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Liverpools Siegesserie reißt Eine erste Schramme für Klopp

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Jürgen Klopp hatte viel zu schimpfen und durfte am Ende erstmals seit Langem keinen Sieg seines FC Liverpool bejubeln.

(Foto: imago images/Sportimage)

Der FC Liverpool ließ beim Unentschieden bei Manchester United zum ersten Mal seit März in der englischen Premier League Punkte liegen und verpasst den Rekord. Aus dem Nichts kommt dieses Ergebnis allerding nicht. Trainer Jürgen Klopp wertete es dennoch positiv.

Als die Serie des FC Liverpool gerissen war, wurden im Fernsehstudio die Essgewohnten von Trainer Jürgen Klopp diskutiert. Zum ersten Mal seit Anfang März hatte der Champions-League-Sieger und Tabellenführer beim 1:1 bei Manchester United Punkte in einem Ligaspiel gelassen. Damit verpasste Liverpool gleich zwei Bestmarken, nämlich den Startrekord in eine Saison mit neun Siegen nacheinander und die längste Siegesserie in der Premier League überhaupt mit 18 Erfolgen.

Klopp war nicht glücklich mit der Leistung seiner Mannschaft, doch auch an der Vorstellung der Gastgeber störte er sich: "Wenn wir hierher kommen, verteidigen sie nur. Das war dieses Jahr so, im vergangenen Jahr und im Jahr davor. Das ist keine Kritik, das ist ein Fakt", klagte er. Der einstige United-Trainer José Mourinho, seit dieser Saison als Fachmann für Sky Sports beschäftigt, hatte kein Mitgefühl. "Ihm gefiel die Speisekarte nicht. Er mag Fleisch, aber es gab Fisch", mutmaßte er über Klopps Essgewohnheiten.

Mourinho tadelt und spendet Trost

Was Mourinho damit sagen wollte, war dieses: Seiner Meinung nach hat Liverpool ein Problem, sich gegen tief stehende Mannschaften Chancen zu erspielen. Er findet, dass Klopp die Schuld dafür nicht beim Gegner suchen sollte, sondern bei sich selbst. In der Tat ist es ja so, dass das Old Trafford kein Ort ist, den der deutsche Trainer mit Vorliebe bereist. Klopp wartet nach dem 1:1 weiter auf seinen ersten Sieg als Liverpool-Trainer beim Rekordmeister und musste sich mit dem Ergebnis arrangieren. "Es gibt schlimmere Dinge, als hier einen Punkt zu holen", sagte er.

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Obwohl Manchester United mit der Last des schlechtesten Saisonstarts seit 30 Jahren in die Partie gegangen war, wären Liverpool beinahe schlimmere Dinge zugestoßen. Die Gastgeber führten lange durch einen umstrittenen Treffer von Marcus Rashford aus der ersten Halbzeit. Klopp war der Meinung, dass dem Tor ein Foul von Scott McTominay an Divock Origi voran gegangen war. Schiedsrichter Martin Atkinson hatte die Partie allerdings laufen lassen, der Video-Assistent konnte ihm bei der Überprüfung des Vorgangs kein schweres Versäumnis nachweisen. Der späte Ausgleich des eingewechselten Adam Lallana verhinderte Liverpools erste Liga-Niederlage seit dem 1:2 bei Manchester City Anfang des Jahres.

Die bislang makellose Bilanz des Spitzenreiters hat eine erste kleine Schramme bekommen mit dem Unentschieden nach zuvor acht Siegen aus acht Spielen. Und wenn man einen Blick hinter die Ergebnisse wirft, hatte sich das angedeutet. Klopps Mannschaft hat in dieser Saison noch kein perfektes, vollkommenes Spiel abgeliefert. Ein paar Beispiele: Beim 4:1 gegen Norwich geriet die Abwehr mehrmals ins Schwimmen, beim 2:1 bei Chelsea hätte Liverpool einen Zwei-Tore-Vorsprung fast noch verspielt, beim 1:0 bei Aufsteiger Sheffield United wurde Liverpool von einem schweren Torwartfehler des Gegners begünstigt, das 2:1 vor der Länderspiel-Pause gegen Leicester kam durch einen umstrittenen Elfmeter in der Nachspielzeit zustande.

"Fast alles lief gegen uns"

Während die Siege von Meister (und Verfolger) Manchester City oft leicht aussehen, muss Liverpool um seine Erfolge kämpfen. Außerdem hat die Mannschaft viel Glück gehabt zuletzt. Natürlich nicht nur, aber eben auch. Die Frage ist, was das über die beiden Kontrahenten im Titelkampf aussagt. Die "New York Times" hat dieses Phänomen vor Liverpools Reise ins Old Trafford untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass regelmäßiges Glück irgendwann Können sei. "Klopps Stil ist darauf ausgelegt, Fehler zu provozieren und sie gnadenlos zu nutzen. Deshalb kann es schwer sein, Liverpools Überlegenheit zu verstehen. Sie basiert nicht darauf, Dinge zu machen, die andere Mannschaften nicht können – sondern, sie einfach besser zu machen."

Beim Remis im Old Trafford gelang das nicht. Liverpool machte die Dinge über weite Strecken sogar schlechter als der krisengeplagte Gegner. Dennoch versuchte Klopp, das Spiel positiv zu deuten, nicht etwa als Alarmsignal. "Fast alles lief gegen uns, auch unsere Leistung in der ersten Halbzeit, trotzdem haben wir nicht verloren. Das ist ok", sagte er. Von den englischen Zeitungen bekommt er Zustimmung für diese Sicht. "Champions geben nie auf. Das war Liverpools größte Stärke im Old Trafford", urteilt zum Beispiel der Mirror. Dennoch dürfte dem Trainer klar sein, dass seine Mannschaft eine solche Leistung nicht so oft wiederholen sollte, wenn es in dieser Saison mit der ersten Meisterschaft seit 30 Jahren klappen soll. In drei Wochen muss der Tabellenführer wieder gegen Manchester ran – dann geht es gegen Titelverteidiger City.

Quelle: ntv.de