Fußball

Rekordtransfer Lucas Hernández Ein Besessener für den FC Bayern

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Ein unbändiger Siegeswille - das zeichnet Lucas Hernández unter anderem aus.

(Foto: imago/MIS)

Er ist schnell, er ist zweikampfstark, er kann ein Spiel gestalten und er ist besessen von seinem Siegeswillen: Mit dem französischen Weltmeister Lucas Hernández verpflichtet der FC Bayern ein filigranes Fußball-Kampfschwein. Ein Porträt.

Wenn es nach seinen Essgewohnheiten geht, dürfte sich Lucas Hernández in München schon bald sehr wohl fühlen. München ist die Heimat der Weißwurst. Und Hernández liebt und vermisst in Madrid vor allem eines: Wurst. Am liebsten die geräucherte und mit Kümmel gewürzte aus dem kleinen Städtchen Montbéliard im Osten Frankreichs nahe der Schweizer Grenze. Von dort, wo seine Oma früher für ihn kochte. Mittlerweile ist der Junge 23 Jahre alt, er ist Fußball-Weltmeister – teuerster Verteidiger aller Zeiten, der mit Abstand teuerste Bundesliga-Star und großer Hoffnungsträger des FC Bayern. Er soll das Gesicht des Umbruchs werden, den sie in München mit dem "größten Investitionsprogramm" aller Zeiten zur kommenden Saison vorantreiben.

Geboren wurde Hernández in Marseille. Sein Vater Jean-François spielte jahrelang in Frankreich, unter anderem für Olympique Marseille. Die letzten Jahre seiner Karriere verbrachte er dann aber in Spanien. Einer seiner Vereine: Atlético Madrid. Lucas, sein kleiner Bruder Theo und seine Mutter kamen nach. Die Eltern trennten sich, zum Vater hat Hernández kein Verhältnis. Doch wenn es etwas gab, was er von seinem Vater mitbekommen hat, dann die Leidenschaft für den Fußball. Da die Mutter alleinerziehend war und die kleine Familie nicht immer genug Geld zur Verfügung hatte, unterstützte der Klub Rayo Majadahonda Lucas und Theo, damit sie trainieren konnten. Theo galt zunächst als das größere Talent und spielte bei Atlético Madrid vor. Die französische Fußballplattform "So Foot" schrieb, dass Lucas bei einem Testspiel seines Bruders entdeckt wurde – als er am Spielfeldrand kickte. Theo steht mittlerweile bei Real Madrid unter Vertrag, ist derzeit an Real Sociedad ausgeliehen. Der Star der Familie ist Lucas.

Schnelligkeit, Zweikampfstärke, Siegeswille

Im Sommer wird er insgesamt zwölf Jahre bei Atlético verbracht haben. Er durchlief alle Stationen und wurde schließlich von Coach Diego Simeone zu den Profis geholt, der sein großer Förderer wurde. 2014 feierte er sein Debüt als Profi, beim 4:1 in Bilbao wurde Hernández eingewechselt. 2016 erlebte er die Pleite im Champions-League-Finale ausgerechnet gegen Erzfeind Real Madrid, 2018 den Gewinn der Europa League, ausgerechnet gegen Olympique Marseille, den Ex-Klub seines Vaters. Er hat das Sieger-Gen – und weiß auch, mit bitteren Niederlagen umzugehen. Der richtige Mann also für den FC Bayern?

Hernández gilt als vielseitig einsetzbar. Sowohl auf der linken Abwehrseite als auch als Innenverteidiger kann der 23-Jährige das Spiel wuchtig, aber auch filigran antreiben. Neben seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke sticht aber immer wieder eines heraus: sein absoluter Siegeswille. Hernández gilt als Kampfschwein. "Gegen Messi, Suarez oder Neymar zu spielen, ist ein Kindheitstraum. Aber auf dem Platz gibt es keine Träume. Da ist Krieg", sagte er einmal. Als noch über einen möglichen Transfer spekuliert wurde, zeigte sich, wie sehr Simeone an seinem Schützling hängt – obwohl er wohl genau wusste, dass Atlético seinen kompromisslosen Verteidiger nicht mehr ewig würde halten können. "Ich werde ihn immer respektieren und unterstützen, weil ich ihn liebe", sagte der Trainer. Bei den "Rojiblancos" galt er mit dem Uruguayer José María Giménez als Innenverteidigung der Zukunft.

