Fußball

Herber Dämpfer für Ronaldo Horror-Rückpass blamiert Man United

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Blöd gelaufen für Ronaldo und United.

(Foto: imago images/Sportimage)

Manchester United will unbedingt an die großen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Nicht nur die englische Meisterschaft ist das Ziel, sondern auch der Triumph in der Champions League. Doch der Traum vom Henkelpott erlebt bereits am ersten Spieltag einen herben Dämpfer.

Was erlaube Jesse Lingard? Diese Frage wird sich seit Dienstagabend wohl jeder Mensch stellen, der es gut mit Manchester United hält. In der 95. (!) Minute der Champions-League-Partie bei den Young Boys Bern spielt der Offensivmann einen völlig wilden Rückpass zu Torwart David de Gea. Lingard schiebt den Ball (ja, tatsächlich, er schiebt, ohne jeden Druck) quer durchs unübersichtliche Gedränge rund um den eigenen Strafraum zurück. Und so nimmt das Drama (oder auch der Horror) seinen Lauf. Statt beim Spanier anzukommen, landet der Ball beim wachsamen Jordan Siebatcheu. Der Stürmer bleibt entspannt und trifft. Zum Sieg. Zum 2:1. United? Blamiert. Es sei ja "schön und gut", ätzte die Zeitung "Daily Express", wenn Ronaldo die Tore schieße, diese jedoch nichts brächten aufgrund der "Fähigkeit von United, sich selbst in den Fuß zu schießen".

Nun ist die Lage so: Am ersten Spieltag wurde noch nie ein Champion gekürt. Das gilt für die nationalen Ligen und natürlich auch für die Königsklasse. Die aber will Manchester United unbedingt gewinnen. In einem bizarren Transferrausch wurde die Mannschaft von Trainer Ole-Gunnar Solskjaer gepimpt. Das mächtigste Luxusobjekt im Kader: Superstar Cristiano Ronaldo. Der ist nicht nur sportlich ein Gewinn für die "Red Devils", sondern gibt dem Verein auch einen emotional Boost. Schließlich reifte der Portugiese einst hier zu einem der Größten seines Sports. Und er kehrte nun zum großen Finale der Karriere "heim". Die Euphorie ist gigantisch. Die Ansprüche eben auch. Sein erster Auftritt in der alten Heimat am vergangenen Wochenende wurde zur großen Show von CR7. Sogar Mama Dolores durfte trotz Stadionverbot (ausgesprochen aus Sorge von ihrem Sohn) dabei sein. Und überstand den Besuch unbeschadet.

In Bern war sie, nach allem was man weiß, nicht dabei. Auf Ronaldo wirkte sich das nicht nachteilig aus. Denn er machte einfach das, was er (fast) immer tut: ein Tor schießen (oft sind es ja auch mehrere). Bereits nach 13 Minuten hatte er zugeschlagen und damit die Königsklasse gebührend eröffnet. Es war der erste Treffer der neuen Saison in der Eliteklasse. Es ein Treffer, wirklich wunderschön herausgespielt. Spielmacher Bruno Fernandes, mit dem Cristiano Ronaldo auch in der portugiesischen Nationalmannschaft zusammenspielt, hatte den Ball auf der linken Seite mit dem Außenrist perfekt und viel Tempo durch den Strafraum auf den langen Pfosten gezogen, dort lauerte CR7 und vollendete per Direktabnahme. Es war sein 135. Treffer in der Champions League. Zuvor war der Rekordtorschütze auch zum Rekordspieler geworden - mit 177. Einsätzen liegt er nun gleichauf mit Iker Casillas, seinem ehemaligen Teamkollegen von Real Madrid.

Ronaldo macht 'nen Haken dran

Der Treffer zum frühen 1:0 war eine Szene, wie ein Beleg dafür, warum Manchester United von den großen Titeln träumen darf. Das Problem ist nur: Von diesen Szenen gab es in Bern überraschend wenige. Dass das auch daran lag, dass die Red Devils nach einem Platzverweis gegen Aaron Wan-Bissaka (35.) gegen die wirklich mutigen und nie aufgebenden Schweizer lange in Unterzahl spielten, das wäre ein etwas zu billige Erklärung. Am Ende standen nur zwei (!) Torschüsse in der Statistik. Zu behaupten, dass das mau ist, wäre eine harte Untertreibung. Aber die Statistik passt eben auch zum Spiel, das Bern mit dem Schalker Ex-Coach David Wagner dominierte. 20 (!) Mal versuchten sich die Schweizer am erfolgreichen Abschluss. Nur zweimal gelang es ihnen. Reichte aber. Wenn auch beim 20. Versuch mit massiver Mithilfe. Egal. Sensation ist Sensation. "Die Jungs sind über ihre Grenzen gegangen, das war ganz großes Kino", sagte Wagner, der seine Mannschaft über die Qualifikation und die Play-offs in die Champions League geführt hatte.

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Und einen Mann bringt sie in eine unschöne Situation: United-Coach Solskjaer nämlich. Der hat im elften Spiel in der Königsklasse bereits die siebte Niederlage kassiert. Und wie der Daten-Dienstleister Optajoe ausgerechnet hat, ist der Norweger nun für 13 Prozent aller United-Pleiten in diesem Wettbewerb verantwortlich, obwohl er nur 5 Prozent aller Spieler in der Königsklasse gecoacht hat. Da er immer wieder in der Kritik steht, auch weil er taktisch nicht sonderlich ausgereift sein soll, könnte es in dieser Saison durchaus eng für den Mann werden, der wegen seines entscheidenden Champions-League-Treffers gegen den FC Bayern aus dem Jahr 1999 eigentlich eine Klublegende ist. Zum Spiel bekannte: "Wir sind Menschen, jeder Fußballer macht Fehler."

Nun, an diesem Dienstagabend war der Norweger aber nicht der Mann, über den sie sprachen. Das wird dann wohl in den nächsten Tagen pasieren. Es war wieder Ronaldo, der das große Thema war. Schon vor Anpfiff hatte er für eine spektakuläre Szene gesorgt. Er hatte beim Warmmachen versehentlich einen Ordner getroffen, der war daraufhin zu Boden gegangen. Ronaldo rannte sofort hin und kümmerte sich. Es ging alles gut. Für das Spiel galt das dann nicht. Der Superstar machte derweil schnell einen Haken an die Sache: "War nicht das Resultat, das wir wollten, aber jetzt ist es Zeit, sich gut zu erholen und auf das nächste Spiel zu konzentrieren." Das gilt dann wohl besonders für Lingard und Wan-Bissaka, die vom "Daily Star" als "Stupid Boys" verspottet wurden.

Quelle: ntv.de, tno

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