Fußball

Slot gehen alle Argumente ausWas ist nur aus dem FC Liverpool geworden?

09.04.2026, 08:22 Uhr
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Arne Slot als Survivor. (Foto: Action Images via Reuters)

Der FC Liverpool verliert in Paris klar mit 0:2, kommt aber mit einem blauen Auge davon. PSG dominiert nach Belieben, die Reds retten nur ein bisschen Resthoffnung fürs Rückspiel. Trainer Arne Slot klammert sich an die Magie von Anfield und ans Überleben im Job.

Immerhin kein Desaster in Paris. Die Ansprüche des englischen Meisters FC Liverpool sind in den vergangenen Wochen und Monaten drastisch gesunken. Mit einem 0:2 (0:1) bei Paris Saint-Germain, dem immer stärker werdenden Titelverteidiger in der Champions League, nehmen die Reds zwar kein Tor, kaum Torschüsse, aber trotzdem ein kleines bisschen Resthoffnung mit in das Viertelfinal-Rückspiel in Anfield in der kommenden Woche.

"Natürlich bin ich überhaupt nicht glücklich darüber, hier verloren zu haben", sagte Kapitän Virgil van Dijk nach dem nächsten schwierigen Abend für den strauchelnden Giganten aus Englands Norden. "Das einzig Positive ist, dass wir nächste Woche noch ein weiteres Spiel vor uns haben."

Schwarze Serien überall

In der Premier League auf Platz fünf abgestürzt, dort sieglos seit dem 28. Februar, überhaupt nur zwei Siege in allen Wettbewerben seitdem, im FA Cup gegen Manchester City komplett auseinandergefallen und Vereinslegende Mo Salah im Sommer weg. Wie das so ist: Die Krise bekommt dann einen Namen. Sie trägt immer den des Trainers. Der Niederländer Arne Slot ist schwer angeschlagen, überall lauern seine Nachfolger. Die heißen mal Xabi Alonso und mal sogar Jürgen Klopp. Die Experten schießen gegen ihn.

"Ich habe das Gefühl, dass Slot die Mannschaft verloren hat. Wir müssen nur in die Gesichter von Florian Wirtz und Dominik Szoboszlai bei ihren jeweiligen Auswechslungen schauen. Wir müssen nur auf Salah schauen, in dem Moment, in dem ihm klar wird, dass er nicht in Spiel kommen wird", erklärte Julien Laurens bei ESPN stellvertretend für viele andere Stimmen. Slot scheint keine Zukunft mehr zu haben.

Noch aber ist Gegenwart, ist Slot da, schwer angeschlagen zwar und nur noch mit Durchhalteparolen im Gepäck. Nach dem Abend mit 3:18 Torschüssen aus Liverpooler Sicht, mit unzähligen glücklichen Momenten in der Defensive, sagte er: "Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir nur 0:2 verloren haben. Wir sind noch immer im Rennen und wissen, was Anfield für einen Unterschied für uns machen kann."

Die Wahrheit liegt auch in den Daten

Anfield als Hoffnung. Wie damals 2019 unter Klopp gegen Barcelona, als auf ein 0:3 im Halbfinal-Hinspiel ein legendäres 4:0 im Rückspiel folgte. Doch die überlagernde Form spricht gegen Liverpool, das sich glücklich schätzen konnte, mit nur zwei Gegentoren durch Désiré Doué (11.) und Chwitscha Kwarazchelia (65.) überwunden worden zu sein.

"Wir waren heute die meiste Zeit einfach im Überlebensmodus, aber vielleicht sind wir auch in diesem Teil der Saison im Überlebensmodus", sagte Slot, der gegen PSG überraschend eine Fünfer-Abwehrkette aufgeboten hatte, um den Flügeln des Titelverteidigers die Wucht zu nehmen.

Das führte jedoch zu erheblichen Defiziten in der Spielzentrale. Liverpool überließ PSG den Ballbesitz. Am Ende hatten die Pariser 70 Prozent, brachten 94 Prozent ihrer 740 Pässe an den Mann. Liverpool kam auf gerade 256 Pässe und eine erschreckende Genauigkeit von 77 Prozent. PSG konnte 39 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum aufweisen, die Reds gerade einmal neun. Es war ein Spiel nahe an der totalen Dominanz. Nur der wirkliche Beleg, die Tore also, fehlte.

Dem totalen Kollaps ausgewichen

"Der Fußball zeigt immer wieder, dass einfach alles möglich ist. Rote Karten, unerwartete Wendungen, Elfmeterentscheidungen und natürlich eben Anfield. Unsere Fans machen für uns einen großen Unterschied", sagte Slot - und die Medien schleuderten ihm letzte Warnungen entgegen.

"Liverpool lebt noch, aber ihre Saison hängt jetzt am seidenen Faden", schrieb die altehrwürdige BBC, und "The Independent" erklärte: "Der Abend, an dem Slot sein System - und, wie manche sagen würden, seine Prinzipien - über Bord warf, endete in Schadensbegrenzung, in einem bedingten Erfolg. Liverpool wirkte überfordert."

Die "Daily Mail" schrieb von einem gigantischen Berg, der nun auf die Reds wartet, und berichtete von internen Streitigkeiten, von einer wachsenden Ablehnung der Fans gegenüber Trainer Arne Slot, seinen unter Druck stehenden Spielern und von einem grundsätzlich "gequälten" Klub. Der Abend in Paris ließ Liverpool wenig Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Er hat das Leiden der Reds in dieser Spielzeit 2025/2026 nur verlängert. Noch können sie dem totalen Kollaps ausweichen. Immerhin sind sie nicht erneut kollabiert.

Quelle: ntv.de, sue

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