Fußball

"Sportlich in Liga bleiben" Dresden-Profi "mit Ängsten allein gelassen"

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Marco Hartmann fühlt sich von der DFL nicht ausreichend informiert.

(Foto: imago images/Sportfoto Rudel)

Dynamo Dresden ist wegen positiver Corona-Tests vom Neustart der 2. Fußball-Bundesliga vorerst ausgeschlossen. Im Team herrscht Unsicherheit, Ängste werden von der DFL nicht ausreichend thematisiert, kritisiert Marco Hartmann. Ein Streik sei jedoch ausgeschlossen.

Fußball-Profi Marco Hartmann vom Zweitligisten Dynamo Dresden hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Spieler nach den beiden positiven Coronatests im Klub streiken wollten. "Richtig ist: Es wurde innerhalb des Teams kontrovers diskutiert. Aber es gab keinen einzigen Spieler, der gesagt hat: Ich streike, ich mache das nicht mehr mit. Wir wollen weitermachen, wir wollen sportlich in der Liga bleiben", sagte Hartmann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Die abstiegsbedrohten Dresdner befinden sich aktuell in einer 14-tägigen Quarantäne, nachdem am vergangenen Samstag in der dritten Testreihe zwei Profis positiv auf den Virus getestet worden waren. Dadurch kann Dynamo am kommenden Wochenende die Saison noch nicht fortsetzen. Wegen der Coronafälle waren Zweifel am Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) aufgekommen und ein Saisonabbruch wurde öffentlich thematisiert.

Dass die Dresdner, mit vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer Tabellenletzter, einen Abbruch bewusst in Kauf nehmen würden, wies Hartmann ebenfalls entschieden zurück. "Eine derartige Betrachtung schockiert mich. So etwas zu denken, ist einfach nur Wahnsinn. Ich bin Sportler. Ich steige lieber mit erhobenem Haupte ab, als mit irgendeiner Aktion einen Abbruch zu forcieren", sagte Hartmann.

"Habe einen Säugling zu Hause"

Allerdings kritisierte er die DFL für ihren Alleingang in der Entscheidungsfindung: "Meines Wissens wurden wir gar nicht einbezogen. Womöglich hätte es sonst viele Fragen gegeben. Das Hygiene-Konzept an sich versprüht einen Hauch von Sicherheit. Und trotzdem sind wir Spieler mit unseren Ängsten und Fragen allein gelassen worden." Der 32-Jährige betonte: "Man hätte eine Möglichkeit finden müssen für die Spieler, die sagen: Ich habe Angst. Das hätten nicht die Vereine allein machen sollen, es hätte von der DFL kommen müssen. Aber um das zu erreichen, sind wir Spieler in Deutschland leider nicht gut genug organisiert."

Laut Hartmann hätten den Profis Bedenken genommen werden können, wenn man mit ihnen geredet hätte. "Und damit meine ich nicht die Vereine", betonte der Mittelfeldspieler. Er selbst habe Ängste. "Ich habe einen Säugling zu Hause, dazu eine Frau im Wochenbett", sagte der 32-Jährige. Es scheine zwar so zu sein, als gehörten beide nicht zur Risikogruppe. "Aber trotzdem beeinflusst das meinen Blick auf das alles. Ich frage mich: Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, wenn doch etwas passiert und nur ein einziger Spieler einen schweren Krankheitsverlauf haben sollte?"

Hartmann bemängelte zudem, dass den Spielern für die Rest-Saison zu viel abverlangt werde, er hätte sich mehr Vorbereitungszeit gewünscht. "Aber der Druck, am 30. Juni fertig zu sein mit dieser Saison, ist so hoch, dass einfach Kollateralschäden in Kauf genommen werden", sagte der Hartmann.

Wann Dynamo wieder spielen kann, steht noch nicht fest. Die Tests der vierten Reihe am vergangenen Montag waren negativ. "Ja, aber das bedeutet nicht, dass sich nicht doch jemand bei den anderen beiden Infizierten angesteckt hat", warnte Hartmann: "Ich habe mich erkundigt. Im Durchschnitt braucht es fünf bis sieben Tage, bis ein Test wirklich anschlägt. Also war nicht der Test am Montag entscheidend, es wird erst der nächste sein."

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa