Fußball

Gruppensieg mit Kung-Fu-Müller FC Bayern hadert nach Gaga-Auftritt bei Ajax

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Was war da los? Thomas Müller erweist seinem FC Bayern München einen Bärendienst und kickt Nicolas Tagliafico von Ajax Amsterdam an den Hinterkopf.

(Foto: imago/Pro Shots)

Nach dem Champions-League-Drama in Amsterdam rettet der FC Bayern München den Gruppensieg. Mit Blick auf den Spielverlauf wird einigen beim deutschen Fußball-Meister bange fürs Achtelfinale. Der Sportdirektor klagt gar über "leichte Herzrhythmusstörungen".

Karl-Heinz Rummenigge atmete nach diesem turbulenten Champions-League-Abend erst einmal durch. "Das war sicherlich eine extrem emotionale Europapokal-Nacht, die wir erlebt haben", sagte der Vorstandschef des FC Bayern München nach einem dramatischen 3:3 im letzten Gruppenspiel beim niederländischen Vizemeister bei Ajax Amsterdam. "Ich darf der Mannschaft herzlich zu ihrem ersten Platz in der Gruppe gratulieren", sagte er bei seiner Bankettansprache in der Nacht zu Donnerstag.

Weniger mild äußerte sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Das einzig Positive ist, dass wir Gruppenerster sind", sagte er. Sechs Tore, zwei Rote Karten und das Bangen um den Gruppensieg strapazierten offenkundig die Nerven der Verantwortlichen. "Ich habe leichte Herzrhythmusstörungen", erklärte Salihamidzic. "Für die Zuschauer war das ein richtig gutes Spiel, aber auf der Bank braucht man Nerven."

Robert Lewandowski (13. Minute/87./Foulelfmeter) und Kingsley Coman (90.) trafen für den deutschen Fußballmeister. Dusan Tadic (61./82., Foulelfmeter) drehte zunächst das Spiel für Ajax, zudem traf Nicolás Tagliafico zum 3:3 in der Nachspielzeit (90.+5). Doch nicht nur die drei Gegentreffer bereiteten Salihamidzic Sorgen, sondern vor allem, dass die Bayern "dauernd unter Druck" waren und sich "nur ganz selten befreien" konnten. Torhüter Manuel Neuer hingegen übte sich in Galgenhumor: "Es war sehr interessant am Ende."

Klangvolle Gegner im Achtelfinale

Heiß her ging es auch bei den Platzverweisen für Amsterdams Österreicher Maximilian Wöber (67.) und den Münchner Thomas Müller (75.) nach einem im Übereifer begangenen Kung-Fu-Tritt an den Kopf von Tagliafico. "Nee, nee, war natürlich keine Absicht", sagte Müller auf dem Weg aus dem Stadion. Im kommenden Jahr wird er in der Königsklasse erst einmal fehlen.

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"Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht": Niklas Süle und Kollegen.

(Foto: imago/VI Images)

Auf wen die Bayern im Achtelfinale treffen, entscheidet sich bei der Auslosung am Montag (ab 12 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Gegnern wie Real Madrid, FC Barcelona, Paris Saint-Germain, Juventus Turin und Manchester City gehen sie aus dem Weg. Aber unter den Gruppenzweiten sind zum Beispiel auch der FC Liverpool, Manchester United und Atlético Madrid.

"Das sind alles wirklich klangvolle Namen. Trotzdem, wir gehen mit breiter Brust als Erster in die Spiele", sagte Salihamidzic. "Im Achtelfinale gibt es keine leichten Gegner mehr. Das sind zwei Spiele, in denen wir Topleistung bringen müssen." Drei Gegentreffer in einem Spiel werden in der K.-o.-Runde mit hoher Wahrscheinlichkeit das Aus bedeuten. "Dumme Gegentore, die wir hätten vermeiden müssen", merkte Innenverteidiger Niklas Süle aufgewühlt an. "Das war mit Sicherheit eines der interessantesten Spiele meiner Karriere, was heute alles passiert ist. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht."

"Hätten Sack viel eher zumachen müssen"

Trainer Niko Kovac war trotzdem erfreut. "Wir haben heute ein absolut tolles Fußballspiel erlebt von zwei Mannschaften, die auf einem hohen Niveau gespielt haben", sagte der 47-Jährige, der zum dritten Mal nacheinander auf dieselbe Startformation vertraute. "Das war Werbung für den Fußball", sagte er: "Wir hätten den Sack sehr viel eher zumachen müssen. Ich kann den Jungs nur ein großes Kompliment machen, bei Ajax so zu spielen."

Beim Blick auf die Auslosung des Achtelfinales am Montag in Nyon wollte Kovac nach dem Gruppensieg nicht überschwänglich schwärmen. "Es gibt genug Hochkaräter. Von daher ist es gehupft wie gezupft. Aber man hat den einen kleineren Vorteil, dass man das zweite Spiel zu Hause spielt."

Doppel-Torschütze Lewandowski dämpfte ebenfalls mögliche Anwandlungen von Euphorie. "Wir dürfen nicht zufrieden sein, weil wir Gruppenerster sind, sondern schauen, was wir besser machen können", sagte der 30-Jährige. Immerhin ist er in der Torjägerliste der Champions League der Beste: Mit acht Treffern beendet Lewandowski die Gruppenphase als Nummer eins - noch vor Barcelonas Star Lionel Messi, der auf sechs Tore kam.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/sid

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