Fußball

Aufstieg, Historie, Stadion Eisern Union - wer sind die eigentlich?

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Union zeigt Herz.

(Foto: imago images / Nordphoto)

"Eisern", Last-Minute-Tore und Platzsturm: Der 1. FC Union ist nach der erfolgreichen Relegation gegen den VfB Stuttgart der fünfte Berliner Klub in der Fußball-Bundesliga. Die Köpenicker feiern ihren "surrealen" Aufstieg und selbst Toni Kroos gratuliert. Die wichtigsten Fakten zur DDR-Historie, zum Schlachtruf und zum Stadion An der Alten Försterei.

Stimmen zum Aufstieg

Trainer Urs Fischer bei Eurosport: "Ich glaube, dass ein ganzer Verein ein Jahr lang alles dafür getan hat. Die Unterstützung und Arbeit braucht viele Hände. Es ist ein gemeinsamer Erfolg. Ich habe bei jedem Heimspiel und bei jedem Freundschaftsspiel etwas zurückbekommen. Ich mag es dem Verein, dem tollen Publikum, jedem Mitarbeiter total gönnen. Ich bin überglücklich für alle. Ich habe immer daran geglaubt."

Verteidiger Michael Parensen: "Es ist Wahnsinn: Was wir die Saison geleistet haben, welche Chancen wir vergeben haben. Was wir heute reingehauen haben. Mehr kämpfen geht einfach nicht. Es war unglaublich, ich bin überglücklich. Natürlich träumt man immer davon. Wir wussten, dass wir eine gute Mannschaft haben, aber es gehört so viel dazu. Man braucht einfach auch viel Glück, das haben wir geschafft. Ein Traum ist wahr geworden."

Präsident Dirk Zingler: "Es ist surreal, ich fasse das gar nicht. Ich gehe seit 40 Jahren zu diesem Verein, seit 20 Jahren habe ich darauf gewartet, auf dieses Spiel, auf dieses eine Spiel und wir haben es gezogen. Ich bin so glücklich, weil die Menschen seit vielen, vielen Jahren arbeiten und es einfach verdient haben."

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Sebastian Andersson ist "stolz".

(Foto: imago images / foto2press)

Stürmer Sebastian Andersson: "Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Die Fans und der Klub waren so gut. Ich bin so stolz auf das Team. Wir haben gekämpft, es ist unglaublich. Wir haben die ganze Zeit gekämpft."

Geschäftsführer Oliver Ruhnert: "Es ist unbeschreiblich. Die Mannschaft hat es sich über die Saison so verdient, hat aber verpasst, den entscheidenden Schritt zu machen und musste den härtesten Weg gehen, den es gibt. Wenn sie das heute miterlebt haben hier, das kann man nicht mit Worten beschreiben. Die Leute hier, haben sich so danach gesehnt. Es ist einfach so ein geiles Gefühl, den Leuten das hier einfach zu geben."

Die Berliner in der Bundesliga

Wie passend: Zum Ende der 56. Bundesliga-Saison kürt sich der 1. FC Union zum 56. Klub im Oberhaus. Erstmals seit der Saison 1976/77 (damals waren es Hertha und Tennis Borussia) sind zwei Berliner Vereine gleichzeitig vertreten - damit findet auch endlich wieder ein Hauptstadtduell in der ersten Liga statt. Zuletzt hatte es Derbys gegen Hertha BSC in der zweiten Liga gegeben. Die Unioner sind die fünfte Berliner Mannschaft, die in der Bundesliga spielt. Hertha BSC, klar, dazu Blau-Weiß 90 in der Saison 1986/1987, Tennis Borussia 1974/1975 und 1976/1977 sowie der SC Tasmania 1900 in der Saison 1965/1966.

Last-Minute-Mannschaft 2018/2019

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Ein sicherer Rückhalt: Rafal Gikiewicz.

(Foto: imago images / Michael Weber)

Es beginnt gleich am ersten Spieltag der zweiten Bundesliga: Mit einem Weltklasse-Freistoß in der 87. Minute schießt der erst sechs Minuten vorher eingewechselte Felix Kroos den 1. FC Union Berlin zum 1:0-Sieg über den FC Erzgebirge Aue. Die Last-Minute-Tore sollen sich durch Unions Saison ziehen wie ein roter Faden. Am fünften Spieltag köpft Abwehrhüne Florian Hübner die Berliner in der 91. Minute zum 2:2 gegen Duisburg, im Rückspiel ist Kollege Sebastian Andersson in der 89. Minute ebenfalls per Kopf erfolgreich und markiert den 3:2-Siegtreffer. Beim 2:0 über Kiel am siebten Spieltag erzielen die Eisernen sogar gleich beide Tore in der Nachspielzeit, am 14. Spieltag rettet Suleiman Abdullahi mit seinem Linksschuss in der 90. Minute ein Unentschieden gegen den Hamburger SV, Joker Sebastian Polter knipst beim 1:1 gegen Regensburg am 29. Spieltag in der 83. Minute und beim 1:1 gegen den 1. FC Heidenheim am neunten Spieltag trifft sogar Torhüter Rafal Gikiewicz in der 94. Minute.

