Fußball

Beste Saisonleistung gegen '96 FC Bayern ist zurück im Meister-Modus

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Kimmich trifft, Thiago ist zurück - der FC Bayern scheint die Kurve zu kriegen.

(Foto: imago/ActionPictures)

Mit drei Bundesligasiegen in Folge findet der FC Bayern zurück in die Erfolgsspur. Die Rückkehrer Kingsley Coman und Thiago verleihen dem Spiel der Münchner die alte Dominanz - somit blickt Trainer Niko Kovac dem Jahresendspurt ein wenig entspannter entgegen.

Es war Niko Kovac vermutlich eine Freude, diesen einen Satz auszusprechen. "Ich merke immer mehr, dass wir so langsam wieder die Kurve bekommen." Dass der Trainer des FC Bayern München dabei mehr als nur ein bisschen stolz klang, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass der Klub in den letzten Wochen eine veritable Krise durchlitt. Vor allem Kovac galt als gescheitert, nachdem die Münchner im November in der Fußball-Bundesliga kein einziges Spiel gewannen.

Von einer Krise war nun keine Rede mehr, im Gegenteil. Kovac bezeichnete das 4:0 bei Hannover 96 als eine der besten Leistungen dieser Saison: "Wir waren über 90 Minuten dominant, haben den Ball gehabt, haben viele Chancen kreiert. So viel Spielfreude, so viel Spielwitz, so viel aggressives Gegenpressing in 90 Minuten, das war gut." Auch Thomas Müller machte einen rundum glücklichen Eindruck, als er die Katakomben in der HDI-Arena verließ: "Heute hat jeder seinen Job erfüllt. Wir hatten Kreativität, haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, hatten ein hohes Balltempo und auch viel Spaß."

Jene Akteure, die noch vor wenigen Wochen Fragen zur Krise und zur Trainerdiskussion beantworten mussten, strahlten nun in die Kameras. Ganz so als wollten sie sagen: Jetzt sind wir wieder die alten Bayern. Und tatsächlich erinnerte der Auftritt in Hannover an die Dominanz der vergangenen Spielzeiten. Der Rekordmeister hatte 72 Prozent Ballbesitz, paarte sportliche Übermacht mit Spielfreude und kreierte reihenweise Torchancen. Mit drei Bundesligasiegen in Folge sind die Münchner zurück auf Erfolgskurs.

Die Rückkehrer: Thiago und Coman

Gründe für den Aufwärtstrend gibt es viele. Da wäre zum Beispiel Joshua Kimmich, der das frühe 1:0 erzielte und auch an den übrigen drei Toren beteiligt war. Oder auch Torschütze Serge Gnabry, der laut Kimmich "richtig effektiv geworden ist und unserem Spiel ein extremes Tempo gibt". Die Hauptgründe für den Aufwind dürften allerdings zwei Rückkehrer sein: Thiago und Kingsley Coman. Letzterer stand erstmals wieder in der Startelf, nachdem er sich am ersten Spieltag einen Syndesmosebandriss zugezogen hatte. Der Flügelspieler war auf der linken Seite kaum zu stoppen und dribbelte Hannover in manchen Situationen schwindelig. "Er ist ein super Spieler, hat Geschwindigkeit und ein super Dribbling. Er bereichert unser Spiel und bringt die Eins-gegen-Eins-Elemente zur Geltung", lobte Sportdirektor Hasan Salihamidžić.

Und mit Mittelfeldspieler Thiago, der im erfolglosen November aufgrund einer Sprunggelenkverletzung fehlte, ist das Herzstück und Gehirn zurück im Spiel der Bayern. Er hatte gegen Hannover die mit Abstand meisten Ballkontakte (158) aller Spieler und brachte gleichzeitig Ruhe wie auch Genialität in das Spiel. "Thiago hat wirklich ein überragendes Spiel gemacht heute", lobte Salihamidžić. Dass sowohl der verletzte Arjen Robben wie auch Franck Ribéry, die über rund zehn Jahre den Unterschied ausmachten, diesmal überhaupt nicht im Kader standen, tat dem Spiel überhaupt keinen Abbruch . "Es ist für den Trainer gut, wenn Spieler wie Thiago und Kingsley fit sind, weil er dann einfach mehr Optionen hat", betonte Salihamidžić dennoch.

Meister-Tür ist noch ein wenig offen

Die 7. Meisterschaft in Folge bleibt gleichwohl ein weit entferntes Ziel. Die Hoffnung, dass Tabellenführer Borussia Dortmund sich einen Ausrutscher leistet, blieb zumindest gestern unerfüllt. Der Rückstand auf den BVB beträgt aus Sicht der Bayern weiterhin neun Punkte. Ein Grund zur Aufgabe sei das allerdings nicht: "Bei neun Punkten Rückstand ist die Tür noch ein wenig offen", sagt Kimmich wohlwissend, dass sich die Bayern ihrerseits keinen weiteren Patzer erlauben dürfen. Denn: "Alles, was mehr als neun Punkte ist, ist fast unmöglich."

Der Spielplan birgt jedoch Stolpergefahr. Mittwoch steht das Heimspiel gegen RB Leipzig an. Samstag folgt zum Jahresabschluss das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt. Jenem Verein also, dem die Bayern zuletzt im DFB-Pokalfinale unterlagen. Spitzenreiter Dortmund, der die Herbstmeisterschaft bereits sicher hat, blickt einem etwas einfacheren Restprogramm entgegen: Erst das Auswärtsspiel bei der abstiegsbedrohten Fortuna Düsseldorf, bevor es dann gegen den direkten Verfolger Borussia Mönchengladbach vor heimischem Publikum zum Topduell kommt.

Umso wichtiger aus Sicht der Münchner, die Hinrunde mit zwei weiteren Siegen abzuschließen. Salihamidžić gibt die Marschroute vor: "Jetzt ist es ganz wichtig, dass wir dieses Selbstvertrauen und diese Spielfreude aus Hannover mit nach München nehmen und gegen Leipzig versuchen, genauso dominant, mit genauso viel Freude und genauso konzentriert zu spielen." Schließlich möchte Kovac den Satz, das seine Mannschaft nun die Kurve bekommen hat, nicht in wenigen Tagen wieder zurücknehmen müssen.

Quelle: n-tv.de