seitenlinie stand Ranieri, der in nur 18 Monaten zu einer Klublegende wurde. Als sie Anfang Mai 2016 durch das Unentschieden der Spurs bei Chelsea vor dem Fernseher Meister wurden, hatte Ranieri anderes zu tun.

"Ich würde mir das Spiel ja gerne anschauen", sagte Ranieri, den sie in Leicester "King Claudio" getauft hatten, damals. "Aber ich bin da gerade auf dem Weg zurück aus Italien. Meine Mutter ist 96 Jahre alt und sie würde gerne mit ihrem Sohn zu Mittag essen. Ich werde sicher der letzte Mensch in England sein, der davon erfährt."

Einer kämpft mit den Tränen und einer weint

So einer ist Claudio Ranieri, der in seiner Karriere unfassbar viele Trainerstationen durchlaufen hat, meist gar nicht so richtig ankam, aber doch mit seiner Menschlichkeit Spuren hinterließ und in Leicester eben noch viel mehr. Am Donnerstag nun spielte Leicester City in der UEFA Conference League beim AS Rom, noch so ein Verein, den Ranieri einst trainierte. Damals zwischen 2009 und 2011 und für kurze Zeit noch einmal im Jahr 2019. Der Italiener, seit seinem Rauswurf bei Watford Anfang Januar 2022 ohne Job, war im Stadion.

Dort war er als Fan. Als einer, der den Fußball liebt. Als ihn nun die Stadionkameras im Olympiastadion erblickten und sein Bild auf der großen Leinwand gezeigt wurde, erhoben sich die Fans von ihren Sitzen. Die Anhänger der Foxes aus Leicester und die der Roma applaudierten. Sie ließen einen emotionalen Ranieri zurück, der mit den Tränen kämpfte. Tränen, die später beim aktuellen Rom-Trainer José Mourinho flossen und vielleicht sogar auch bei Ranieri.

Der gebürtige Römer hatte im Vorfeld angekündigt, seinem Herzensklub die Daumen zu drücken. Erfolgreich. Nach dem 1:1 im Hinspiel reichte der Roma ein 1:0 (1:0) durch einen frühen Treffer des Engländers Tammy Abraham. Zu viel für den Portugiesen Mourinho, für den es auf der großen Bühne der Champions League schon lange nicht mehr reicht, der sich aber jetzt mit der Conference League zufriedengibt und den die Emotionen übermannten.

Mourinhos historische Chance

"Warum ich in Tränen ausgebrochen bin? Weil ich fühle, was sie alle fühlen. Es ist ein großer Klub ohne die Trophäensammlung für die soziale Bedeutung des Vereins", sagte Mourinho über seine Tränen für die Roma, die nur 1961 im Messe-Pokal einen internationalen Titel gewinnen konnten. "Das ist noch keine Trophäe, nur ein Finale. Aber es bedeutet ihnen sehr viel. Meine Emotionen galten ihnen", ergänzte er mit Blick auf die 70.000 Zuschauer im Stadion.

Im Finale am 25. Mai in Tirana geht es für Mourinho um den Einzug in die Geschichtsbücher. Der 59-Jährige kann als erster Trainer die Champions League, Europa League und Conference League gewinnen. Alle vier bisherigen internationalen Finals gewann er: das UEFA-Pokal-Finale 2003 und das Champions-League-Finale 2004 mit dem FC Porto sowie die Endspiele in der Königsklasse 2010 mit Inter Mailand und der Europa League 2017 mit Manchester United. "Ich hatte das Glück, in größeren und prestigeträchtigeren Endspielen als diesem zu spielen", sagte Mourinho. "Aber wie wir hier eine familiäre Atmosphäre geschaffen haben, gibt mir ein besonderes Gefühl."

Der Gegner in Tirana? Feyenoord Rotterdam. Die standen letztmals 2002 im Finale des damaligen UEFA Cups. Dort besiegten sie vor heimischer Kulisse Borussia Dortmund mit 3:2. Es war der Tag der letzten Grätsche in der Karriere des Weltmeisters Jürgen Kohler. Aber darüber lesen Sie an dieser Stelle dann am Sonntag. Der Donnerstag gehörte Claudio Ranieri.

Quelle: ntv.de, sue

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