Fußball

"Wir haben sehr gelitten" Dortmund besteht den Charaktertest

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Maßgeblich am Dortmunder Sieg beteiligt: Pierre-Emerick Aubameyang.

(Foto: AP)

Der BVB gewinnt einen mitreißenden Schlagabtausch bei Sporting Lissabon nach aufopferungsvollem Kampf mit 2:1 und beweist, dass er die Fähigkeit besitzt, bis über die Schmerzgrenze zu gehen. Entsprechend überschwänglich fällt das Lob von Thomas Tuchel aus.

Wie ein Haufen geschlagene Krieger schlich die Dortmunder Mannschaft nach dem Abpfiff in die Kurve, wo sich die Fans in schwarz und gelb positioniert hatten. So bewegen sich eigentlich nur Spieler, die von einer empfindlichen Niederlage gebeutelt wurden und sich schwer tun, sich zum letzten Gang aufzuraffen.

Doch der Eindruck täuschte, der BVB hatte sein Auswärtsspiel in der Champions League bei Sporting Lissabon mit 2:1 gewonnen und dabei einen mitreißenden Fight geliefert. Eigentlich hätten die Profis den Weg also lachend und tänzelnd zurücklegen können, doch dazu waren sie einfach nicht mehr in der Lage.

Die 90 Minuten waren an die Schmerzgrenze und darüber hinaus gegangen, und den letzten Aufrechten aus dem durch viele Verletzte ausgedünnten Kader anzusehen. "Wir waren müde, auch vom Kopf her", berichtete der starke Torhüter Roman Bürki später in der Mixed Zone, "dieses Spiel hat viel Energie und viele Nerven gekostet."

Vorsprung ins Ziel gerettet

Tatsächlich war es ein echter Kraftakt, den die Dortmunder vor fast 50.000 fanatischen Zuschauern in der portugiesischen Hauptstadt hingelegt hatten. Er wurde belohnt, obwohl der Vizemeister aus dem Ruhrgebiet in der zweiten Hälfte trotz einer eigentlich recht komfortablen 2:0-Führung richtig in die Bredouille geraten war.

Dass der so kostbare Vorsprung trotz neun Verletzter und neuer Ausfälle im Spielverlauf ins Ziel gerettet wurde, wertete Trainer Thomas Tuchel als riesigen Schritt in der Entwicklung einer Mannschaft, die zwar mit vielen hochveranlagten Spielern gespickt ist, doch wegen der Jugend vieler Spieler noch am Anfang zu sein scheint: "Wir haben unglaublich gefightet, viel gearbeitet und sehr gelitten. Es hat unglaublich viel Energie und Bereitschaft gekostet, so verbissen um diesen Sieg zu kämpfen."

In der Endphase dieses so vehement geführten Schlagabtauschs mussten Matthias Ginter und Marc Bartra mit Kreislaufproblemen ausgewechselt werden, auch der 18-jährige Felix Passlack, der sich auf der linken Außenbahn mit Gelson Martins unglaublich intensive Duelle lieferte, hielt nicht bis zum Ende durch: "Er hatte Krämpfe und braucht bis zum Spiel am Samstag in Ingolstadt Elektrolyte", berichtete Tuchel.

BVB: Gefühlter verdienter Sieger

Da der Kontrahent in grün-weiß ähnlich leidenschaftlich dagegenhielt, stand das Spiel, bei dem Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang in der Anfangsphase traf und Julian Weigl, der im 102. Spiel das erste Tor seiner Profikarriere erzielte, auf des Messers Schneide. Tuchel wusste, dass es auch anders hätte ausgehen können: "Gerechtigkeit ist kein Maßstab, wenn Spiele so eng sind. Aber wir fühlen uns als verdiente Sieger, weil wir so viel investiert haben."

Dortmunds Trainer zeigte sich nicht nur von der Willensstärke der eigenen Spieler beeindruckt, sondern auch "von der Wucht und dem immer massiver werdenden Druck von Sporting. Da haben wir mit großem Aufwand dagegengehalten, selbst wenn wir von diesem Gegner und dieser Kulisse ein Stück weit beeindruckt waren." Dortmund bestand den Charaktertest, was den starken Matthias Ginter nicht sonderlich überraschte: "Wir haben schon oft genug bewiesen, dass wir unsere Qualitäten in die Waagschale werfen können."

Sein Kollege Sebastian Rode erhofft sich vom so willensstark erkämpften Erfolgserlebnis angesichts der angespannten Personallage und vieler Spiele in drei Wettbewerben sogar mildernde Wirkung: "So ein Sieg lässt die Wunden leichter heilen."

Mit zwei Siegen und einem wertvollen Remis gegen Titelverteidiger Real Madrid ist der BVB nach drei Vorrundenpartien voll im Soll: "Die Mannschaft hat sich mit jeder Faser des Körpers gegen den Ausgleich gestemmt", lobte Sportdirektor Michael Zorc, den das unfaire Verhalten des Gegners auf die Palme brachte.

"Das war eine einzige Sauerei"

Zwei Mal spielte Sporting den Ball nicht zum Gegner zurück, nachdem BVB-Spieler das Spielgerät aufgrund einer Verletzung eines Mitspielers ins Aus geschossen hatten: "So etwas habe ich in den 30 Jahren, die ich jetzt im Profifußball unterwegs bin, noch nicht erlebt", ereiferte sich Zorc: "Das war eine einzige Sauerei."

Belohnt wurden die Portugiesen dafür nicht, was Tuchel den Umgang mit seinen Spielern spürbar erleichtert: "Nicht auszudenken, wie sich ein spätes Gegentor auf uns ausgewirkt hätte", dozierte der Schwabe: "So wachen alle mit einem wohligen Gefühl auf." Tatsächlich vermittelten alle Statements und auch die Körpersprache der BVB-Profis den Eindruck, dass dieser Sieg als besonders wertvoll eingestuft wurde. "Wir erlauben es uns, heute sehr glücklich zu sein und diesen Sieg zu genießen", betonte Tuchel: "Wir werden ein bisschen feiern, auch wenn wir wissen, dass erst Halbzeit ist in diesem Vergleich."

Quelle: ntv.de

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