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Bundesliga-Check: Leverkusen Ein Traditionsklub sehnt sich nach Titeln

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"Aber du kannst ruhig mal sagen dürfen: Ich will das": Julian Brandt.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Warum nicht mal was gewinnen? Julian Brandt geht nicht zum FC Bayern, weil er mit dem Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen etwas reißen will. Die Zeichen stehen nicht schlecht - auch wenn die Handschuhstapfen groß sind.

Willkommen beim Traditionsklub: Der Turn- und Sportverein Bayer 04 Leverkusen steht vor seiner 40. Saison in der Fußball-Bundesliga. Ja, die Lizenzspielerabteilung ist ausgegliedert, aber wo ist sie das nicht? Nur der SC Freiburg, der 1. FSV Mainz 05 und der FC Schalke 04 spielen als Vereine mit. Jedenfalls sind die Leverkusener seit der Premierensaison 1979/1980 kein einziges Mal abgestiegen. Vor zwei Jahren aber war es knapp. Trainer Roger Schmidt musste im März 2017 gehen, Tayfun Korkut, mittlerweile in Stuttgart gelandet, übernahm bis zum Saisonende, es ging noch einmal gut. Seit Beginn der vergangenen Spielzeit sitzt Heiko Herrlich auf der Bank. Seitdem läuft's wieder, die Leverkusener starten nun in der Europaliga. Bei der Auslosung der Gruppen am 31. August sind sie dank starkem Uefa-Koeffizienten in Topf 1 und gehen somit den vermeintlich stärksten Teams erst einmal aus dem Weg. Und in der nächste Saison wollen sie dann endlich wieder in der Champions League spielen.

Was gibt's Neues?

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Erst einmal noch in Leverkusen: Leon Bailey.

(Foto: imago/DeFodi)

Dass der 22 Jahre alte deutsche Nationalspieler Julian Brandt weiter bei Bayer 04 spielt, dürfen sie in Leverkusen durchaus als Erfolg verbuchen. Endlich mal ein junger, sehr guter Offensivspieler, der nicht zum FC Bayern geht. Auch Innenverteidiger Jonathan Tah, ebenfalls 22 Jahre alt und Nationalspieler, hat seinen Vertrag verlängert. Das gilt auch für den arg begehrten Angreifer Leon Bailey aus Jamaika. Dessen Wechsel scheint damit zumindest für diesen Sommer vom Tisch. Zudem verpflichtete Sportdirektor Jonas Boldt das 18 Jahre alte brasilianische Offensivtalent Paulinho für 18,5 Millionen Euro von Vasco da Gama, den 24 Jahre alten Defensivspieler Mitchell Weiser für zwölf Millionen Euro von Hertha BSC und den 26 Jahre alten schwedischen Mittelstürmer Isaac Kiese Thelin leihweise vom RSC Anderlecht. Sportdirektor Boldt? Und was macht Rudi Völler? Der ist nach 18 Jahren in der Hierarchie eine Stufe höher gerückt und darf sich jetzt Geschäftsführer Sport nennen. Den Job haben sie eigens für ihn geschaffen. Sein neuer Chef ist der Katalane Fernando Carro de Prada. Er hat die Leitung der Geschäftsführung der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH von Michael Schade übernommen, der jetzt Rentner ist.

Auf wen kommt's an?

Brandt hat viel vor. "Ich finde, du solltest dir als Spieler und als Verein größtmögliche Ziele setzen", sagte er der "Bild"-Zeitung: "Du musst nicht durch Leverkusen laufen und erzählen: "Ich werde Meister, hole Pokal und Europa League." Aber du kannst ruhig mal sagen dürfen: Ich will das." Dabei gehe es nicht darum, den FC Bayern in der Liga zu stoppen, "gar nicht so sehr um die Meisterschaft. Dass die schwer zu holen ist, wissen wir alle. Aber warum kann man nicht mal den Pokal oder die Europa League gewinnen? Wir dürfen ruhig mal andere Ambitionen äußern als das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs". Dabei können die Leverkusener und Kapitän Lars Bender allerdings nicht auf Julian Baumgartlinger bauen. Der österreichische Mittelfeldspieler zog sich am Samstag beim glanzlosen 1:0 im Pokalspiel in Pforzheim bei einem Zweikampf einen Innenbandriss zu und fällt mindestens zwei Monate aus. Aber auch Bender sagte der "Rheinischen Post", das Ziel sei ein Titel. Und: "Ich will unbedingt noch einmal in der Königsklasse spielen. Das Potenzial, diese Ziele zu erreichen, hat die Mannschaft."

Was fehlt?

Torhüter Bernd Leno ist als einziger Leistungsträger gegangen, brachte 25 Millionen Euro ein und sitzt nun beim FC Arsenal auf der Bank. Für ihn kam vom Pokalsieger aus Frankfurt der Finne Lukas Hradecky und sagt: "Bernd war hier seit 2011 einer der besten Torhüter der Liga und ein Publikumsliebling. Das sind große Handschuhstapfen." Beim Pokalspiel beim Oberligisten 1. Club für Rasenspiele Pforzheim stand allerdings Ramazan Özcan im Tor, er wird das mutmaßlich auch beim Ligastart am 25. August in Mönchengladbach tun. Hradecky ist nach einer Operation am Kiefer noch nicht wieder fit. Und Stefan Kießling ist nicht mehr dabei. Der Angreifer hat sich im Mai mit seinen 34 Jahren vom gut bezahlten Fußball verabschiedet und soll demnächst in Bayers Geschäftsführung arbeiten. Wie die "Schwäbische Zeitung" berichtet, hat er allerdings einen Spielerpass beim FV Schelklingen-Hausen aus Baden-Württemberg. Der Klub spielt in der Kreisliga A Donau Staffel 1. Und Ex-Trainer Theo Trajkowski, Kießlings Trauzeuge, sagt: "Er wird auch das eine oder andere Spiel machen, wenn er mal zu uns zu Besuch kommt."

Wie lautet das Saisonziel?

"Wir wollen uns verbessern", sagt Trainer Herrlich. Der Klub, der sich zwischen 2011 und 2016 in fünf von sechs Spielzeiten mit Europas Elite messen durfte, möchte also wieder in die Champions League. Und wenn die Leverkusener in dieser Saison mindestens 30 Punkte holen, verbessern sie sich in ihrer 40. Bundesligasaison in der ewigen Tabelle auf Platz zehn. Dort steht noch der 1. FC Kaiserslautern. Aber der kickt ja mittlerweile drittklassig.

Die Prognose von n-tv.de

Hm. Königsklasse. Ob das klappt, hängt auch ein bisschen davon ab, was die anderen machen. Vier Startplätze bekommt die Bundesliga, in der vergangenen Saison gingen die nach München, Gelsenkirchen, Hoffenheim und Dortmund. Die Leverkusener landeten punktgleich mit dem BVB auf Rang fünf, noch vor Leipzig. Diese sechs Teams dürften wieder im Kampf um die Champions League dabei sein. Wir legen uns fest: Leverkusen setzt den Aufwärtstrend der vergangenen zwei Jahre fort und belegt am Ende mindestens auf Platz vier.

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Quelle: n-tv.de

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