Fußball

Was wird aus Coach Kovac? Bayerns Fußball macht Uli Hoeneß wütend

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Die Leistung der Bayern-Fußballer macht Uli Hoeneß fassungslos. Er will nun alles "hinterfragen".

(Foto: imago/kolbert-press)

Der FC Bayern führt komfortabel gegen Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf - aber der Tabellenfünfte bringt das 3:1 nicht über die Zeit. Den Klub-Präsidenten macht das so fassungslos, dass er sogar seine Verteidigung für den Trainer aufweicht.

Es sind nicht die Tage von Thomas Müller. Dabei sollten es eigentlich die Tage von Thomas Müller sein. Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durfte er am Montag zum 100. Mal auflaufen. Als er in der 66. Minute unter großer Zuneigung des Publikums in Gelsenkirchen eingewechselt wurde, führte die DFB-Elf gegen die Niederlande souverän mit 2:0. Als das Spiel dann nach 94 Minuten abgepfiffen wurde, stand's blöderweise 2:2. Eine unmittelbare Kausalität zwischen Thomas-Müller-Einwechselung und Ohrfeigen-Remis herzustellen, wäre indes gemein. Ebenso gemein wäre es, Thomas Müller an diesem Samstagabend zu unterstellen, er habe etwas Relevantes mit dem peinlichen 3:3 (2:1) seines FC Bayern am 12. Spieltag der Bundesliga daheim gegen Fortuna Düsseldorf zu tun. Thomas Müller hatte vor ausverkauftem Haus gar alles versucht, um das zu verhindern. Er hatte sogar zwei Tore (20./58.) geschossen. Etwas, das wirklich nur noch sehr selten vorkommt.

FC Bayern - Fortuna Düsseldorf 3:3 (2:1)

FC Bayern: Neuer - Kimmich, Süle, Jerome Boateng, Alaba - Martinez - Sanches (80. Rafinha), Goretzka - Thomas Müller (90.+2 Hummels), Lewandowski, Ribery (71. Robben); Trainer: Kovac.
Düsseldorf: Rensing - Matthias Zimmermann, Bormuth, Kaminski, Gießelmann - Bodzek (85. Hennings) - Zimmer, Stöger, Fink (76. Karaman), Usami (70. Raman) - Lukebakio; Trainer: Funkel.
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: 1:0 Süle (17.), 2:0 Thomas Müller (20.), 2:1 Lukebakio  (44.), 3:1 Thomas Müller (58.), 3:2 Lukebakio (77.), 3:3 Lukebakio (90.+3)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

Ganz anders als fußballerische Enttäuschungen beim Tabellenfünften. "Sie können sich vorstellen, wie ich mich innerlich fühle. Ich weiß nicht, ob es eine Steigerung von sauer gibt. Wenn du das Spiel im Griff hast und zigmal führst, dann bin ich alles andere als glücklich, sondern sehr sauer", schimpfte Trainer Niko Kovac nach der Partie. "Ich kann es einfach nicht verstehen, dass wir die Möglichkeiten, die wir trotzdem hatten, nicht realisieren. Aber viel schlimmer ist die Art und Weise wie wir bei allen drei Gegentoren verteidigt haben." Mit 3:1 hatte seine Mannschaft geführt, dabei auch zahlreiche gute Chancen vergeben. Die Ausnahmen waren eben der wieder erfolgreich in freie Räume schleichende Müller und Niklas Süle (17.). Der sonst sehr wackelige Innenverteidiger hatte nach einer Ecke wuchtig vollendet.

