Fußball

Union Berlin verändert sich Ein hoch spannender Poker mit Max Kruse

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Eine der spannendsten Fragen der Saison: Wie sehr wird Max Kruse Union Berlin verändern?

(Foto: imago images/Hübner)

Max Kruse ist zurück in der Bundesliga. Und bei der Wahl seines neuen Arbeitgebers sorgt der ehemalige Nationalspieler für eine amtliche Überraschung: Der 32-Jährige wechselt zu Union Berlin. Die Köpenicker verabschieden sich mit dem Transfer von ihrer gepflegten (N)ostalgie.

Anders sein, das war einmal. Union Berlin, das sich jahrzehntelang am Image der eigenen Heimeligkeit und Ostalgie berauscht hat, setzt nun ein bemerkenswertes Statement pro Establishment: Der Klub, der in der vergangenen Saison sensationell den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geschafft hatte, mit bisweilen bemerkenswerten Leistungen, schnappt sich Max Kruse.

Die Köpenicker setzen damit, und das ist alles andere als eine Übertreibung, den spektakulärsten Transfer der eigenen Historie um. Und das in gleich doppelter Hinsicht: Kruse, der zuletzt bei Fenerbahce in Istanbul gespielt hatte und ablösefrei kommt, ist nicht nur auf dem Feld eine echte Attraktion, auch abseits des Rasens sorgt er immer wieder für Aufsehen.

Kruse und das Maximum an Aufmerksamkeit

Die Geschichten von legendären Pokernächten, von vergessenen Tausenden Euros im Taxi, von einer sehr ausgeprägten Vorliebe zu süßem Brotaufstrich, sie sind längst erschöpfend erzählt. Und sie werden Kruse nicht gerecht, zumindest nicht dem Offensivspieler, der er ist. Auch wenn zur Wahrheit gehört, dass seine Einstellung zum Leben eine womöglich noch größere Karriere verhindert hat. 14 Länderspiele, das sind für einen so begnadeten Mann viel zu wenig. Aber der Typ Kruse passt nicht zum Typ Joachim Löw. Wie sehr der Bundestrainer mit kantigen Fußballern fremdelt, weiß auch der gerade abgetretene Sandro Wagner.

Union Berlin und Max Kruse - das ist eine ebenso überraschende wie spannende Liaison. Der Klub, der in der erfolgreichen Vergangenheit auf Fußball spielende Kämpfer vertraute, gönnt sich nun einen kämpfenden Fußballspieler. In Bremen, wo er seine wohl stärkste Zeit erlebte, war er der dominante Mann der alles auf sich vereinte. Die Aufmerksamkeit der Mitspieler. Die Aufmerksamkeit seines Trainers, den er gerne mit konstruktiver Kritik versorgte. Die Aufmerksamkeit der Gegenspieler. Die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters. Und die der Medien.

Kruse war die zentrale Figur. Der überragende Kommandant eines weniger überragenden Kollektivs. Es war eine Mischung, die Werder vorletzte Saison fast zurück nach Europa geführt hätte. Und letzte Saison, als Kruse weg war, fast in Liga zwei.

Eine große Herausforderung für Urs Fischer

In Liga zwei möchte Union nicht zurück. Das haben sie mit ihren Transfers hart untermauert. Schon in der vergangenen Saison als sie mit Neven Subotic, mit Anthony Ujah, mit Christian Gentner etablierte Spieler holten, die zwar nicht alle zu stabilen Leistungsträgern wurden, wohl aber alle ihren Teil am Klassenerhalt beisteuerten. Es war ein Kollektiv, das über weite Teil der Saison bemerkenswert gut funktionierte. Nun kommen neben Kruse auch noch Abwehrspieler Robin Knoche (VfL Wolfsburg) und Torwart Andreas Luthe (FC Augsburg). Doch während sich Knoche und Luthe mühelos in die Idee des Kollektivs einbinden lassen werden, wird sich das Spiel mit Kruse verändern. Ob sie in Köpenick wollen oder nicht.

Für Trainer Urs Fischer wird es mutmaßlich die größte Herausforderung, das Spiel seines Teams nicht in eine ähnliche Kruse-Abhängigkeit zu treiben, wie es einst bei Werder passiert war. Der Grat indes ist sehr schmal. Kein anderer Fußballer im Kader der Eisernen hat die Qualitäten von Kruse. Die richtige Lösung auch in schwierigen Situation, das gehört zu seinem Instinkt. Und zum Instinkt einer Mannschaft gehört es, in schwierigen Situation den Ball zum besten Mann zu spielen. Union wird sich verändern. Wie sehr, das wird eines der spannendsten Pokerspiele der Saison zeigen.

Quelle: ntv.de