Fußball

Kung-Fu-Tritt, Patzer, Kruse-Aus Frust-Stürmer entscheidet Berliner Derby

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Pure Freude bei Guendouzi und Piatek.

(Foto: imago images/Camera 4)

Derby-Sieg und erster Heimspiel-Erfolg in dieser Saison: Krzysztof Piatek macht Hertha BSC glücklich. Endlich einmal, denn der Doppeltorschütze gegen den 1. FC Union Berlin enttäuschte bislang in der Fußball-Bundesliga. Für einen Aufreger sorgt Robert Andrich mit einem üblen Tritt an den Hals des Gegners.

Die Hertha-Profis mit Matchwinner Krzysztof Piatek tanzten vor der menschenleeren Ostkurve im Olympiastadion, die Unioner ließen sich nach dem Ende einer langen Erfolgsserie ausgerechnet im Berliner Stadtduell enttäuscht auf die Ersatzbank fallen. Blau-Weiß regiert Berlin für eine Nacht: Hertha BSC hat dank des polnischen Jokers das "Geisterderby" gegen Union Berlin gewonnen und die Vormachtstellung des Rivalen in der Hauptstadt ins Wanken gebracht. Der eingewechselte polnische Nationalstürmer sorgte mit seinem Doppelpack (74. und 77.) fast im Alleingang für Herthas 3:1 (2:1)-Prestigesieg gegen die Eisernen, die knapp 70 Minuten in Unterzahl spielen mussten. Hertha verkürzte den Rückstand in der Tabelle auf Union auf fünf Punkte.

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LaOla vor der leeren Ostkurve.

(Foto: imago images/Contrast)

"Ich bin sehr glücklich, ein tolles Gefühl. Wir haben den Derbysieg und sind ein Team. Das haben wir heute gezeigt", sagte Matchwinner Piatek bei Dazn. "Ich freue mich für ihn. Das ist immer gut", sagte Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Niklas Stark fügte an: "Wir wussten, was auf dem Spiel steht. Für die Fans, die ganze Stadt. Berlin ist Blau-Weiß - wie immer." Unions Coach Urs Fischer war natürlich weniger begeistert: "Wir waren lange in Unterzahl, die Jungs haben toll gekämpft und die Räume zugestellt. So viele Tormöglichkeiten hatte Hertha nicht, sie waren sehr effizient mit dem, was wir zugelassen haben."

Grobes Foulspiel dezimiert Union früh

Die 1:0-Führung für Union erzielte im zuschauerfreien Olympiastadion Stürmer Taiwo Awoniyi (20.). Nur drei Minuten später sah Robert Andrich, der bei einem Zweikampf mit Lucas Tousart das Bein zu hochgestreckt und seinen Gegenspieler an der Schulter getroffen hatte, wegen groben Foulspiels die Rote Karte. Hertha tat sich trotz mehr Ballbesitz und der nummerischen Überlegenheit lange schwer, doch dann traf Rechtsverteidiger Peter Pekarik zum 1:1 (51.). Danach schlug Piatek gleich doppelt zu.

Hertha BSC - Union Berlin 3:1 (0:1)

Hertha BSC: Schwolow - Pekarik (90.+2 Zeefuik), Boyata, Torunarigha, Plattenhardt - Stark - Tousart (46. Dilrosun), Guendouzi - Darida (46. Piatek) - Lukebakio (85. Mittelstädt), Cunha (90.+2 Leckie). - Trainer: Labbadia

Union Berlin: Luthe - Friedrich, Knoche, Ryerson (82. Teuchert) - Trimmel (78. Bülter), Andrich, Prömel (82. Becker), Lenz (77. Gießelmann) - Ingvartsen - Kruse, Awoniyi (54. Griesbeck). - Trainer: Fischer

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Tore: 0:1 Awoniyi (20.), 1:1 Pekarik (51.), 2:1 Piatek (74.), 3:1 Piatek (77.)

Den zuletzt überragenden Max Kruse, der mit neun Scorerpunkten ligaweit Platz drei hinter den Superstars Robert Lewandowski (18) und Erling Haaland (12) belegt, hatten die Blau-Weißen gut im Griff. In der 90. Minute verletzte sich der Torjäger ohne Fremdeinwirkung und musste gestützt vom Platz gebracht werden. Für Union wäre sein Ausfall sehr bitter. Trainer Urs Fischer konnte nach Abpfiff noch nichts Konkretes sagen: "Das wird jetzt genau angeschaut. Ich hoffe, es wird nicht so schlimm sagen."

Hertha hatte im Vorfeld die Derby-Stimmung angeheizt und in der gesamten Stadt zehntausende Vereinsflaggen aufstellen lassen. Im Stadtteil Köpenick, der Heimat von Union, landeten viele davon schnell in Mülleimern. Ärger gab es auch mit dem Ordnungsamt, es drohte sogar ein Bußgeld. Der Klub versprach, sich um die Entsorgung der übrig geblieben Fahnen zu kümmern.

Einwechslung zahlt sich aus

Es entwickelte sich zu Beginn genau die Partie, die alle im Vorfeld erwartet hatten: verbissen geführte Zweikämpfe, hohe Laufbereitschaft, wenig Räume für die Offensiven, kaum Strafraumaktionen. Doch dann kam Schwung ins Spiel: Union ging mit dem ersten gelungenen Spielzug in Führung, nachdem Marcus Ingvartsen den Ball sehenswert auf Torschütze Awoniyi durchgesteckt hatte.

Die Freude der Gäste währte aber nur drei Minuten. Nach Andrichs Platzverweis begann für Union ein harter Abwehrkampf, selbst Stürmer Awoniyi ließ sich oft tief in die eigene Hälfte fallen. Ingvartsen übernahm Andrichs Rolle im defensiven Mittelfeld. Hertha tat sich mit einem Mann mehr lange schwer. Dem Team fehlten die Ideen, das Bollwerk der Union zu knacken. Herthas Mann für die kreativen Momente, der Brasilianer Matheus Cunha, wurde von den Rot-Weißen meistens gut zugestellt. Und so war es Dodi Lukebakio (40. und 44.), der vor dem Halbzeitpfiff zwei gute Chancen für die Hausherren ausließ.

"Wir machen ein schlechtes Spiel", sagte Sportdirektor Arne Friedrich zur Halbzeit bei Dazn. Zur zweiten Halbzeit brachte Labbadia in dem bisher enttäuschenden Piatek und Javairo Dilrosun zwei zusätzliche Offensivkräfte. Der Druck auf die Unioner wurde etwas größer - nach dem Ausgleich durch Pekarik nahm er aber kurioserweise wieder etwas ab. Doch auf Piatek war letztlich Verlass. Der Pole schnürte seinen ersten Doppelpack für die Hertha und machte deutlich, warum er im Januar für 24 Millionen Euro vom AC Mailand nach Berlin gewechselt war.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa