Fußball

Wen nimmt Löw mit zur WM? Für Mario Götze spricht - sehr wenig

imago34484782h.jpg

Tor für Deutschland: Mario Götze am 13. Juli 2014 im Maracanã.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Bevor Bundestrainer Joachim Löw im Tunnel verschwindet, sagt er, wer mit zur Fußball-WM nach Russland darf. Dabei dreht sich viel um Manuel Neuer, Mario Götze und die Frage, wer für die deutsche Nationalmannschaft die Tore schießen soll.

Nun beginnt sie, die Zeit, die Joachim Löw so sehr mag. "Bei einem Turnier bin ich in meiner eigenen Welt, in meinem Tunnel", hat er einmal gesagt. An diesem Dienstag will der Trainer der deutschen Nationalmannschaft ab 12.30 Uhr im Dortmunder Fußballmuseum sagen, wen er mit zur Weltmeisterschaft nach Russland nimmt, um dort erfolgreich den vor vier Jahren in Brasilien gewonnenen Titel zu verteidigen. Das Ganze hat noch einen vorläufigen Charakter, definitiv entscheiden muss er sich bis zum 4. Juni. Dann will der Weltverband Fifa die Namen der 23 Fußballer im Kader des DFB wissen, drei Torhüter und 20 Feldspieler sollen es sein.

a70dc9b93c0456ffbc1cfd73c8d68011.jpg

In seiner eigenen Welt: Joachim Löw.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Bevor Löw also in seinen Tunnel klettert und womöglich erst am 15. Juli nach dem Endspiel wieder herauskommt, muss er noch einige Entscheidungen treffen. Allerdings ist davon auszugehen, dass er die meisten längst getroffen hat. Im Grunde fokussiert sich alles auf drei Fragen: Was wird aus Torhüter Manuel Neuer? Darf Mario Götze mit? Und wer bekommt das Ticket für den Angriff neben Timo Werner - Mario Gomez oder Sandro Wagner? Als sicher gilt nur, dass der Trainer erst einmal mehr als 23 Akteure einlädt, um mit ihnen am 23. Mai nach Eppan zu fahren und dort in Südtirol bis zum 7. Juni gemeinsam zu üben. "Auf einigen Positionen haben wir extrem große Auswahl, auf anderen allerdings nicht. Wir brauchen daher auch Spieler, die flexibel und variabel einsetzbar sind", hat Löw angekündigt. Also:

Tor: Und schon sind wir wieder bei Manuel Neuer, der ja offiziell immer noch als Kapitän der DFB-Elf fungiert. Allerdings hat der Weltmeister und Torhüter des FC Bayern vor seinem erneuten Fußbruch in dieser Saison ganze drei Spiele absolviert, das bisher letzte am 16. September vergangenen Jahres. Seine letzte Chance auf einen Einsatz für die Münchner böte das Finale des DFB-Pokals am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt. Aber das ist nicht sehr wahrscheinlich. Sein bisher letztes Länderspiel hat Neuer am 11. Oktober 2016 absolviert. Was nun? Es könnte sein, dass Löw ihn dennoch mit in Trainingslager nimmt - und dazu Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona, den Leverkusener Bernd Leno und Kevin Trapp von Paris Saint-Germain. Reicht es dann für Neuer nicht, steht ter Stegen bei der WM als unumstrittene Nummer eins im Tor und wird mehr als nur Ersatz sein.

Die DFB-Elf vor der WM

seit Mittwoch, 23. Mai
Trainingslager in Südtirol (bis 7. Juni)

