Fußball

Schäfer nimmt Russ-Äußerung zurück Frankfurt kann Nürnberg nicht knacken

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Nur Mijat Gacinovic traf für Eintracht Frankfurt. Das reichte nicht zum Sieg.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Eintracht Frankfurt dominiert das Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Nürnberg, doch der Zweitligist ertrotzt sich ein Remis. Für Aufregung sorgt Russ. Dem an Krebs erkrankten Frankfurter wirft der "Club" indirekt vor, zu simulieren - und rudert dann zurück.

E. Frankfurt - 1. FC Nürnberg 1:1 (0:1)

Tore: 0:1 Russ (43., Eigentor), 1:1 Gacinovic (65.)

Frankfurt: Hradecky - Chandler, Abraham,  Russ, Oczipka - Hasebe, Huszti - Aigner (61. Ben-Hatira), Meier (70.  Stendera), Gacinovic (84. Castaignos) - Seferovic
Nürnberg: Schäfer - Brecko, Margreitter, Bulthuis, Sepsi -  Petrak, Behrens - Kerk (74. Blum), Leibold (89. Gislason) -  Burgstaller, Füllkrug (85. Hovland)

Referee: Siebert (Berlin) Zus: 51.500 (av)
Schüsse: 21:1 Ecken: 8:1 Ballbes: 68:32%

Ungeachtet des Dramas um den Krebspatienten Marco Russ hat sich Eintracht Frankfurt eine kleine Chance auf den Verbleib in der Fußball-Bundesliga erhalten. Beim 1:1 (0:1) gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg im ersten Relegationsspiel steckten die Hessen auch den sportlichen Rückschlag eines Eigentores durch ihren Kapitän weg (43.). Mijat Gacinovic gelang in der 65. Minute vor 51.500 Zuschauern der Ausgleich für das Team von Trainer Niko Kovac. Das Rückspiel findet am Montag in Nürnberg statt.

Russ hatte am Mittwochnachmittag erfahren, dass bei ihm eine Doping-Probe nach dem Spiel beim SV Darmstadt 98 einen auffällig hohen Wert des Wachstumshormons HCG in seinem Körper ergeben hatte. Weitere Untersuchungen hatten danach ergeben, dass es sich nicht um einen Dopingfall handelte, sondern Russ an einer schweren Tumorerkrankung leidet. Er muss bereits am Dienstag operiert werden.

Nürnberger Kritik an Russ-"Dramatik"

Nachdem die Nürnberger Russ vor dem Spiel per Twitter noch alles Gute gewünscht hatten, hatte es nach dem Abpfiff Kritik gegeben. "Ich glaube wenn einer wirklich schwer krank ist, dann kann er heute kein Fußball spielen", sagte Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer dem Bezahlsender Sky: "Von dem her war das schon eine sehr komische Meldung genau heute vor dem Spiel."

Auf der Heimreise nach Nürnberg distanzierte sich der Kapitän des Zweitliga-Dritten noch in der Nacht von seiner Aussage. "Meine Worte waren dumm, dafür kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen. Ich habe mich voreilig geäußert, ohne Bescheid zu wissen. So etwas darf mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung. Ich wünsche Marco das Allerbeste und bin sicher, dass er wieder gesund wird", sagte Schäfer in einer Vereinsmitteilung.

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Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer warf Frankfurts Marco Russ indirekt vor, nur zu simulieren.

(Foto: imago/Bernd Müller)

Sein Trainer René Weiler revidierte seine Aussagen ebenfalls. "Es ist pietätlos, dass ein Klub und ein erkrankter Spieler fast dazu genötigt werden, die intimsten Dinge preisgeben zu müssen, um nicht als Dopingsünder in Verdacht zu stehen", sagte Weiler. "Ich habe meine Aussage auch bei Marco Russ sowie den Frankfurter Verantwortlichen persönlich unmittelbar klargestellt."

Er hatte den Frankfurtern in der ARD ebenfalls unterstellt, dass diese "Dramatik" bewusst inszeniert worden sein könnte. "Ich finde diese Publikation dieser Geschichte nicht ideal. Ich finde, der Fußball darf auch nicht hinhalten für irgendwelche Inszenierungen", sagte er. "Es tut mir leid, wenn er krank ist, das wünsche ich niemandem. Da möchte ich, dass er möglichst schnell wieder gesund wird. Aber dass man das am Spieltag kommuniziert, finde ich nicht ideal."

