Fußball

Kronzeuge gegen Blatter Ex-Fifa-Funktionär Chuck Blazer ist tot

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Chuck Blazer war Fifa-Mitglied - und später "Whistleblower".

(Foto: picture alliance / Steffen Schmi)

Chuck Blazer gilt als einer der korruptesten Funktionäre im Weltfußball. Als Informant wider Willen erlangt er im Fifa-Korruptionsskandal zweifelhafte Berühmtheit. Jetzt ist das langjährige Mitglied des Exekutivkomitees mit 72 Jahren gestorben.

Er war der Mann, der den früheren Fifa-Präsidenten Joseph Blatter zu Fall brachte - nun ist Ex-Fifa-Mitglied Chuck Blazer mit 72 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Anwalt gegenüber Medienvertretern. Blazer war vor Jahren an Krebs erkrankt, über die genaue Todesursache ist aber noch nicht genaues bekannt. "Sein Fehlverhalten, für das er in vollem Umfang die Verantwortung übernommen hat, sollte nicht seinen positiven Einfluss auf den internationalen Fußball verschleiern", teilte der Anwalt weiter mit.

Das angesprochene Fehlverhalten geht zurück auf den Korruptionsskandal der Fifa. 2012 geriet er ins Visier des FBI, ihm wurde unter anderem organisierte Kriminalität, Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen. 2013 gestand Blazer, in die kriminellen Geschäfte des Fußball-Weltverbands verwickelt gewesen zu sein und über Jahre hinweg Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen zu haben. Er wurde notgedrungen zum Informanten, ging einen Deal mit den Behörden ein und bespitzelte fortan angeblich andere Funktionäre.

Mit einer Wanze im Schlüsselanhänger soll die rechte Hand von Skandalfunktionär Jack Warner während der Olympischen Spiele 2012 in London Verantwortliche der russischen und australischen WM-Bewerbung für 2018 (Russland gewann bei der Wahl 2010) sowie weitere Fifa-Granden abgehört haben. Im Nebenraum schnitt das FBI die Gespräche mit.

"Mister zehn Prozent"

Blazers Aussagen waren mit ein Grund dafür, dass Sepp Blatter als Präsident an der Spitze der Fifa gestürzt werden konnte. Es folgten Razzien und Festnahmen, viele weitere prominente Funktionäre wie Uefa-Präsident Michel Platini mussten ihren Hut nehmen.

Blazer selber wurde von der Ethikkommission lebenslang gesperrt. Zuvor war der US-Amerikaner zwischen 1990 und 2011 Generalsekretär des Kontinentalverbandes von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Concacaf). Zwischen 1996 und 2013 war er Mitglied des Exekutivkomitees. Sein Spitzname: "Mister zehn Prozent". So soll er mit seinen Geldgebern abgesprochen haben, dass er zehn Prozent von jedem Dollar erhält, den er der Verbandskasse einbringt.

Über Jahre hinweg war Blazer für seinen extravaganten Lebensstil bekannt. In seinem luxuriösen Appartement im New Yorker Trump Tower soll er Räume nur für seine Katzen angemietet haben. Verhaftet worden war Blazer 2011 wegen Steuerbetrugs - angeblich als er gerade in seinem Seniorenmobil auf dem Weg zu seinem Lieblingsrestaurant war.

Quelle: ntv.de, tbu/sid/dpa