Fußball

Kovac angefressen in Leverkusen FC Bayern spricht sich die Souveränität ab

imago38631391h.jpg

Trainer Niko Kovac machte sich erst gar nicht die Mühe, seinen Frust zu verbergen.

(Foto: imago)

Was war das? Statt den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga aus Dortmund zu jagen, leistet sich der FC Bayern eine Niederlage in Leverkusen und steht nur noch auf Platz drei. Trainer Niko Kovac ist sauer, weil die Münchner Schwächen offenbaren, die sie überwunden glaubten.

Wie stabil ist der FC Bayern? Das ist eine Frage, die bis zu diesem 20. Spieltag nicht nur die, die es mit dem deutschen Fußballmeister halten, wohl mehrheitlich mit "passt schon" beantwortet hätten. Die Münchner hatten vor der Partie im mit 30.210 Zuschauern ausverkauften Stadion am Autobahnkreuz in Leverkusen sieben von sieben Spielen in der Bundesliga gewonnen und so vor Weihnachten den Rückstand auf den Tabellenführer Borussia Dortmund immerhin von neun auf sechs Punkte verkürzt. Aufholjagd hieß und heißt das Motto für die Rückrunde.

Doch nach dem ernüchternden 1:3 (1:0) bei einer letztlich extrem effizienten Bayer-Elf hat sich die Lage verschlechtert. Und mit der Stabilität ist es dann doch nicht so weit her, wie sie es beim FC Bayern gehofft hatten.

Weil der BVB mit dem 1:1 (1:1) bei der Frankfurter Eintracht einen Punkt holt, sind es nun sieben Zähler Rückstand für die Bayern. Und die Mönchengladbacher Borussia hat sich mit dem 2:0 (0:0) beim FC Schalke 04 dank der um zwei Treffer besseren Tordifferenz an den Bayern vorbei auf Platz zwei geschoben.

Bayern beginnt beeindruckend unaufgeregt

Dabei hatte an diesem feuchtkalten Samstagnachmittag alles darauf hingedeutet, dass die Münchner in beeindruckender Unaufgeregtheit auch den achten Sieg in Folge einfahren. Die Gastgeber sorgten zwar in den ersten zehn Minuten für Wirbel, dann aber übernahm der FC Bayern das Kommando.

Als Leon Goretzka vier Minuten vor der Pause nach einer sehr schönen Flanke von Thomas Müller per Kopf mit seinem vierten Tor in der Rückrunde die Führung erzielte, schien alles seinen Gang zu gehen. Und da es in Frankfurt Unentschieden stand, war die Welt der Münchner doch sehr in Ordnung. Da wussten sie allerdings auch noch nicht, was in der zweiten Halbzeit passieren würde. Trainer Niko Kovac war hinterher dementsprechend angefressen und machte daraus keinen Hehl.

Das erste Leverkusener Tor hatte Leon Patrick Bailey acht Minuten nach Wiederanpfiff mit einem schönen Freistoß aus 28 Metern erzielt. Geschenkt. Nur sehr kritische Geister bemängelten, dass der für den an der Hand verletzten Manuel Neuer eingesprungene Sven Ulreich nicht ganz so gut ausgesehen habe, weil der Ball doch in seine Torwartecke geflogen sei. Aber: "Beim zweiten Tor haben wir klipp und klar gesehen, was wir falsch gemacht haben. Nicht nur in dieser Situation, sondern in einigen danach."

Keine zehn Sekunden habe es in dieser 63. Minute gedauert, bis der Ball über Torhüter Lukas Hradecky, Außenverteidiger Mitchell Weiser und Mittelfeldspieler Karim Bellarabi bei Leverkusens Angreifer Kevin Volland gelandet war. "Da gibt es eine klare Zuordnung", klagte Kovac. "Jeder muss mit seinem Gegenspieler mitgehen. Das hängt nicht nur von der Abwehr ab. Wir müssen das Zentrum verdichten, das ist uns in der zweiten Halbzeit nicht gelungen."