Frankfurts Trainer Niko Kovac reagierte in der ARD verständnislos auf die Vorwürfe: "Es ist nicht fair zu sagen, dass das von uns inszeniert war. Krankheiten kann man nicht inszenieren, Krankheiten kommen." Er wünsche sich, "dass viele Leute Marco die Empathie entgegen bringen, die ihm auch zusteht". Trotz der niederschmetternden Diagnose hatte der Eintracht-Kapitän am Mittwochabend Grünes Licht für einen Einsatz gegeben. Auch als Kovac ihn wenige Stunden vor dem Anpfiff noch einmal fragte, bekam er nur eine Antwort: Russ wollte unbedingt dabei sein.

Von den Ärzten habe es keine Einwände gegeben, erklärte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen vor dem Spiel. "Die Ärzte sind sich sicher, dass er kurzfristig operiert werden muss, aber eine körperliche Belastung sich nicht negativ auf seinen Zustand auswirkt", sagte Bruchhagen kurz vor Spielbeginn. "Sonst hätten wir es selbstverständlich auch nicht gemacht."

"Kämpfen & Siegen Marco!"

Auch der DFB hatte erklärt, dass Russ spielen dürfe. Und so lief Russ um kurz vor 20.00 Uhr in die Arena ein, lautstark gefeiert von den Eintracht-Fans. "Kämpfen & Siegen Marco!", stand auf einem Transparent vor der Fankurve der Frankfurter Anhänger. Bei der Verlesung der Aufstellung riefen die Zuschauer bei jedem Frankfurter Spieler "Russ" - es herrschte Gänsehautatmosphäre in der Frankfurter Arena.

Und angetrieben von Russ starteten die Frankfurter druckvoll. Schon in den ersten zehn Minuten erspielten sich die Gastgeber drei Eckbälle, die Gäste wurden weit in die eigene Hälfte gedrängt. Neben Russ stand auch Torjäger Alexander Meier in der Anfangself. Der Angreifer, der wegen einer Knieverletzung seit Ende Februar keine Partie mehr bestritten hatte, spielte hinter der einzigen Spitze Haris Seferovic und sollte den Nürnbergern allein durch seine Anwesenheit Furcht einflößen.

Frankfurt dominiert, Nürnberg führt

Bereits in der siebten Minute hatte die Eintracht die erste gute Chance. Stefan Aigner scheiterte aber am Nürnberger Torwart-Routinier Raphael Schäfer. Nach gut einer Viertelstunde ebbte der Anfangsschwung der Hessen aber ab. Der Zweitligist konnte sich nun befreien und die Partie offen gestalten. Wie schon in der gesamten Saison wurde bei der Eintracht deutlich, dass die Offensive keinen Erstliga-Ansprüchen genügt. Von Seferovic war wieder gar nichts zu sehen, Meier fehlte nach der langen Pause noch die Bindung.

So plätscherte die Partie die meiste Zeit dahin, ehe die Nürnberger zwei Minuten vor der Pause völlig überraschend in Führung gingen. Nach einem Freistoß des wiedergenesenen Sebastian Kerk behinderten sich Russ und Makoto Hasebe völlig unbedrängt, ehe Russ den Ball zum Entsetzen aller Frankfurter ins eigene Tor lenkte.

Die Eintracht musste sich von diesem Rückschlag erst einmal erholen. Auch nach der Pause dauerte es eine Viertelstunde, ehe die Hausherren wieder etwas Schwung aufnahmen. Dennoch fiel der Ausgleich durch Gacinovic überraschend. Der Serbe traf auf Zuspiel von Timothy Chandler. Doch mehr war für den Erstliga-16. nicht mehr drin. Im entscheidenden Spiel am Montag müssen die Frankfurter auf ihren Vorkämpfer Russ verzichten. Der Abwehrspieler sah die zehnte Gelbe Karte der Saison und ist gesperrt.

Quelle: n-tv.de, vpe/cwo/dpa

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