Ohnehin: Die Unioner geben nie auf. Auch die Comebacks gegen den 1. FC Köln (69. Minute) am 2. und gegen Magdeburg (65. Minute) am 16. Spieltag fallen in der zweiten Hälfte nach Rückstand. In den ersten 17 Spielen kassieren die Berliner deshalb auch keine Niederlage, holen aber auch nur sieben Siege bei zehn Unentschieden. Auch am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum kommt Union nach einem 0:2-Rückstand noch einmal zurück. Nur der 3:2-Siegtreffer will in der 95. Minute nicht mehr fallen. Macht nichts, werden die Fans und Spieler sich jetzt sagen, der Aufstieg per Relegation passt eben besser zur Last-Minute-Mannschaft.

Die Unioner feiern mit Herz

Mit dem Schlusspfiff brechen alle Dämme: Das 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart beschert den ersten Aufstieg in die Bundesliga und gefühlt das komplette Stadion stürmt auf den Platz, der bald komplett voll ist. Fast ungläubig fallen die Spieler auf die Knie und sich in die Arme. Ersatzspieler, Betreuer, Offizielle und Fans folgen Sekunden darauf. Von ganzem Herzen daran geglaubt haben die Zuschauer: Tausende nahmen den Mannschaftsbus vor dem Stadion in Empfang und in der Alten Försterei zeigte eine Choreo zwei Hände, die ein menschliches Herz zärtlich halten.

Statt bayerischer Weißbierduschen gibt es hier natürlich Berliner Pilsner, Maskottchen Ritter Keule schwingt euphorisch seinen Morgenstern. Weiter geht die Aufstiegsparty in Berlin schon morgen: Per Schiff bricht die Mannschaft von der Berliner East Side Gallery Richtung Köpenick auf, um dann auf dem Rathausbalkon und anschließend in der Alten Försterei mit den Fans bis zum Abend zu feiern.

Warum eigentlich Eisern Union?

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Die Vereinshymne singt Nina Hagen.

"Und niemals vergessen: Eisern Union", schallt es immer wieder durch die Alte Försterei. Dann singt Nina Hagen die Stadion-Hymne: " Immer weiter ganz nach vorn, immer weiter mit Eisern Union." Anfang des 20. Jahrhunderts als "Sport-Club Union-Schöneweide" gegründet, ziehen die Berliner 1920 in ihr heißgeliebtes Stadion. Immer wieder wird der Verein umstrukturiert, 1966 wird schließlich der 1. FC Union Berlin neugegründet, wie wir ihn heute kennen.

Fans haben bei der Namens- und Klub-Logofindung ein Mitspracherecht. Die Herkunft des Schlachtrufs "Eisern Union" ist nicht genau geklärt und es gibt mehrere Legenden über die Entstehung: Vor Nina Hagens Hymne wird er zum Beispiel als legendärer Schlachtruf aus den 1920er- und 30er-Jahren bezeichnet, der gegen Hertha BSC gerichtet war, die das Geld und den Erfolg besaßen, die Union nicht hatte. Ein Bierverkäufer soll gerufen haben: "Mensch, eisern müsst ihr sein!", worauf sich der Slogan im ganzen Stadion verbreitete.

In einer anderen Version steht "Eisern" für den Underdog Union, der damals in der Weimarer Republik in Blau-Weiß spielte und das Arbeiterviertel Oberschöneweide und die Schlosser in den Industriebetrieben farblich wie auch ideologisch repräsentierte. In der DDR wird Union dann ein Arbeiterverein mit einem Hochspannungsbetrieb als wirtschaftlichem Träger und kein Parteiverein, vom System unten gehalten. Der BFC Dynamo von Stasi-Chef Erich Mielke soll den DDR-Fußball regieren. Bei "Eisern Union" schwingt also auch immer etwas Widerstand gegen die Wohlhabenden, die Mächtigen und den SED-Staat mit.

Das Stadion

*Datenschutz

Das Stadion An der Alten Försterei ist ein ganz besonderes - und das liegt auch an den Fans. Dem Verein zufolge haben mehr als 2300 Freiwillige in der Saison 2008/2009 angepackt und unentgeltlich beim Auf- und Umbau geholfen. Dem Klub ersparen sie mit ihren insgesamt 140.000 Arbeitsstunden einige Millionen Euro an Kosten. Bundesweit einzigartig.

Die Alte Försterei ist Berlins größtes reines Fußballstadion, es fasst 22.012 Zuschauer. 18.395 Plätze sind Stehplätze. Das Stadion gibt es bereits seit 1920, damals war es die Spielstätte des SC Union Oberschöneweide, einem Vorgängerklub des 1. FC Union. Namensgeber war das Forsthaus, das nebenan steht und heute die Geschäftsstelle des Klubs beherbergt.

Dass in dem Stadion ab Spätsommer die Bundesliga zu Gast ist, klappt nur aufgrund einer Sondergenehmigung der Deutschen Fußball Liga. Denn die Alte Försterei erfüllt nicht alle Voraussetzungen für das Oberhaus. Offiziell werden von der DFL 8000 Sitzplätze verlangt, es gibt aber lediglich etwas mehr als 3500. Grund für die Genehmigung ist, dass Union einen weiteren Ausbau plant. Bis 2020, zum hundertjährigen Jubiläum des Stadions, soll die Kapazität auf knapp 37.000 Plätze erweitert werden, davon sollen 8286 Sitzplätze sein - und dann wäre die DFL-Forderung erfüllt.

Der Tweet des Spiels

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(Foto: Twitter.com/ToniKroos)

Quelle: n-tv.de

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