Fußball

Premiere ohne deutsche Teams? Fifa vergibt Klub-WM "historisch" nach China

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Fifa-Präsident Gianni Infantino machte sich viele neue Freunde in China.

(Foto: imago images/Kyodo News)

Im Frühjahr gibt es vor allem unter den europäischen Fußball-Klubs eine Menge Ärger um die Reform der Vereins-WM. Nun gibt die Fifa den Austragungsort des neuen Großturniers bekannt: 2021 trifft man sich im Sommer in China.

Schon auf die Reform des Wettbewerbs hatten die europäischen Fußball-Großklubs überhaupt keine Lust, nun dürfte auch der - allerdings wenig überraschende - Austragungsort der neuen Klub-WM für wenig Begeisterung vor allem bei den sportlich Verantwortlichen sorgen: Die Premiere der aufgeblähten Vereinsweltmeisterschaft mit dann 24 Mannschaften findet 2021 in China statt. Das entschied das Council des Fußball-Weltverbandes Fifa auf der Sitzung in Shanghai.

Das Turnier, das in diesem und im kommenden Jahr noch im alten Modus mit sieben Teams im Dezember in Katar ausgetragen wird, war im vergangenen März gegen den Widerstand aus Europa reformiert worden. Fifa-Präsident Gianni Infantino sprach nach dem einstimmigen Beschluss von einer "historischen Entscheidung".

Die Vergabe an China wird unter Experten als nächster Schritt gewertet, sich um die eigentliche WM zu bemühen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gewinnt im Fußball immer mehr Einfluss, Staatspräsident Xi Jinping gilt als großer Fan und Förderer. Sein erklärtes Ziel ist, dass China Gastgeber einer WM und schließlich auch Weltmeister wird.
Wegen der Menschenrechtslage in China macht sich Infantino keine Sorgen: "Jeder kann sagen, was er will", sagte der 49-Jährige: "Wir versuchen, Fußball als Katalysator für Positives und niemals für Negatives einzusetzen." Er sei "nicht so naiv" zu glauben, dass der Fußball alle Probleme der Welt lösen könne, sagte Infantino. Aber die Fifa bringe den Fußball in die Welt und damit "ein Lächeln ins Gesicht" der Menschen.

"Kein europäischer Top-Klub wird teilnehmen"

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Uefa-Präsident Ceferin wehrte sich gegen die Pläne zur neuen Klub-WM.

(Foto: imago/Belga)

Die Klub-WM 2021 wird den Confed Cup ersetzen, der im Jahr vor der Winter-WM 2022 in Katar aufgrund der enormen Hitze am Persischen Golf ohnehin nicht im Sommer hätte stattfinden können. Geplant ist eine Ausrichtung alle vier Jahre. Über das Teilnehmerfeld werden Infantino und Co. noch beraten, eine genaue Zuteilung der Startplätze ist noch nicht erfolgt. Europa wird allerdings die meisten Teilnehmer (wohl mindestens acht) stellen. Ursprünglich wollte die Fifa sogar zwölf europäische Teams dabeihaben. Nach Protesten aus der Europäischen Fußball-Union Uefa, die die Klub-WM als Konkurrenz zur Champions League sieht, wurde diese Zahl reduziert.

Unmittelbar vor der Entscheidung im März hatte die europäische Klub-Vereinigung (ECA) einen Brandbrief an die Uefa gesandt und darin angekündigt, dass kein europäischer Top-Klub "an so einem Wettbewerb teilnehmen" werde. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hatte noch Ende Januar in einem ZDF-Interview betont: "Fakt ist: Unsere Position bleibt gleich. Der Fußball steht nicht zum Verkauf, man kann ihn nicht einfach veräußern, der Fußball gehört uns nicht." Die Uefa unterstützte die Kritik der ECA, die die Reform als "nicht akzeptabel" bezeichnet hatte, und verwies auf die notwendige Ruhepause für die Profis im Sommer.

Bundesliga-Klubs müssen möglicherweise zuschauen

Das Fifa-Council zeigte sich jedoch unbeeindruckt und setzte die Reform gegen die Stimmen der europäischen Vertreter durch. "Die bisherige Klub-WM jedes Jahr im Dezember ist ein Nonsens-Wettbewerb. Darüber sind sich alle einig, auch die ECA. Ich verstehe die Fifa, dass dieser Wettbewerb jetzt reformiert werden soll", hatte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München und ehemaliger ECA-Vorsitzende, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nach der Entscheidung gesagt. "Wir hoffen, dass alle großen Teams teilnehmen. Wir hatten positive und konstruktive Diskussionen und setzen diese fort", sagte Infantino im März.

Die Bundesliga-Klubs sind bei der Premiere aber möglicherweise nur Zuschauer. Wie die amerikanische Nachrichtenagentur AP berichtet, sollen die acht europäischen Startplätze an die Sieger der Champions League und Europa League der Jahre 2018 bis 2021 vergeben werden.  Demnach müssten auch die deutschen Spitzenteams wie Bayern München und Borussia Dortmund in dieser oder der kommenden Saison einen der beiden Europapokalwettbewerbe gewinnen, um sicher bei dem reformierten Wettbewerb mit insgesamt 24 Teams dabei zu sein. Fifa und Uefa haben den Qualifikationsmodus allerdings noch nicht offiziell bestätigt. Andere Modelle sahen vor, dass die jeweiligen Meister der vier besten Nationen vertreten sind. Diese Variante, die einen deutschen Starter garantiert hätte, ist nun offenbar vom Tisch.

Das Startrecht gesichert hätten sich somit die Königsklassensieger Real Madrid (2018) und FC Liverpool (2019) sowie Atlético Madrid (2018) und der FC Chelsea (2019) als Europa-League-Champions. Sollte ein Team mehrfach einen Europacup gewinnen, würde der zeitlich jüngste Finalist aus der Champions League nachrücken.

Quelle: n-tv.de, ter/dpa