Fußball

"Wie ein Vater für mich" Gattuso folgt Ancelotti beim SSC Neapel

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Der eine kommt, weil der andere gehen muss: Gennaro Gattuso löst beim SSC Neapel Carlo Ancelotti ab.

(Foto: imago images/LaPresse)

Carlo Ancelotti hat nach neun Spielen ohne Sieg geahnt, dass sich seine Zeit als Fußballtrainer in Neapel dem Ende zuneigt. Da hilft auch der Einzug ins Achtelfinale der Champions League nicht. Das liegt auch daran, dass der Klubpräsident ihn nicht mag. Der findet schnell einen Nachfolger.

Beim Dinner im edlen Hotel Vesuv verging Genussmensch Carlo Ancelotti sogar die Freude am Rotwein. Für den ehemaligen Trainer des FC Bayern war das Abendessen mit Klubboss Aurelio De Laurentiis das "letzte Abendmahl", wie der "Corriere dello Sport" schrieb. Denn danach war Ancelotti seinen Job beim SSC Neapel los. Dabei hatte der italienische Fußball-Erstligist an diesem Dienstagabend just durch ein 4:0 gegen KRC Genk das Achtelfinale der Champions League erreicht. Es war der erste Sieg nach neun Spielen.

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Sein Nachfolger steht auch schon fest. Gennaro Gattuso übernimmt, wie der Verein mitteilte. Als Spieler wurde er mit der italienischen Nationalelf 2006 Weltmeister, bis zum Mai dieses Jahres hatte er den AC Mailand trainiert. Kaum in Neapel angekommen, lobte er seinen Vorgänger: "Er ist wie ein Vater für mich, in all den Jahren war er immer in meiner Nähe und half mir in vielen Situationen. Er hat alles gewonnen, ich muss noch viel beweisen."

Das macht den Rauswurf Ancelottis aber nicht weniger skurril. Die "Gazzetta dello Sport" kritisierte den Klubpräsidenten: "Es bleibt der Fleck eines indiskutablen Verhaltens von De Laurentiis. Ancelotti hat, obwohl er auch nicht wenige Fehler gemacht, eine solche Behandlung nicht verdient." Allerdings hatte Ancelotti schon vor der Partie gegen Genk geahnt, dass es eng werden könnte: "Ein Trainer sitzt immer auf gepackten Koffern", sagte er angesprochen auf das eher gestörte Vertrauensverhältnis zu De Laurentiis. Als einer, der bereits bei Topklubs wie Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Paris St. Germain, Real Madrid und auch Bayern München gearbeitet hat, weiß Ancelotti, was einem Trainer droht, der mit seinem Team neun Mal hintereinander nicht gewinnt.

Er hatte es ja geahnt

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Letzte Ausfahrt Genk.

(Foto: imago images/Pacific Press Agency)

Obwohl die Fans nach dem Sieg gegen Genk Ancelotti feierten und die Spieler ihren Trainer umarmten, blieb Ancelotti auf dem Rasen des Stadio San Paolo tief in sich versunken. Danach sagte er: "Ich habe noch nie aufgegeben und werde es niemals tun." Und fuhr zum Essen mit De Laurentiis. Das Tischtuch zwischen den beiden Alphatieren war nach wochenlangem Chaos schon lange zerschnitten. Napolis Boss verübelte Ancelotti sehr, Anfang November seine Anweisung nach der 1:1-Enttäuschung im Champions-League-Gruppenspiel gegen RB Salzburg zur sofortigen Weiterfahrt aus dem Stadion in ein Straftrainingslager ignoriert zu haben. Der Widerstand des Trainers erleichterte es seinen Spielern, die Anordnung ebenfalls nicht befolgen.

Vor diesen Hintergründen war Neapels Absturz in der Serie A auf Platz sieben - acht Punkte hinter den Champions-League-Rängen - für den Multimillionär De Laurentiis ein geradezu herbeigesehnter Anlass für die längst beschlossene Trennung. Einen ungünstigeren Zeitpunkt allerdings hätte nicht wählen können. Ancelottis Nachfolger Gattuso wird auch bei seinem ersten Training auf treue Anhänger seines Vorgängers treffen. "Ich werde", sagte Stürmer Kalidou Koulibaly nach dem Sieg gegen Genk jedenfalls und wirkte dabei wie ein Sprecher des gesamten Teams, "immer an Ancelottis Seite stehen."

Quelle: ntv.de, sgi/sid