FIFA-Boss erzürnt die InselInfantino bringt mit "Witz" auch britische Polizei gegen sich auf

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat mit seinen Aussagen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen neuen Streit provoziert. Sein Kommentar über britische Fans kommt im Vereinigten Königreich überhaupt nicht gut an. Jetzt mischt sogar die Polizei mit.
Gianni Infantino hat nach den englischen Fans auch die britische Polizei gegen sich aufgebracht. Die Kommentare des FIFA-Präsidenten seien "weder hilfreich noch zutreffend", sagte Mark Roberts, der Leiter der Fußball-Einheit der Polizei des Vereinigten Königreichs. Er bezog sich dabei auf einen Seitenhieb Infantinos gegen britische Fußballfans auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.
Infantino hatte in einer Rede mit Blick auf die kritischen Stimmen im Vorfeld der WM 2022 in Katar erklärt, dass es im Turnier "praktisch keine Zwischenfälle" gegeben habe. Er ergänzte: "Als der Ball rollte und die Magie begann, hatten wir eine wundervolle Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde auch kein Brite während einer Weltmeisterschaft festgenommen. Stellen Sie sich vor, das ist etwas wirklich ganz Besonderes."
25 Festnahmen in zwölf Jahren
Auf Anfrage der Agentur PA sagte Roberts nun: "Diese Äußerungen sind vielleicht scherzhaft gemeint, doch sie sind eben weder hilfreich noch zutreffend." Der Polizei-Boss widerlegte Infantino dann auch mit Zahlen. "Für das Protokoll: Gutes Verhalten britischer Fans bei Weltmeisterschaften ist die Norm und nichts Besonderes."
In Katar hätte es keine Festnahmen gegeben, in Russland 2018 drei Festnahmen wegen sehr geringfügiger Vergehen, in Brasilien 2014 insgesamt 15 Festnahmen, davon auch sieben wegen Schwarzmarkthandels mit Eintrittskarten, und in Südafrika 2010 sieben wegen geringfügiger Vergehen.
"Angesichts der hohen Zahl von Fans, die reisen und viel Geld bezahlen, um zu Weltmeisterschaften zu gelangen, gibt es viele andere Länder, die für die Gastgeber problematischer sind", sagte der Polizei-Boss.
Fans fordern: billige Tickets statt billige Witze
Infantinos Aussage hatte bereits vorher großen Unmut in Großbritannien nach sich gezogen. Nicht nur, weil sie völlig an der Kritik an dem Katar-Turnier vorbeiging. Schließlich hatte es zuvor Boykott-Aufrufe gegen die WM gegeben, da es im Land zahlreiche schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen gibt. Diskriminierung und Unterdrückung, Ausbeutung und sklavenähnliche Zustände.
"Da wir Herrn Infantinos Aufmerksamkeit haben, möchten wir darauf hinweisen, dass er sich, anstatt billige Witze über unsere Fans zu reißen, lieber darauf konzentrieren sollte, billige Tickets bereitzustellen", teilte die britische Football Supporters' Association als Antwort auf Infantino mit.
Kritik auch Trumps Politik
In Teilen Europas gibt es einen großen Aufschrei angesichts der Ticketpreise für die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Infantino räumte ein, dass die Karten "nicht billig" seien. "Ich wurde fertiggemacht aufgrund der Preise. Und die Hauptkritiker kamen natürlich aus Deutschland und England", sagte der FIFA-Chef, der die Preise jedoch abermals mit dem Hinweis auf die hohe Nachfrage verteidigte.
"Aktuell stehen die USA bei den Ticketanfragen an erster Stelle. An zweiter Stelle folgt Deutschland, an dritter England, weil jeder kommen und dabei sein möchte", sagte Infantino. Er behauptete zudem, dass jedes Spiel ausverkauft sein werde. Bislang ist nicht öffentlich bekannt, wie sich die Ticketanfragen auf die 104 WM-Partien im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) verteilen.
In dieser Woche wurde zudem die Kritik an einem der drei WM-Gastgeber, den USA, lauter. Im Mittelpunkt der aufkommenden Debatte um einen möglichen Boykott steht die Politik des US-Präsidenten Donald Trump, der von der FIFA im vergangenen Dezember mit dem ersten FIFA-Friedenspreis ausgezeichnet wurde.