Samstag, 2. Juni, 18 Uhr
Österreich - Deutschland in Klagenfurt

Montag, 4. Juni
DFB meldet Fifa endgültigen WM-Kader

Freitag, 8. Juni, 19.30 Uhr
Deutschland - Saudi-Arabien in Leverkusen

Dienstag, 12. Juni: Abflug nach Moskau

WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli

Sonntag, 17. Juni
Deutschland - Mexiko in Moskau, 17 Uhr

Samstag, 23. Juni
Deutschland - Schweden in Sotschi, 20 Uhr

Mittwoch, 27. Juni
Deutschland - Südkorea in Kasan, 16 Uhr

Abwehr: Als gesetzt gelten die beiden Innenverteidiger des FC Bayern, Jérôme Boateng und Mats Hummels. Boateng ist zwar verletzt, lässt aber ausrichten: "Der Bundestrainer hat mit unserem Doktor gesprochen. Er weiß ganz genau, dass ich das Ziel WM habe und es absolut realistisch ist, dass ich da mitfahre." Als Ersatz in der Abwehrzentrale haben der Münchner Niklas Süle und Antonio Rüdiger vom FC Chelsea die besten Chancen auf ein Ticket für die WM, vielleicht schafft es auch noch der variabel einsetzbare Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach. Als rechter Außenverteidiger kommt Joshua Kimmich vom FC Bayern mit, der Job links geht an einen designierten Zweitligaspieler, Jonas Hector vom 1. FC Köln. Sein Backup ist Marvin Plattenhardt von der Berliner Hertha.

Mittelfeld: Fangen wir mit der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette an. Hier dürfen sich Toni Kroos von Real Madrid und Sami Khedira vom italienischen Meister Juventus Turin ihrer Sache sicher sein. Auch Ilkay Gündogan von Manchester City kann sich auf den russischen Sommer freuen. Das gilt wohl auch für den Münchner Confed-Cup-Sieger Sebastian Rudy. Fraglich ist eher die Nominierung Emre Cans, der dem FC Liverpool seit dem 17. März wegen einer Rückenverletzung fehlt. Und ob der Noch-Schalker und Bald-Münchner Leon Goretzka einen Platz bekommt? Die rechte Außenbahn geht an Thomas Müller vom FC Bayern, die Zentrale an Mesut Özil vom FC Arsenal, während es für die linke Seite zwei starke Kandidaten gibt: Julian Draxler von Paris Saint-Germain und den Dortmunder Marco Reus. Als flinke Flügelflitzer-Alternativen stehen der Leverkusener Julian Brandt und Leroy Sané von Manchester City bereit.

Damit sind wir bei Mario Götze. Ach ja, was sollen wir sagen? Seine Referenz fußt im Grunde darauf, dass er im WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro beim 1:0 gegen Argentinien das Tor geschossen hat. In jüngster Zeit aber hat der 25 Jahre alte Dortmunder arg wenig Werbung für sich gemacht, beim Saisonfinale der Bundesliga in Sinsheim saß er nur auf der Bank. Seine Saisonbilanz: 32 Partien, zwei Tore, sieben Vorlagen. Und zu den WM-Härtetests gegen Spanien (1:1) und Brasilien (0:1) im März hatte Löw ihn gar nicht erst eingeladen. Suchen wir also Indizien, die darauf hindeuten, dass Götze dennoch mit zur Weltmeisterschaft fährt. Hm. Der Gladbacher Lars Stindl und Serge Gnabry, Münchner im Trikot der TSG Hoffenheim, haben sich verletzt und können ihm also den Platz nicht streitig machen. Das war's aber auch schon. Im Grunde kann er nur hoffen, dass der Bundestrainer irrational urteilt: "Manchmal entscheidet auch mein Bauchgefühl. Ich nehme vielleicht einen Spieler mit, bei dem ich das Gefühl habe, dass er bei der WM explodieren kann."

Angriff: Für die Leipziger Rasenballsportler hat Timo Werner in dieser Bundesligasaison 13 Mal den Ball in des Gegners Tor befördert, gilt als gesetzt und sagt: "Wir haben etwas Großes vor in diesem Sommer. Ich freue mich unglaublich auf die WM, so langsam kann es losgehen." Die Frage ist, wer ihn begleitet: Mario Gomez, den der Bundestrainer vor dem Turnier 2014 nicht berücksichtigte, der in der Winterpause den VfL Wolfsburg verließ und danach für den VfB Stuttgart in 16 Spielen acht Tore erzielte? Oder Sandro Wagner, der von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern wechselte und dort ebenfalls acht Mal traf? Im Grunde kann Löw das auch auswürfeln. Wir tippen: Zumindest ins Trainingslager fahren beide mit.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema