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Gianni Infantino und Witali Mutko präsentieren die Fifa und Russland. Und herzen möglichst viele Sieger - für das Image.
Gianni Infantino und Witali Mutko präsentieren die Fifa und Russland. Und herzen möglichst viele Sieger - für das Image.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Montag, 03. Juli 2017

Sechs Lehren des Confed Cups: Sklaven, Gigantomanie - Gastfreundschaft

Von Stefan Giannakoulis, St. Petersburg

Was hat der Confed Cup gebracht? Der DFB-Elf den Sieg und Russland den erhofften Imagegewinn. Bei der Fifa schwärmen sie von den Stadien und der Organisation. Kann es etwas Richtiges im Falschen geben?

1. Russland und Fifa - das passt

Wer wissen will, was den geneigten Fußballfreund im kommenden Jahr in Russland bei der Weltmeisterschaft erwartet, dem sei die abschließende Pressekonferenz dieser Generalprobe namens Konföderationenpokal empfohlen. Auf dem Podium am Samstag in St. Petersburg: Gianni Infantino, Präsident des Weltverbandes; Witali Leontjewitsch Mutko, Russlands Verbandschef, Stellvertreter des Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew und Vertrauter des Präsidenten Wladimir Putin; sowie Alexej Sorokin, Organisator dieses Confed Cups und der WM. Tenor: Wir sind die Besten. Sorokin sagte: "Wir haben einen neuen Standard vorgegeben, eine Benchmark gesetzt." Infantino stimmte ein: "Alles perfekt."

"Wenn ich einen russischen Tanz vor Ihnen aufführe, hören Sie dann auf, diese Fragen zu stellen?" - Witali Mutko.
"Wenn ich einen russischen Tanz vor Ihnen aufführe, hören Sie dann auf, diese Fragen zu stellen?" - Witali Mutko.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Und was ist mit Doping? Die englische Zeitung "Mail on Sunday" hatte berichtet, alle Spieler des russischen WM-Kaders von 2014 seien möglicherweise gedopt gewesen. Es gebe 155 verdächtige Proben, die noch gar nicht untersucht worden seien. Richard McLaren, Sonderermittler der Welt-Antidopingagentur Wada, hatte in der ARD gesagt, dass auch die Fußballer möglicherweise Teil des russischen Vertuschungssystems gewesen seien. Das passt nun gar nicht zum Ansinnen des Gastgebers, sich der Welt als perfektes Land zu präsentieren. Stellen sich die Vorwürfe als wahr heraus, ist das ein irreparabler Imageschaden. Mutko fand's dann auch ungehörig, dieses Thema überhaupt anzusprechen: "Wenn ich einen russischen Tanz vor Ihnen aufführe, hören Sie dann auf, diese Fragen zu stellen?" Nach dem Finale, das die deutsche Mannschaft mit 1:0 (1:0) vor 57.268 Zuschauern im Petersburger Krestowski-Stadion gegen Chile gewann, war er sichtlich darum bemüht, hinterher bei der Ehrung jeden der Sieger möglichst lange und intensiv zu herzen. Das gibt schöne Bilder - so lange alle das Spiel mitspielen.

2. Der Wahnsinn geht weiter

Besagtes Krestowski-Stadion mit seinen 68.000 Plätzen auf der gleichnamigen Insel am Finnischen Meerbusen war übrigens unfassbar teuer. Dank offenbar ungehemmter Korruption in elf Jahren Bauzeit soll es nach Recherchen der ARD mehr als 800 Millionen Euro gekostet haben - und dürfte damit in all seiner Gigantomanie das teuerste der Welt sein. Erbaut haben es offenbar - unter anderem - nordkoreanische Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen. Auch in Moskau waren Arbeiter aus dem kommunistischen Land am Bau beteiligt. Diktator Kim Jong Un setzt die Männer im Ausland ein, um an Devisen zu kommen. Die Regierung behält einen Teil des eh geringen Lohnes und verwendet das Geld für die "Verteidigung des Landes", also auch für das Atomwaffenprogramm. Wie die Vereinten Nationen mitteilten, nimmt Nordkorea so insgesamt knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr ein. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte in einem Report die Bedingungen auf den russischen Baustellen scharf kritisiert.

Jane Buchanan, stellvertretende Direktorin von HRW, hatte gesagt: "Bauarbeiter in WM-Stadien sind Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt, und die Fifa hat nicht gezeigt, dass sie diese Probleme effektiv überwachen, verhindern und beheben kann." Der Weltverband wies die Anschuldigungen zurück. Obwohl man keine Verträge mit den Firmen habe, unternehme die Fifa viel, um die Rechte der Arbeiter zu schützen. Vierteljährliche Untersuchungen kämen nicht zu den gleichen Ergebnissen. Fatma Samoura, die Fifa-Generalsekretärin, sagte: "Es gab da ein Problem." Der Verband habe "festgestellt, dass dieses Problem gelöst wurde".

