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Polizei erhebt schwere Vorwürfe Geklautes Hertha-Banner sorgt für Eskalation

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Einige Hansa-Anhänger setzen das gestohlene Hertha-Banner in Brand - der Moment der Eskalation.

(Foto: dpa)

Böllerwürfe, Bannerbrand, Beinaheabbruch: Das Weiterkommen der Hertha im DFB-Pokal in Rostock interessiert kaum. Vielmehr stellt sich die Frage: Wie konnte das passieren? Haben Sicherheitskräfte gepennt? Oder gar mitgeholfen?

Es ist eine Randale mit Ansage. So schreibt es die "Ostseezeitung". Das Erstrundenduell im DFB-Pokal zwischen Hansa Rostock und Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin (0:2) verkommt zu einem brutalen Krawallgipfel. Und Grund dafür ist offenbar ein gestohlenes Banner der Berliner. Seit 2014 vermissen die Hertha-Anhänger ihr Utensil. Wo es ist? Sie wissen es nicht mit letzter Gewissheit, bis Montagabend. Andere Drittliga-Klubs hätten zunächst im Verdacht gestanden - und wurden entlastet, heißt es in Fan- und Sicherheitskreisen. In der 76. Minute kommt es im Ostseestadion dann zur Eskalation - für die die Polizei Vereinsoffizielle mitverantwortlich macht. Nachdem das Spiel bereits kurz nach der Pause wegen heftiger Zündeleien im Gäste-Fanblock unterbrochen wurde, steht das Duell nun kurz vor dem Abbruch.

Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende, es steht noch 0:0, entrollen Rostocker Anhänger ein riesiges Plakat. Es soll sich um das 30 mal 2 Meter große, vermisste Banner "Ostkurve Hertha BSC" handeln, das im heimischen Olympiastadion zwischen Ober- und Unterrang gespannt war, so heißt es in der "Bild"-Zeitung. Kaum entrollt und von den Berlinern erkannt, setzen einige vermummte Hansa-Fans das riesige Band in Flammen. Aus beiden Fanblöcken - sie liegen nur knapp 20 Meter voneinander entfernt - fliegen daraufhin Raketen. Schals und Sitzschalen werden abgebrannt. Die Polizei steht in einer Pufferzone zwischen den aggressiven Gruppen. Schiedsrichter Robert Hartmann unterbricht die Partie für 18 Minuten.

"So etwas habe ich noch nie gesehen"

"Ich bin für die Sicherheit der Spieler verantwortlich, die war nicht mehr gegeben, als Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geschossen wurden", sagte Hartmann bei Sky. "Nachdem die Polizei gesagt hat, dass sie davon ausgehen, dass sich die Lage beruhigt, haben wir uns entschieden, das Spiel fortzusetzen." Bei erneuten Vorkommnissen "hätten wir uns mit Sicherheit wieder in der Kabine getroffen. Ein Spielabbruch wäre dann nicht völlig aus der Luft gegriffen gewesen". Herthas Trainer Pal Dardai war angesichts der Ereignisse fassungslos: "So etwas habe ich noch nie gesehen." Manager Michael Preetz erklärte: "Das sind Handlungen, die niemand in einem Stadion haben will."

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Im Gegensatz zur Gegenreaktion der friedlichen Fans - wie Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier findet. "Wir haben gestern aber auch andere Bilder gesehen, die Mut machen. Die wahren Fans haben sich im Stadion hörbar distanziert. Dieser Aufstand der Anständigen auf den Tribünen sei wichtig", erklärte er am Tag nach der "Schande". Als die offenen Feuer entflammten, stimmten die meisten der 22.400 Zuschauer einen lauten Protestgesang an: "Und ihr wollt Hansa Rostock sein?" Es war eine bemerkenswerte Antwort, die nicht unbemerkt blieb. "Was für eine starke Reaktion der FUSSBALLFANS!! Da kriegt man am Fernseher Gänsehaut", schrieb Weltmeister Mats Hummels bei Twitter.

Derweil fordert Minister Caffier, dass Rostock dringend auf Distanz "zu den Ultras" gehen müsse. Erneut sei eine Grenze überschritten worden. "Derartige Angriffe zielen auf das Herz unseres demokratischen Gemeinwesens und schaden nicht nur dem Sport", sagte der CDU-Politiker. "Und wir sind nicht bereit, das zu tolerieren."

"20 bis 50 Vollidioten wollen das eigene Wohnzimmer abfackeln"

Das ist offenbar auch der Verein nicht, wie der Vorstandschef in einem leidenschaftlich Appell verkündet: "Wir halten bis zur 74. Minute ein grandioses 0:0. Dann ist es 20 bis 50 Vollidioten anscheinend wichtiger, das eigene Wohnzimmer abzufackeln, anstatt die Mannschaft zu unterstützen", schimpfte Robert Marien. "Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist."

Laut einer Mitteilung der Polizei aus der Nacht gibt es allerdings zumindest an der Gründlichkeit der Einlasskontrollen Zweifel. "Bereits während der Einsatzbesprechung informierte mich Hansa Rostock, dass sich laut Informationen der Vereinsführung das gestohlene Banner bereits im Stadion befinde und zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgerollt werden solle", sagte Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock. Daher wurde die Südtribüne von Beamten und Ordnungskräften gründlich durchsucht. Das Banner konnte dabei jedoch nicht gefunden werden.

Für Ebert sieht es daher so aus: "Somit liegt die Vermutung nahe, dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte." Da die beim Kontrollieren der Tribüne mithelfenden Ordnungskräfte keinen Bezug zu Hansa Rostock gehabt hätten, kann laut Polizei ausgeschlossen werden, dass das Banner durch sie ins Stadion kam oder bei Kontrollen unentdeckt blieb. Die Polizei war mit Beamten aus sechs Bundesländern im Einsatz.

Quelle: n-tv.de

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