Fußball

"Rastelli, Clown, Kunstschütze" Fußballwelt trauert um Wolfram Wuttke

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Der Ex-Nationalspieler starb im Alter von 53 Jahren.

(Foto: imago sportfotodienst)

Er war ein hoch talentierter Fußballspieler und Provokateur. Mit manchen Aktionen machte sich Wolfram Wuttke bei seinen Trainern äußerst unbeliebt. Nach seinem frühen Tod mit 53 Jahren wird der Ex-Nationalstürmer als Fußballmarke in Erinnerung bleiben.

Begnadeter Spieler, Schrecken seiner Trainer und immer für einen Schabernack zu haben: Wolfram Wuttke war eine ganz besondere Marke, er polarisierte auf und neben dem Platz wie kaum ein anderer. Am frühen Morgen verstarb der viermalige Nationalspieler im Alter von nur 53 Jahren in einem Krankenhaus im westfälischen Lünen.

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Im Alter kaum wiederzuerkennen: Wolfram Wuttke.

(Foto: imago/Schwörer Pressefoto)

Dies bestätigte der 1. FC Kaiserslautern auf Facebook. "Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden", hieß es dort. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kondolierte via Twitter, nachdem die "Bild"-Zeitung erste Meldungen von Wuttkes Ableben verbreitet hatte. Nach Informationen des Blattes soll Wuttke wegen eines multiplen Organ-Versagens, ausgelöst durch eine Leberzirrhose, zuletzt im Koma gelegen haben. Er wurde nur noch künstlich beatmet. Sein Zustand jedoch, hieß es noch vor einigen Tagen, sei kritisch, aber stabil.

"Clown, Dirigent, Schauspieler"

"Er ist Rastelli, Clown, Kunstschütze, Dirigent und Schauspieler in einer Person", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einst über Wuttke - und tatsächlich bestimmte der Offensivspieler in den 80er Jahren die Schlagzeilen wegen seiner fußballerischen Fähigkeiten und zahlreichen Eskapaden. Vor allem die Trainer hatten mit dem Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele 1988 so ihre liebe Not.

Einmal, so stand es zumindest in den Medien, soll Wuttke seinem DFB-Trainer Dietrich Weise im Rahmen eines Junioren-Länderspiels in das Bett gepinkelt haben. "Es war nur ein Putzeimer mit Wasser", beschwichtige Wuttke, "und außerdem war Matthias Hönerbach ja auch dabei."

"Osram" griff hart durch

Seine wohl turbulenteste Zeit erlebte Wuttke ohnehin mit Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach. Als "introvertierten Pedanten" bezeichnete Wuttke seinen damaligen Chef: "Er fand heraus, wenn wir rauchten, er wusste, wie viele Biere wir am Wochenende getrunken hatten." Bei Wuttke sollen es einige gewesen sein. "Ein Bier vor einem Spiel war immer drin", sagte Wuttke.

Heynckes sanktionierte hart, verordnete seinem Spieler eine rigorose Diät. Der wiederum rächte sich auf seine Art und erzählte einem Reporter von Heynckes' Spitznamen im Team: "Osram" - wegen des vor Wut leuchtend roten Kopfes. Trotz seiner zahlreichen Skandale gehörte Wuttke fast immer zu den Leistungsträgern in seinen Teams. Zwischen 1979 und 1993 absolvierte er im Trikot von Schalke 04, Mönchengladbach, dem Hamburger SV, dem FCK und dem 1. FC Saarbrücken knapp 300 Spiele.

Der Lohn für die guten Leistungen waren die Nominierungen ins DFB-Team. "Immerhin vier gute", sagte Wuttke, habe er gemacht: "Andere haben 50 und davon 49 schlechte." Der Erfolg blieb ihm nach der aktiven Karriere verwehrt - in allen Lebensbereichen. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden, ein von ihm gegründetes Sportgeschäft ging pleite, zudem erkrankte Wuttke an Brustkrebs. Den Kampf mit der heimtückischen Krankheit gewann er. Nun aber hörte sein Herz auf zu schlagen.

Quelle: ntv.de, Nicolas Reimer, sid

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