Frankreich? Spanien? Frankreich!

Hernández’ Karriere ging steil bergauf. Und doch loderte in ihm ein Konflikt, der auf dem Papier erst 2018 endgültig beendet schien. In Frankreich geboren, in Spanien aufgewachsen, stand er immer zwischen den Nationen. Die engere Verbindung hat er zu Spanien. Für gewöhnlich spricht Hernández heute spanisch, einzig mit Griezmann und Teamkollege Thomas Lemar französisch. Das spricht er mit spanischem Akzent. Mal wollte er für die Iberer auflaufen, dann revidierte er seine Meinung. Wenige Monate vor der WM in Russland wurde er von Nationaltrainer Didier Deschamps für die "Equipe Tricolore" nominiert – die Entscheidung für Frankreich war gefallen. Und hat sich ausgezahlt. Hernández fuhr mit, bestritt alle sieben Spiele. Im Finale gegen Kroatien (4:2) bereitete er das 4:1 vor.

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Mit Frankreich wurde Hernández im vergangenen Jahr Weltmeister.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Hernández stand beim Turnier keineswegs so sehr im Fokus der Öffentlichkeit wie heute. Mit dem Titel veränderte sich das schlagartig. "Zuvor war ich Lucas Hernández, Spieler von Atlético Madrid. Jetzt muss ich hinzufügen, dass ich Weltmeister bin, das verändert dein Leben. Es wird niemals so sein wie zuvor", sagte er in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Figaro“ Ende Dezember. "Sie fühlen sich mehr beobachtet, wenn Sie ins Restaurant gehen, Sie sehen Menschen, die Sie beobachten, und es ist sinnvoll, nicht mehr Sie selbst zu sein. Sie müssen auf alles achten."

Griezmann, sein Mentor

Ihm sei noch heute nicht bewusst, was es heiße, Weltmeister zu sein. Doch er hat eine Vorstellung davon, wie es einmal sein wird. "Wenn ich mit dem Fußball aufhöre und mit ein paar Bier die WM-Trophäe in meinem Wohnzimmer sehe, ist es an der Zeit, es zu genießen. 90 Prozent der heiligen Spieler werden diesen Sommer erst erkennen, sobald sie ihre Schuhe an den Nagel hängen." Diesen Sommer in Russland hat Hernández auch Griezmann zu verdanken. Der Atlético-Stürmer ist eine seiner engsten Bezugspersonen und hat ihn auch bei seiner Entscheidung beraten, für Frankreich aufzulaufen. "Er spricht ständig mit mir. Er war dort, als ich eine der größten Entscheidungen meines Lebens treffen musste, als ich mich zwischen Frankreich oder Spanien entscheiden musste", sagte Hernández "Le Figaro". Er habe ihn "zum Nachdenken gebracht und alles verändert."

Nicht nur sportlich ist Griezmann eine wichtige Stütze für seinen Teamkollegen. "Bevor ich meine Frau traf und den Kleinen hatte, ging ich gerne als Single aus. Er sagte mir, ich solle ruhig bleiben. Auf und neben dem Platz. Er ist mein Bruder." Ruhig bleiben, das gelang ihm nicht immer. Mit seiner damaligen Freundin Amelia geriet er im Februar 2017 in eine handfeste Auseinandersetzung, von Ohrfeigen ist die Rede. Die Polizei musste schlichten. Das Gericht sprach ein Kontaktverbot aus, beide mussten 31 Tage gemeinnützige Arbeit leisten und eine Geldstrafe zahlen.

Nur kurze Zeit nach dem Beziehungs-Eklat heirateten sie in Las Vegas. Sohn Martin wurde kurz nach der WM im August 2018 geboren. Und für Hernández ist klar, dass Vatersein schwieriger ist, als Weltmeister zu werden. Im "Le Figaro" erklärte er: "Alle drei Stunden aufzuwachen, um Fläschchen aufzufüllen oder Windeln zu wechseln, ist nicht einfach. Aber es ist etwas Schönes. Wir sind organisiert. Wenn es eine klassische Woche ohne Match ist, wache ich nachts auf. Wenn das Spiel näherrückt, seine Mutter." Er wolle noch weitere Kinder haben. Jetzt aber liegt der Fokus erstmal auf dem FC Bayern und Martin. Und eines stellte er gleich klar: "Er muss die Wurst von Oma probieren. Es ist eine Verpflichtung."

Quelle: n-tv.de

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