"Da waren wir zu fahrlässig"

Das Fazit des Trainers war irgendwo zwischen verzweifelt und vernichtend einzuordnen: "Da waren wir zu fahrlässig." Eine Einschätzung, die Joshua Kimmich teilte: "Wir sind nicht souverän genug." Nicht souverän genug, eine Führung ins Ziel zu bringen. "Wir wissen, dass wir es dominanter können. Die Qualität ist da, aber wir können zu selten zeigen, wie gut wir eigentlich sind", sagte der Mann, der in Leverkusen mit leichtem Hang zum Übereifer neben dem erneut omnipräsenten Goretzka im defensiven Mittelfeld wirkte.

Beim 3:1 bei der TSG Hoffenheim und dem 4:1 gegen den VfB Stuttgart hatten noch Thiago Alcántara und Javíer Martínez auf der Doppelsechs gespielt und Goretzka etwas offensiver als Zehner überzeugt. Aber Thiago hatte sich kurzfristig mit muskulären Problemen abgemeldet, Martínez blieb auf der Bank. Der zuletzt verschmähte James Rodríguez übernahm direkt hinter Mittelstürmer Robert Lewandowski die Rolle des Spielgestalters, Rafinha erledigte für Kimmich den Job am rechten Ende der Viererkette. Doch am Ende hat es nicht gereicht.

Vielmehr weckte der mangelhafte Auftritt des FC Bayern Erinnerungen an die behoben geglaubten Schwächen in der Hinrunde. Gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf lagen die Münchner am zwölften Spieltag mit 2:0 und 3:1 vorne, am Ende hieß es 3:3. Beim Topspiel in Dortmund eine Runde zuvor führten sie bis zur 67. Minute mit 2:1, am Ende gewann der BVB mit 3:2. Beim 1:1 im Heimspiel gegen den SC Freiburg am zehnten Spieltag reichte das Führungstor in der 80. Minute nicht zum Sieg. Und beim 1:1 gegen den FC Augsburg am fünften Spieltag fiel das Gegentor in der 86. Minute. So viel zur Frage der Stabilität und dazu, warum die Münchner hinter den Dortmundern liegen.

Wenn der Gegner einfach schneller ist

Abgesehen davon haderte Kovac damit, dass der unparteiische Tobias Stieler in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen Treffer von Lewandowski wegen einer äußerst knappen Abseitsstellung nicht anerkannte, nachdem er sich mit dem Videoschiedsrichter beraten hatte. "Wenn das Tor zählt, gehen wir mit einem 2:0 in die Halbzeit, dann passiert hier überhaupt nichts mehr", behauptete der Trainer, um dann doch wieder auf das Münchner Thema des Nachmittags zu kommen: "Wenn wir nach der Pause so kompakt gespielt hätten wie in der ersten Halbzeit, dann hätten die Leverkusener Probleme bekommen."  Haben sie aber nicht. Vielmehr war es so: "Mit der Geschwindigkeit, die ihnen zur Verfügung steht, haben sie uns das Leben schwer gemacht."

Genau das ist das Problem des FC Bayern: Er kann sich gegen Teams wie Bayer 04 keinen offenen Schlagabtausch leisten. Und wenn dann Leverkusens neuer Trainer Peter Bosz, der mit einem unglücklichen 0:1 gegen Gladbach und einem souveränen 3:0 beim neuerdings überraschend starken VfL Wolfsburg gestartet war, nach dem Sieg gegen den immer noch amtierenden deutschen Meister mit all seinem niederländischen Charme sagt: "Das war nicht unser bestes Spiel heute, ich glaube, dass unsere beiden anderen Spiele besser waren" - dann ist eigentlich alles geklärt.    

Das einzig Positive an diesem gebrauchten Nachmittag sei, dass Dortmund nicht gewonnen habe, sagte Kovac und versuchte zum Schluss, die Lage doch noch irgendwie zugunsten der Bayern umzudeuten: "Es ist jetzt nicht allzu viel passiert, bei neun Punkten wäre es sicherlich sehr schwierig geworden, so geben wir nie auf. Wir glauben dran und werden weiterhin daran arbeiten."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema