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"Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren": Uli Hoeneß.
"Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren": Uli Hoeneß.(Foto: imago/Christian Schroedter)
Donnerstag, 08. November 2018

Tiefstapeln mit Kalkül: Hoeneß bereut Kritik an Bernat

Uli Hoeneß erkennt die Zeichen der Zeit, hält sich ungewohnt zurück. Es müsse ja nicht immer die Meisterschaft sein. Natürlich sei sein FC Bayern beim Topspiel in Dortmund nicht der Favorit, sagt er Präsident. Und er stehe zu Trainer Niko Kovac. Nur eine Sache tue ihm leid.

Mit einem rot-weißen Fanschal um den Hals stand Uli Hoeneß im Münchner Stadion und war gegen Mitternacht offenbar sehr milde gestimmt. Der Präsident des FC Bayern sagte: "Es hat mir sehr leid getan, Juan Bernat beleidigt zu haben, seine Spielweise, das würde ich so nicht mehr machen." Er hatte dem ehemaligen Münchner Fußballprofi vorgeworfen, im Rückspiel des Viertelfinales beim FC Sevilla im Frühjahr "einen Scheißdreck" gespielt zu haben. Der Spanier sei "fast alleine dafür verantwortlich" gewesen, dass der Klub um ein Haar aus der Champions League ausgeschieden sei. "Da wurde entschieden, dass er verkauft wird."

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Bernat erzielte am Dienstag beim 1:1 mit Paris St. Germain in der Champions League beim SSC Neapel einen Treffer. "Ich habe das gesehen und mit großer Freude festgestellt, dass er auch noch Tore schießen kann", sagte Hoeneß nun, der insgesamt eine für den FC Bayern etwas ungewöhnliche Taktik wählte. Die "Auf-die-Fressekonferenz", wie die "Süddeutsche Zeitung" "Journalistenbeschimpfungsveranstaltung" der Bosse nannte, war gestern. Zurzeit orientieren sie sich beim erfolgreichsten deutschen Fußballverein eher an den Fakten. Und so versuchte es Hoeneß mit Demut.

Tiefstapeln mit Kalkül hieß der Plan nach dem 2:0 (1:0) gegen AEK Athen durch Tore von Robert Lewandowski in der 31. und 71. Minute in der Champions League am Mittwoch. Denn wegweisend für die nähere sportliche Zukunft in der Bundesliga ist das Spiel am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) bei Borussia Dortmund. "Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt", flötete Hoeneß, der die Rollen gemäß der Tabelle verteilte. "Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren. Dortmund hat bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt. Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter zum ersten Mal seit langer Zeit."

"Wir haben einen jungen Trainer"

Bei den jüngsten zwölf Ligaduellen war der FC Bayern Tabellenführer. Fast gönnerhaft sagte Hoeneß: "Die Dortmunder haben jetzt sechs Jahre lang diese Distanz zu uns gehabt, da dürfen sie jetzt auch mal vorne sein." Am Samstag könnte der Rückstand der Bayern von vier auf sieben Punkte wachsen. Das würde erst einmal eine Wachablösung bedeuten. Hoeneß baute vor: "Die Meisterschaft würden wir immer gerne haben, aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen." Der Präsident spürte, dass es sinnvoller erschien, die Kraftprobe mit dem jungen, frischen BVB-Express nicht noch aufzuladen.

Der Druck auf die um spielerische Lösungen ringende Mannschaft und Trainer Niko Kovac ist ohnehin am Limit. Hoeneß nahm also Dampf raus. Auch der Trainer darf weiterhin mit seiner schützenden Hand rechnen. "Die Saison hat gerade erst angefangen. Wir haben eine Mannschaft, die im Umbruch ist. Wir haben einen jungen Trainer, der sich hier reinarbeiten muss. Da muss man ein bisschen Geduld haben." An seiner Aussage, er werde bis aufs Blut für Kovac kämpfen, habe sich "nichts geändert". Das wird Kovac freuen, der nach so gut wie sicheren Einzug ins Achtelfinale der Champions League sagte: "Jetzt fahren wir nach Dortmund und werden zeigen, was wir können."

Und Hoeneß? Wäre nicht Hoeneß, würde er es mit der Demut übertreiben. Er würde die Pressekonferenz mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und dem Sportdirektor Hasan Salihamidzic am 19. Oktober "im Wesentlichen wieder so machen." Schließlich hätten die Veröffentlichungen des "Spiegel" "bewiesen, dass sie dringend notwendig war". Er würde aber "das eine oder andere Wort, das ich gebraucht habe" so nicht mehr gebrauchen. "Aber die Kritik an gewissen Medien, natürlich nicht alle, schon."

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Quelle: n-tv.de