3. Es gibt auch Richtiges im Falschen

Das Stadion in St. Petersburg - es steht, aber zu welchem Preis?
Das Stadion in St. Petersburg - es steht, aber zu welchem Preis?(Foto: imago/Fotoarena)

Dass sich die deutschen Fußballer, die Journalisten und die Fans in diesen zwei Wochen dennoch willkommen fühlten, das lag an den Menschen, die sich tatsächlich gefreut haben, dass das Turnier in ihrem Land stattfindet. Die Verständigung klappte nicht immer, was in erster Linie daran lag, dass die Gäste oft kein Russisch sprachen. Und auch daran, dass viele der herzlichen freiwilligen Helferinnen und Helfer an den Flughäfen, in den Städten sowie vor und in den Stadien nämlich vor allem herzlich waren, oft aber kein Englisch sprachen. Wo bekomme ich ein Taxi? Kicher, tuschel. Egal, wirklich völlig egal. Irgendjemand fand sich immer, der den desorientierten Besucher auf den Weg brachte. Und wenn nach sieben Tagen in Sotschi der Fahrradverleiher von nebenan einen mit Namen und per Handschlag verabschiedet und sichtlich gerührt um ein gemeinsames Foto und darum bittet, im nächsten Jahr unbedingt wiederzukommen, geht einem das Herz auf. Большое спасибо - herzlichen Dank!

4. Ja, die Organisation ist gut

"Sicherheit zuerst" laute das Motto. Wenn die Welt zu Gast ist in diesem autoritär, wenn nicht gar totalitär regierten Land mit einer geopolitisch äußerst aggressiven Ausrichtung, soll alles perfekt sein. Wenig wäre für das Image Russlands schlechter als offener Rassismus, randalierende Hooligans oder gar ein Terroranschlag. Gut, vielleicht ein komplett gedopter Kader bei der WM 2014 in Brasilien. Die Schläger jedenfalls hatten vorher Stadionverbot bekommen und Vorkehrungen waren so streng, wie man es mittlerweile nicht nur bei Turnieren gewohnt ist. Kontrollen an allen Eingängen zu den Stadien, die Taschen müssen wie am Flughafen durch den Scanner, Polizei und Militär waren präsent. Passiert ist nichts - und das ist auf jeden Fall eine gute Nachricht.

(Foto: imago/Xinhua)

Positive Reaktionen der Gäste gab es auch. Auf nahezu jeder Pressekonferenz, ob vor oder nach den Partien, stellte ein russischer Journalist wie auf Bestellung die Frage, ob denn alles recht gewesen sei. Julian Draxler, Kapitän der deutschen Confed-Cup-Mannschaft, die sich in Sotschis Sonne am Schwarzen Meer sehr wohlgefühlt hatte, ließ gar mitteilen: "Wir bedanken uns für eine tolle Organisation, für die vielen helfenden Hände überall und für ein immer vorhandenes Gefühl der Sicherheit. Bedanken möchten wir uns beim Russischen Organisationskomitee, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Stadien, Hotels und an den Flughäfen, bei den Volunteers und direkt bei Ihnen, den russischen Fußballfans."

5. Auch sportlich war's in Ordnung

Das konnte sich meist schon sehen lassen, was die acht Mannschaften in den vergangenen zwei Wochen geboten haben - auch wenn die Stimmung in den Stadien selten so war, dass von echter Fußballbegeisterung die Rede sein konnte. Dafür hat dieser Confed Cup eine doch zu geringe sportliche Bedeutung. Für die DFB-Elf aber war dieses Turnier ein Gewinn - nicht nur, weil sie es bis ins Endspiel nach St. Petersburg geschafft und dort auch noch gegen Chile gewonnen hat. Der Bundestrainer hat es genossen, in Abwesenheit der meisten seiner Weltmeister und der meisten anderen etablierten Spieler aus seinem Perspektivkader ein Team zu formen und mit seinen 57 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes wieder als Fußballlehrer zu arbeiten. Einem Weltstar wie Toni Kroos könne auch Joachim Löw nichts mehr beibringen, hatte sein Assistent Markus Sorg in Sotschi gesagt. "Uns war vorher klar, dass die Spieler, die hier dabei sind, sich nicht schwertun würden, alles zu geben. Was wir aber nicht wussten: Wie funktioniert das als Mannschaft? Es ist nicht hoch genug einzuordnen, wie gut wir hier als Team auftreten, das ist eine Qualität, die die Spieler gemeinsam erbracht haben."

6. Aber es wird nichts besser

Eine Zukunft hat diese Mini-WM nicht, 2021 wird sie wohl nach nun zehn Aufführungen ersatzlos vom Spielplan gestrichen. Das liegt an der Fifa. Die hat die Weltmeisterschaft 2022 nach Katar vergeben, koscher war das nicht, wie sich nun herausstellt. Irgendwann ist den Funktionären zudem aufgefallen, dass es in der Wüstenmonarchie im Sommer sehr warm werden kann, bis zu 50 Grad. Deshalb soll das Turnier nun vom 21. November bis zum 18. Dezember stattfinden. Wenn es stattfindet. Selbst DFB-Präsident Reinhard Grindel hält es mittlerweile für keine gute Idee, in einem Land Fußball zu spielen, das aktiv den Terror unterstützt. Auch die Menschenrechtsverletzungen in dem Emirat, die Missstände auf den Baustellen und eine zum Teil menschenunwürdige Behandlung der ungefähr zwei Millionen Gastarbeiter vornehmlich aus Nepal, Pakistan und Indien sind gewichtige Gründe. Womit wir wieder in Russland sind - siehe Punkt 2.

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Quelle: n-tv.de