Müller ist ein "bisschen perplex"

Eine souveräne Sache für den FC Bayern. Normalerweise. Aber normal ist im Herbst 2018 in München nichts mehr. So ließ sich die Mannschaft vom jungen Düsseldorfer Dodi Lukebakio dreimal düpieren. Zum ersten Mal kurz vor der Pause, als er sich gegen Süle wuchtig durchsetzte (44.) und dann noch zweimal in der Schlussphase, als er jeweils quer über das Feld sprintete und respektlos vollendete (77./93.). Manuel Neuer, der sich ja mit einer fürchterlichen Statistik durch die Saison quält, war bei den Gegentoren (trotz Lukebakio-Abschluss in die kurze Ecke beim 2:3) erst macht- und später sprachlos. "Da fehlen einem fast die Worte", sagte der Kapitän. "Das darf uns nicht passieren. Wir sind bitter enttäuscht von uns selbst." Torschütze Müller war nicht minder entgeistert: "Ich bin selbst gerade noch ein bisschen perplex: schon wieder kurz vor Schluss ein Gegentor bekommen. Da wird es natürlich mit einer Aufholjagd schwierig." Die aktuelle Liga-Wahrheit ist: Neun Punkte Rückstand haben die Bayern nun auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Wann hat's das zuletzt gegeben?

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Eine solche sportliche Beleidigung bleibt in München freilich nicht unerwidert. So platzte es mal wieder aus Uli Hoeneß heraus. Allerdings nicht als nächste Auf-die-Fressekonferenz, sondern als Abrechnung mit der eigenen Mannschaft. Und erstmals verzichtete er auch auf die einst von ihm selbst ausgerufene "Bis-aufs-Blut-Verteidigung" für Trainer Niko Kovac. Zwar müsse der bis Dienstag, wenn die Münchener in der Champions League Benifca Lissabon empfangen (21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), nicht um seinen Job fürchten ("Das ist im Moment überhaupt kein Thema, weil wir uns vorgenommen haben, darüber zu schlafen."), mehr Bekenntnis aber gab's vom Präsidenten nicht.

"Wir spielen einen uninspirierten Fußball"

Eher das Gegenteil war der Fall. Denn auf die Frage eines Journalisten in der sogenannten Mixed Zone, ob Kovac gescheitert sei, antwortete Hoeneß: "Das kann ich jetzt nicht sagen. Wir müssen alles hinterfragen, warum wir so spielen, wie wir spielen. Wir spielen einen schlechten, einen uninspirierten Fußball ohne Selbstvertrauen. Wir können jetzt mehr nicht sagen: Das wird schon werden. Wir müssen die nächsten Tage, vielleicht auch Wochen dazu verwenden, um die richtige Lösung zu finden. Wir müssen zu einem Ergebnis kommen." Doch damit war's noch nicht genug. "Was ich beim ersten Gegentor gesehen habe kenne ich eigentlich nur aus Slapstick-Filmen", schimpfte Hoeneß. "Von diesem Schock muss ich mich jetzt erstmal erholen." Dabei war gerade der Präsident zuletzt doch so zufrieden gewesen, so optimistisch.

Auch das ist so eine Sache beim FC Bayern im Herbst 2018. Da wird eine Niederlage, das 2:3 im Topspiel gegen Borussia Dortmund am letzten, am 11. Spieltag, als "Benchmark-Basis" (Karl-Heinz Rummenigge) für die kommenden Wochen gewertet. Auf 45 sehr starke Minuten waren vor zwei Wochen in Dortmund 45 phasenweise haushoch unterlegene Minuten gefolgt. Hoeneß nahm das dennoch zum Anlass, um mit all der aus seiner Sicht viel zu schnell geäußerten Kritik an Trainer und an Kader aufzuräumen: Er verteidigte nicht nur Kovac ("Die Mannschaft braucht in Dortmund bei der tollen Atmosphäre nicht für den Trainer zu spielen, sondern für Bayern München, und das hat sie eindrucksvoll gemacht") sondern auch die Kader-Struktur, die viele Medien und Experten für überaltert halten. "Das mit dem Alter ist alles Käse. Wer unsere Mannschaft in der ersten Stunde gesehen hat, hat gesehen, dass wir ausgezeichneten Fußball spielen können."

Am 24. November ist davon plötzlich nicht mehr die Rede. So schnell kann's gehen. Selbst bei Uli Hoeneß.

Quelle: n-tv.de

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