Fußball

Zu WM-Vergaben 2018 und 2022 Fifa veröffentlicht kompletten Garcia-Report

Zweieinhalb Jahre versteckt der Fußball-Weltverband Fifa den Ermittlungsbericht zur Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 im Giftschrank. Nun veröffentlicht die Fifa überraschend den vollständigen Report - offenbar nicht freiwillig.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat den bislang unter Verschluss gehaltenen Ermittlungsbericht zu den WM-Vergaben 2018 und 2022 an Russland und Katar veröffentlicht. Mehr als zweieinhalb Jahre nach Fertigstellung des Berichts durch den früheren Fifa-Chefermittler Michael Garcia reagierte die Fifa damit offenbar auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Diese hatte am Montag neue Details aus dem bislang geheimen Dokument veröffentlicht und für die kommenden Tage weitere Enthüllungen angekündigt.

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Nachdem die Fifa die Veröffentlichung selbst über Jahre blockiert hatte, schrieb der Verband nun auf seiner Homepage: "Im Sinne der Transparenz begrüßt die Fifa die Neuigkeit, dass dieser Bericht nun endlich veröffentlicht wurde." Die Entscheidung zur Veröffentlichung habe die neue Spitze der Fifa-Ethikkommission getroffen. Damit solle "die Verbreitung irreführender Informationen" verhindert werden. Der Bericht kann in drei Teilen (Katar-Teil, Russland-Teil, USA-Teil) heruntergeladen werden.

In seiner Zusammenfassung kommt Garcia zu dem Schluss, dass vor allem FIFA-Wahlmänner sich nicht an die Regeln hielten. "Darüber hinaus operierten die Bewerber in einem Umfeld, in dem mehrere Exekutivmitglieder nicht zögerten, ein System zu nutzen, das sie in bestimmten Bereichen nicht an die gleichen Regeln band wie die Bewerber", heißt es in dem Report. Einige Exekutivmitglieder hätten "persönlichen Nutzen" gesucht, um ihren Status in den Heimatländern zu verbessern.

Die WM-Turniere für 2018 und 2022 waren im Dezember 2010 Russland und Katar zugesprochen worden. Da damit die beiden Länder mit den schlechtesten Bewerbungen zum Zug gekommen waren, stand die Doppelvergabe von Beginn an unter Korruptionsverdacht. Von den 22 Wahlmännern aus dem Dezember 2010 sind nur noch der Spanier Angel Maria Villar Llona und der Ägypter Hany Abo Rida im Amt.

Fifa sah keine belastenden Indizien

Aufgrund öffentlichen Drucks hatte die Fifa 2012 schließlich den früheren FBI-Agenten Michael Garcia mit der Untersuchung der WM-Vergaben beauftragt. Nach zweijährigen Ermittlungen hatte Garcia im Jahr 2014 seine Ermittlungen in einem 400-seitigen Bericht zusammengestellt. Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert hatte als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission bei der Überprüfung des Dokuments aber keine Anzeichen für Bestechung oder Korruption gefunden und deshalb eine Veröffentlichung abgelehnt. Trotz belastender Indizien zu möglicher Einflussnahme der Kandidaten auf die Wahlmänner des damaligen Fifa-Ethikkomitees verzichtete die Fifa zudem darauf, die WM-Gastgeber Russland und Katar zu sanktionieren.

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Hans-Joachim Eckert hatte 2014 im Garcia-Bericht keine Hinweise auf Bestechung der Fifa-Wahlmänner durch Russland und Katar gefunden.

(Foto: imago/Ulmer)

Garcia sah seine Erkenntnisse durch Eckerts Interpretation verharmlost und falsch bewertet. Wenig später trat er von seinem Amt als Chef der ermittelnden Kammer zurück und verschärfte mit seiner harschen Kritik damals die Fifa-Glaubwürdigkeitskrise. "Kein unabhängiges Governance Komitee, Ermittler oder Schiedsgericht kann die Kultur einer Organisation ändern", lautete Garcias vernichtende Fifa-Kritik damals.

Pikante Details

Tatsächlich werfen die am Montagabend von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Details Fragen hinsichtlich Eckerts Bewertung auf und werfen einen weiteren Schatten auf die ohnehin kritisch beäugte Endrunde in fünf Jahren. So sollen drei stimmberechtigte Mitglieder des damaligen Fifa-Exekutivkomitees in einem Privatjet des katarischen Fußball-Verbandes QFA nach Rio de Janeiro geflogen worden sein, Nobelunterkunft und Sause inklusive.

Zudem landeten zwei Millionen Dollar auf dem Konto der 10-jährigen Tochter des brasilianischen Fifa-Funktionärs Ricardo Teixeira. Allerdings gebe es "keinen Beweis in den Protokollen", dass es eine Verbindung der Zahlung zur Katar-Bewerbung gebe. Außerdem hat sich Reynald Temarii aus Tahiti dem Bericht zufolge bei den Scheichs via Mail für eine Überweisung von mehreren Hunderttausend Dollar bedankt.

Einige dieser Vorwürfe sind nicht neu, waren vielfach auch schon vorher publik geworden und wurden von den WM-Machern am Arabischen Golf immer dementiert. Dass sie auch Garcia in seinem Report festhielt, geben ihnen aber nun einen offiziellen Anstrich. Russland war in dem "Bild"-Bericht noch nicht erwähnt worden. Zu Chefermittler Garcia hatte der kommende WM-Gastgeber eine schwierige Beziehung. Dem Juristen wurde die Einreise verweigert, da die Russen ihn für die umstrittene Inhaftierung des Waffenhändlers Viktor Bout in den USA mitverantwortlich machten. Als Garcias Stellvertreter Cornel Borbely nach Moskau reiste, waren die Computer der WM-Bewerber zerstört.

Offen bleibt auch die Frage, wieso das brisante Garcia-Dokument ausgerechnet jetzt den Weg an die Öffentlichkeit fand und durch wen? Nur wenige Kopien wurden angefertigt, angeblich alle mit einem Namenssiegel versehen. Jetzt ist der ganze Report aber für alle zugänglich.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa