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So läuft der 14. Bundesliga-Spieltag Guardiola arrogant, Wiese wiegt jetzt 100 Kilo

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Tja, liebe Braunschweiger - selbst die Schoßhündchen sind auf der Seite der Bayern.

(Foto: imago sportfotodienst)

Tim Wiese zeigt endlich wieder, was er kann - in der Muckibude. Die anderen spielen wieder Fußball an diesem 14. Spieltag der Bundesliga. Der FC Bayern zum Beispiel hat ein "komisches" Spiel gegen Braunschweig.

Wie hoch gewinnt der FC Bayern?

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Spielt ER gegen Braunschweig?

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Respekt kann nicht groß genug sein für das, was Eintracht Braunschweig und Trainer Torsten Lieberknecht in den letzten fünf Jahren geleistet haben. Das vorweg. Aber: Bayern-Trainer Josep Guardiola könnte am Samstag auch einen Maulwurf aufstellen - und wir meinen einen richtigen, insektenfressenden Maulwurf (wissenschaftlich: Talpidae), nicht so einen Möchtegern, der sich von Boulevard-Schlagzeilen ernährt - und trotzdem würde der Rekordmeister gegen den Tabellenletzten als Sieger vom Platz gehen.

In Moskau haben sie gerade einen Fabel-Rekord des FC Barcelona übertroffen und Guardiola gab seinen Spielern dafür sogar den Donnerstag frei. Ein Training muss also reichen für Braunschweig. Arrogant? Nein, sagt Arjen Robben: "Erster gegen Letzter ist etwas Komisches. Man muss aufpassen, ganz konzentriert spielen." Das haben die Bayern in dieser Bundesliga-Saison erst einmal nicht gemacht - als sie kurz vor Schluss bei den bis dato punktlosen Freiburgern das 1:1 kassierten. Und fehlt nicht auch Kapitän Philipp Lahm am Samstag, neben Schweinsteiger, Ribery und vielen anderen? Was, wenn der ominöse Maulwurf vor dem Spiel Aufstellung und Taktik verrät? Hat Braunschweig nicht doch eine kleine Chance? Lassen Sie uns kurz nachdenken … nein.

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Ach, spanisch. Eher schottisch. Oder noch besser: bulgarisch. Dort thront Ludogorets Rasgrad an der Spitze der Tabelle und entwickelt sich nach zwei Meisterschaften in Folge zum FC Bayern Bulgariens. Auch international läuft es gut. Dort hat die Mannschaft aus dem 40.000-Einwohner-Städtchen aus dem Nordosten des Landes just den PSV Eindhoven mit 2:0 besiegt und sich als Gruppenerster für die K.o.-Runde der Europaleague qualifiziert. Was tun gegen solche Langweiler? Felix Magath hatte ja vorgeschlagen, die besten Vereine des Kontinents stets in einer Liga spielen zu lassen. Aus Deutschland wären das die Bayern und Borussia Dortmund. "Eigentlich müsste man sie aus dem nationalen Wettbewerb ausschließen", hatte er der "Hamburger Morgenpost" gesagt. Oliver Kahn findet die Idee so gut, dass er jetzt via "Bild"-Zeitung nachzog. Schließlich sind die Bayern seit 38 Spielen unbesiegt. "Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht eines weiter zusammenwachsenden Europas wäre die logische Konsequenz die Einführung einer Europa-Liga mit 34 Spieltagen, in denen die besten 18 europäischen Klubs jedes Wochenende aufeinandertreffen." Allerdings: "Wie eine solche Liga im Detail aussehen könnte, ist ein Thema für sich." Stimmt. Zumindest wäre es für Bayer 05 Leverkusen die Chance, auch einmal Deutscher Meister zu werden.

Was passiert sonst noch an diesem Spieltag?

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Austrainiert: Tim Wiese.

(Foto: dpa)

Borussia Mönchengladbach hat einen vermeintlichen Punktelieferanten zu Gast. Der Drittletzte aus Freiburg kommt, bei bislang sechs Siegen aus sechs Heimspielen eine Pflichtaufgabe - zumal, wenn sie in Gladbach den Anspruch haben, der "best of the rest" zu sein. "Die Fans singen vom Europapokal – ich hoffe, das bleibt so", sagte Stürmer Raffael. Wie viel Energie der Europapokal kosten kann, haben die Freiburger in den vergangenen Wochen erleben müssen. Am Donnerstag aber haben sie das erste Mal gewonnen - und damit laut Gelson Fernandes "Kraft für Gladbach" gesammelt.

Richtig gequält hat sich im Europapokal der FC Schalke. Nach dem ernüchternden 0:0 in Bukarest erreichte wenigstens eine gute Nachricht die Knappen: Kevin-Prince Boateng kann gegen Stuttgart spielen, Julian Draxler ebenfalls. Ein Dreier ist Pflicht, um den Anschluss an die Champions-League-Plätze nicht zu verlieren. Dorthin streben die Wolfsburger, die am Freitag beim Hamburger SV antreten – ohne Diego, während beim HSV Rafael van der Vaart fehlt. Hertha BSC Berlin fehlten zuletzt die Punkte, drei der letzten vier Partien gingen verloren. Jetzt kommt mit Augsburg das Ex-Team von Trainer Jos Luhukay, der im Unfrieden schied und deswegen auch nicht viele Worte verliert: "Augsburg ist Augsburg und Hertha ist Hertha. Mehr möchte ich nicht darüber sagen, sonst müsste ich zu tief gehen." In Hoffenheim steht beim Spiel gegen Bremen einer im Mittelpunkt, der gar nicht spielt, aber trotzdem gern redet. Ex-Werderaner Tim Wiese verfolgt das Spiel von der Tribüne aus und das, obwohl er laut eigener Aussage "immer noch einer der besten Torhüter der Bundesliga" ist. Sonst verbringt er viel Zeit in der Muckibude, wo er schon ordentlich zugelegt hat: "Ich wiege 100 Kilo. Das kommt davon, wenn man so hart trainiert wie ich."

Welche Mannschaft überrascht?

Trotz des peinlichen und um kein Tor zu hohen 0:5-Debakels gegen Manchester United in der Champions League sind die Leverkusener immer noch Tabellenzweiter in der Bundesliga. Nun geht's gegen den 1. FC Nürnberg, seines Zeichens Vorletzter. Eigentlich eine klare Sache, schließlich hat Bayer im Stadion am Autobahnkreuz bisher all seine Spiele gewonnen, nur gegen den FC Bayern, der mit seinen Torchancen arg verschwenderisch umging, gab's in einem absurden Spiel ein 1:1. Nun aber tragen die Leverkusener die Bürde des Debakels mit sich herum. Das weiß auch Trainer Sami Hyypiä: "Ich kann etwas sagen, aber ich kann nicht in die Köpfe der Spieler gehen. Vielleicht ist es mental, ich kann nicht glauben, dass es an anderen Sachen liegt." Diese Gewissheit zumindest haben sie in Nürnberg. Dort liegt das Problem auf dem Platz. Was Trainer Gertjan Verbeek nicht davon abhält, eine Überraschung zumindest nicht auszuschließen. "Wir können mithalten, auch wenn wir nicht die Qualität von Manchester United haben." So ganz sicher scheint er sich seiner Sache aber nicht zu sein: "Ob das schlecht oder gut ist, weiß man nie. Aber ein 0:5 ist nie schön, es herrscht sicher erstmal eine negative Atmosphäre." Wohl wahr.

Für welchen Trainer wird es eng?

Es gibt so Wörter, die klingen schön, aber trotzdem hört man sie mit einem gewissen Argwohn. Fragen Sie mal die van der Vaarts nach der Bedeutung eines "Treueschwurs". In Hannover vernahm Trainer Mirko Slomka unter der Woche das Wort "Jobgarantie". Die gab sein Präsident Martin Kind, und wenn Slomka bis jetzt noch nicht gemerkt haben sollte, dass er in der Diskussion steht, dann war dies der untrügliche Beweis. Sieben Partien hintereinander hat Hannover 96 nicht gewonnen. Am Sonntag kommt die Europaleague-trunkene Eintracht aus Frankfurt. Das Team von Armin Veh befällt in der Liga zuverlässig ab der 80. Minute ein Tiefschlaf, deswegen stecken die Hessen im Abstiegskampf. Punktet Veh nicht in Hannover, könnte er schon bald "Rückendeckung" erhalten, auf die er lieber verzichten würde.

Wo wird es brisant?

Vor der Partie gegen die Borussia aus Dortmund haben sie beim FSV Mainz ganz andere Probleme. Der kolumbianische Mittelfeldspieler Elkin Soto steht nämlich seit Mitte der Woche ohne Auto da, irgendjemand hat den schwarzen BMW geklaut. Der Verein wandte sich prompt via Facebook mit einem brisanten Aufruf an die Fans: "Achtung, kein Scherz! Haltet den Dieb! Auf geht’s Mainzer, suchen und finden!" Als Belohnung versprach der Klub eine VIP-Dauerkarte für die kommende Saison. Und auch Dortmunds Jürgen Klopp, der 18 lange Jahre als Spieler und Trainer beim FSV angestellt war, hat so seinen Ärger mit einem Auto. Bei ihm geht’s um einen Werbespot für Opel. Dort sagt der Übungsleiter des BVB als Markenbotschafter: "Mit Opel geht es ja nur noch bergauf." Was im benachbarten Bochum nicht ganz so gut ankam. Dort will der Automobilherstellers sein Werk Ende kommenden Jahres schließen, mehr als 3000 Arbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. Zweitligist VfL hatte jüngst ein Solidaritätsspiel veranstaltet. Klopp hat aber inzwischen um Entschuldigung gebeten, sei nicht böse gemeint gewesen. Sportlich sollen's am Samstag in Mainz schon drei Punkte sein – damit der Abstand zum FC Bayern nicht noch größer wird. Mit dabei: Sven "Iron-Manni" Bender, der sich beim 3:1 in der Champions League gegen den SSC Neapel das Nasenbein brach. Thomas Tuchel, sein Nachfolger in Mainz, sitzt derweil zum 150. Mal auf der Bank. Und versprach dem "Kicker": "Unsere Situation ist gut. Wir könnten in der Lage sein, über uns hinauszuwachsen."

Was sagt das Orakel?

"Von einer Herkulesaufgabe zu sprechen, ist noch untertrieben. Wir sind nicht der Underdog, sondern eher das Schoßhündchen." Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht rechnet sich in München mal so richtig viel aus.

Quelle: n-tv.de

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