Fußball

Eintracht unterliegt Union Frankfurt holt ohne Fans keine Punkte

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Eintracht Frankfurt mühte sich vor einem leeren Fanblock vergebens.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Rund 8000 Fans von Eintracht Frankfurt bleiben aus Protest gegen den Termin am Montagabend dem Bundesliga-Spiel ihres Teams gegen Union Berlin fern - und verpassen eine Niederlage gegen den Aufsteiger. Die Aufholjagd auf die internationalen Plätze ist damit abgesagt.

Neuling 1. FC Union Berlin hat die Heimspiel-Festivals von Eintracht Frankfurt beendet und mit dem ersten Sieg gegen die Hessen einen weiteren Schritt Richtung Klassenverbleib gemacht. Zum Auftakt der Eintracht-Stresswoche mit drei Spielen in sieben Tagen unterlagen die Frankfurter am Montagabend dem Aufsteiger mit 1:2 (0:0). Wenn man so spielt, wie wir heute teilweise, ist es schwierig - egal gegen wen", meinte Eintracht-Keeper Kevin Trapp.

Sebastian Andersson brachte die Gäste in der 49. Minute in Führung, in der 67. Minute unterlief Evan Ndicka ein Eigentor. Die Berliner kletterten nach dem zweitem Auswärtssieg nacheinander in der Tabelle zum Abschluss des 23. Spieltags der Fußball-Bundesliga vorbei an der Eintracht (11./28 Punkte) auf den zehnten Platz (29). "Zum Schluss hatten wir ein bisschen Glück, über 90 Minuten war es aber ein verdienter Sieg", sagte Unions Marius Bülter: "Das war ein richtig wichtiger Dreier für uns, der uns Luft zu den Abstiegsrängen verschafft hat."

Allein Frankfurter Fan-Boykott wird es nicht gelegen haben, dass es nach dem beeindruckenden 2:0 gegen RB Leipzig, dem berauschenden 5:0 gegen den FC Augsburg und dem mitreißenden 4:1 im Europa-League-Hinspiel gegen Red Bull Salzburg am vergangenen Donnerstag diesmal nicht klappte. Das Eigentor von Unions Florian Hübner, Sohn von Eintrachts Sportdirektor Bruno Hübner, in der 79. Minute war vor 47.000 Zuschauern zu wenig.

Europa-Held mit Ladehemmung

"Es wird wichtig sein, kompakt zu stehen", hatte Union-Trainer Urs Fischer vorher gesagt. Genau das setzte seine Mannschaft um und ließ lange fast nichts zu. Nur bei Ecken ging mal so etwas wie Gefahr von den Gastgebern aus, in der 31. Minute allerdings nur, weil Berlins Keeper Rafal Gikiewicz den Ball im Fünf-Meterraum nicht festhalten konnte. Kurz zuvor hatten die Unioner einen Schuss von Timothy Chandler geblockt. Daichi Kamada, Dreifach-Torschütze gegen Salzburg, trat erstmal gar nicht in Erscheinung - in der Liga wartet der Japaner noch immer auf seinen ersten Saisontreffer.

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Sebastian Andersson traf zum ersten Mal in der Rückrunde.

(Foto: imago images/Eibner)

Die Unioner machten in der Phase vieles richtig und hatten durch Yunus Malli, der in der 22. Minute den Ball aber nicht richtig traf und Marius Bülter (34.), dessen Schuss Makoto Hasebe blockte, die Gelegenheiten. Sie verteidigten konsequent, hatten sie den Ball, ging es Richtung leerer Nordwest-Tribüne. Ein Teil der Eintracht-Anhänger protestierte mit Nicht-Anwesenheit gegen das Montagsspiel. Von einem generellen Stimmungsboykott konnte zwar keine Rede sein, ein Faktor war der leere Fanblock aber dennoch: "Das spielt schon eine Rolle hier zu Hause. Aber das können wir nicht ändern und deswegen hätten wir trotzdem ein besseres Spiel abliefern müssen und hier auf jeden Fall punkten müssen", sagte Verteidiger Timothy Chandler nach dem Spiel. Frankfurts verletzter Kapitän Marco Russ schwante schon in der Halbzeit nichts Gutes: "Das ist schade für uns. Das ist so ein Push, der uns fehlt. Die Fans müssen das kundtun, was sie stört, das ist gar keine Frage. Natürlich ist es in dem Fall auf Kosten unserer Leistung, das muss man auch sagen, weil es uns etwas von der Energie nimmt."

Gründe zur Freude, geschweige denn zum Jubel, lieferte die Mannschaft von Trainer Adi Hütter den Fans nicht. Dessen Schweizer Landsmann auf der Union-Bank durfte schon den Auftritt in der ersten Hälfte als Erfolg werten - musste aber einen Schreckmoment verkraften, als Florian Hübner den Ball nach einer Eintracht-Flanke beinahe ins eigene Tor mit dem Kopf bugsierte.

Eintracht patzt dreifach

Eintracht Frankfurt - Union Berlin 1:2 (0:0)

Frankfurt: Trapp - Durm (66. Silva), Abraham, Hinteregger, Ndicka (71. Rode) - Kohr, Hasebe - Chandler, Kamada, Kostic - Paciencia. - Trainer: Hütter
Union: Gikiewicz - Friedrich, Florian Hübner, Subotic - Ryerson, Andrich, Gentner (77. Prömel), Lenz - Malli (63. Ingvartsen), Bülter (90. Kroos) - Andersson. - Trainer: Fischer
Schiedsrichter: Deniz Aytekin
Tore: 0:1 Andersson (49.), 0:2 Ndicka (67. Eigentor), 1:2 Florian Hübner (79. Eigentor)
Zuschauer: 47.000
Gelbe Karten: Kamada (3), Paciencia (4), Kohr (4) - Ryerson (2), Florian Hübner (2), Malli, Andersson (4)

Das war aber nichts gegen den Patzer im Dreierpack von Keeper Kevin Trapp und den beiden Eintracht-Verteidigern Erik Durm und David Abraham, als jeder dachte, der andere geht auf den Ball im eigenen Strafraum. Nur ging keiner drauf - außer Unions Christopher Lenz, der den Ball in die Mitte spielte, wo Andersson ungestört sein neuntes Saisontor erzielte. Union konnte seine Defensive noch engmaschiger formieren, Frankfurts Angriff sich zunächst noch weniger entfalten.

Der Berliner aber: wieder ging es über die linke Seite, Trapp sah wieder nicht gut aus und dann traf Ndicka auch noch ins eigene Tor. Kurz danach hielt Pendant Gikiewicz die Zwei-Tore-Führung gegen Goncalo Paciencia fest. Geschlagen war aber auch der starke Union-Torwart, als der eingewechselte Silva mit einem Hackentrick traf - entscheidend abgefälscht durch Hübner.

Nach dem ausgedehnten 23. Spieltag findet der 24. wieder wie gewohnt von Freitag bis Sonntag statt. Spitzenreiter Bayern München muss zur TSG Hoffenheim, Verfolger Leipzig empfängt Bayer Leverkusen. Im Keller muss Hertha BSC nach der schlimmen 0:5-Heimklatsche gegen den 1. FC Köln am Freitag Abend in Düsseldorf antreten.

Quelle: ntv.de, Patrick Reichardt, Dorothée Barth und Jens Marx, dpa