Fußball

Kritik und Selbstkritik beim DFB Grindel will "Die Mannschaft" streichen

90e732d567333df4f10b3892436fef32.jpg

Reinhard Grindel will einiges ändern, aber nicht zurücktreten.

(Foto: imago/DeFodi)

In seiner Rücktrittserklärung teilt Mesut Özil vor allem gegen einen aus: DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der räumt nun Fehler ein und sagt, was sich bei der Nationalmannschaft künftig alles ändern muss.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat nach dem WM-Debakel von Titelverteidiger Deutschland in Russland ein Umdenken auf allen Ebenen gefordert und dabei auch nicht mit Kritik an Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff gespart. Er wolle "wieder eine größere Nähe zu den Fans bekommen", sagte der 56-Jährige im Interview mit der "Bild am Sonntag". Er denke dabei konkret "an mehr öffentliche Trainingseinheiten, niedrigere Ticketpreise".

Auch eine Kursänderung bei der Vermarktungsstrategie der Nationalelf ist für Grindel ein Thema: "Ich nehme auch wahr, dass an der Basis der Begriff 'Die Mannschaft' als sehr künstlich empfunden wird. Auch das sollten wir auf den Prüfstand stellen."

Weiter kritisierte Grindel eine gewisse Distanz, die während des Turniers zwischen der Teamleitung und dem DFB-Präsidium geherrscht habe. So sei er "während der WM nicht nah genug an der Mannschaft gewesen, um sagen zu können, ob das Teamquartier nicht ausreichend war, ob es in den Abläufen Dinge gab, die nicht gut waren. Da erwarte ich auch von Teammanager Oliver Bierhoff, dass das Präsidium Einblicke in die Abläufe erhält". Manches, was im Nachhinein aus Watutinki berichtet worden sei, habe die DFB-Delegation zu spät erfahren.

Konkret auf den Vorfall angesprochen, dass den Spielern im Teamquartier in Watutinki nachts das WLAN ausgeschaltet wurde, damit sie nicht mehr Playstation spielen konnten, erklärte der DFB-Boss: "Dass dort jemand Anlass gesehen hat einzugreifen, hätten wir schon gern gewusst." Weiter fordert Grindel: "Wir müssen wieder intensiver miteinander reden." An Bierhoff, dessen Vertrag erst im Mai bis 2024 verlängert wurde, will Grindel festhalten. Dieser müsse aber entlastet werden. Bierhoff müsse "in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann, das haben wir so auch verabredet", so Grindel, den "die gesamten Vorgänge dieses Sommers natürlich auch persönlich sehr berührt" hätten.

Zu wenig Rückendeckung für Özil

Im Umgang mit Mesut Özil räumte Grindel Fehler ein: "Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen. Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel. Dass er sich da vom DFB im Stich gelassen fühlte, tut mir leid", sagte der DFB-Chef. Ihm sei aber wichtig zu betonen, dass er sich nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus "zu keinem Zeitpunkt" zu Özils sportlicher Leistung geäußert habe. "Für mich war immer klar, dass wir zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Einen einzelnen Spieler für das Ausscheiden verantwortlich zu machen, wäre ja absurd."

Özil hatte nach seinem Rücktritt aus der Nationalelf schwere Vorwürfe gegen den DFB und Grindel erhoben. An einen Rücktritt habe er jedoch nicht gedacht, sagte Grindel: "Ich habe sehr großen Rückhalt bei den Landesverbänden und in der Bundesliga." Auf die Frage, ob er bis mindestens zur nächsten Wahl DFB-Präsident bleibe, antwortete er: "Davon gehe ich fest aus."

Quelle: n-tv.de, ino/dpa/sid

Mehr zum Thema