Fußball

Harte Strafen und Dialogsuche Fußballverbände drohen Salut-Nachahmern

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Provozierende Geste: der Salutjubel türkischer Fans im EM-Quali-Spiel gegen Frankreich. Auch die türkischen Spieler zeigten ihn.

(Foto: REUTERS)

Nach dem wiederholten Militärgruß-Jubel der türkischen Fußball-Nationalmannschaft befürchtet der deutsche Amateurfußball erneute Nachahmer. Deshalb drohen die Verbände mit heftigen Strafen, suchen aber auch den Dialog. Der türkische Staatspräsident Erdogan findet die Jubel-Gesten "natürlich".

Paul Pogbas legendärer Dab Dance, der Fortnite-Tanz von Antoine Griezmann, die Koch-Geste von Serge Gnabry - die aufsehenerregendsten Torjubel finden immer wieder den Weg vom Profi- in den Amateurfußball. Leider wird das auch vom provokanten Militär-Gruß befürchtet, mit dem türkische Nationalspieler in der EM-Qualifikation für viel Wirbel gesorgt hatten. Die Gefahr von Nachahmern mit politischer Konnotation ist angesichts von Zehntausenden türkischstämmigen Fußballern in Deutschland groß, die Verbände drohen präventiv mit Strafen.

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Hans-Otto Matthey, Kreisvorsitzender in Recklinghausen, erwartet keine neuen Provokationen.

(Foto: dpa)

Schon am vergangenen Wochenende hatte es in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vereinzelte Fälle von salutierenden Spielern gegeben, mindestens fünf Fälle sind bislang bekannt. Drei Amateurvereine aus dem Kreis Recklinghausen müssen sich deswegen vor dem Sportgericht verantworten. "In einem Fall war es die ganze Mannschaft, ein anderes Mal fünf bis sechs Spieler", berichtete der Kreis-Vorsitzende Hans-Otto Matthey. Er erwartet, dass von den Ermittlungen eine Signalwirkung ausgehe. "Ich stelle die Prognose, dass niemand die Frechheit besitzt, so etwas am Wochenende zu wiederholen", sagte Matthey mit etwas spezieller Wortwahl.

Jeder Fall soll angezeigt werden

Sollte es doch so weit kommen, wird es landesweit Sanktionen geben. "Beleidigungen und Provokationen haben auf und neben dem Spielfeld keinen Platz und werden nicht toleriert", sagte Günter Distelrath, Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV). Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) wies in einer Mitteilung "ausdrücklich" darauf hin, dass "jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird". Gemäß Paragraf 47 a der Rechts- und Verfahrensordnung müssten die Salut-Jubler "mit empfindlichen Strafen rechnen".

Die Rechts- und Verhaltensordnungen der Landes- und Regionalverbände schreiben klar vor, dass politische Provokationen auf dem Platz untersagt sind und sanktioniert werden können. Das Salutieren der türkischen Nationalspieler in den EM-Qualifikationsspielen gegen Albanien (1:0) und in Frankreich (1:1) wird als Bezug auf die umstrittene Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien gewertet. Die Türken argumentierten jedoch, es habe sich lediglich um eine "schöne Geste" für die Soldaten und ihre Familien gehandelt, wie es Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoglu ausdrückte.

"Ethik- und Disziplinar-Inspektor" ermittelt für Uefa

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nannte die Jubel-Gesten sogar "selbstverständlich" und "natürlich", sagte er der Nachrichtenagentur DHA zufolge. An eine harte Bestrafung durch die Europäische Fußball-Union, deren Disziplinarkammer am Donnerstag berät, glaubt er deshalb nicht: "Sie können höchstens eine Verwarnung aussprechen." Das mögliche Strafmaß reicht von Verwarnungen über Platzsperren bis Punktabzüge. Entscheidend für eine Strafe ist aber die Bewertung, ob es sich um spontane, individuelle Aktionen gehandelt hat oder um ein gezieltes politisches Statement von Team oder Verband. Auch deshalb hat die Uefa zur Untersuchung der Angelegenheit eigens einen "Ethik- und Disziplinar-Inspektor" eingesetzt.

Für die meisten Landes- und Regionalverbände in Deutschland ist der Fall dagegen bereits klar. In der aktuellen politischen Situation könne "dieses Salutieren nur als Unterstützung für das türkische Militär und die Offensive in Syrien verstanden werden", sagte Frank Thumm, Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußball-Verbandes, bei "SWR Sport". Er nannte die Geste eine "öffentliche Sympathiebekundungen für kriegerische Handlungen", und die habe auf Fußballplätzen nichts zu suchen.

So sehen es die meisten anderen Verbände in Deutschland auch, sie werden in dieser Woche verstärkt den Kontakt zu ihren Vereinen suchen, um sie für das heikle Thema zu sensibilisieren. "Wir sind gerade daran uns intern abzustimmen, wie und mit welchem Wortlaut wir die Vereine informieren. Weniger in die strafandrohende Richtung, eher in die sensibilisierende Richtung", sagte der Sprecher des Südbadischen Fußballverbandes, Thorsten Kratzner, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Damit Aktionen wie der Militär-Gruß sanktioniert werden können, muss eine Anzeige gestellt oder der Vorfall im Spielbericht des Schiedsrichters aufgenommen werden. Danach werden Stellungnahmen eingeholt.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid/dpa