Fußball

Viertligist beendet Spielbetrieb Insolvente SG Wattenscheid kollabiert

imago43382900h.jpg

Die Fans der SG Wattenscheid 09 erleben nun die bitterste Stunde der 110-jährigen Vereinsgeschichte.

(Foto: imago images/Noah Wedel)

Jahrelang kämpft die SG Wattenscheid 09 verzweifelt um ihre Existenz. Im 110. Jahr ihres Bestehens muss sie allerdings den Gang in die Insolvenz antreten. Doch die Hoffnung auf Geldgeber erfüllt sich nicht. Nun stellt der traditionsreiche Viertligist den Spielbetrieb ein.

Der ehemalige Fußball-Bundesligist SG Wattenscheid 09 hat seine erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der Regionalliga West zurückgezogen. Dies teilte der insolvente Traditionsklub mit. Das 3:0 am vergangenen Samstag gegen die Zweitvertretung des Bundesligisten Fortuna Düsseldorf war somit zunächst einmal das letzte Spiel in der vierthöchsten Spielklasse für die Schwarz-Weißen aus dem Bochumer Stadtbezirk.

"Ich bin sehr enttäuscht, dass es trotz des hohen Engagements vieler Personen aus dem Verein und dessen Umfeld nicht gelungen ist, Sponsoren für die Finanzierung des Spielbetriebs zu gewinnen", sagte Insolvenzverwalterin Anja Commandeur. "Dies wäre der erste Schritt in Richtung Sanierung gewesen, um die Zeit bis Jahresende dafür zu nutzen, langfristige Sponsoren für die restliche Saison und die Spielzeit 20/21 zu suchen", hieß es in einer Mitteilung auf der Homepage der Wattenscheider.

*Datenschutz

"Das ist schade. Wir haben viele Jahre in der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga gespielt und jetzt verschwindet unser Verein komplett aus dem Fußball. Das ist bitter für einen Verein wie Wattenscheid", sagte Marek Lesniak, der von 1992 bis 1995 für Wattenscheid auf Torejagd ging. Commandeur hatte den monatlichen Liquiditätsbedarf vor knapp zwei Wochen auf 70.000 bis 100.000 Euro beziffert - je nach Erfolg und Prämienanspruch der Regionalligamannschaft. Bislang konnte der Spielbetrieb durch das Insolvenzgeld bis zum 30. September abgesichert werden.

Nachwuchs trägt die Hoffnung

Nach Informationen des "Kickers" wären "mindestens 600.000 Euro" nötig gewesen, um den Spielbetrieb bis zum Saisonende zu sichern. Eine positive Nachricht gibt es dennoch für den Klub. Der Spielbetrieb der Jugendabteilung kann aufrechterhalten werden. "Der Spiel- und Trainingsbetrieb für 211 Kinder und Jugendliche und ihre Trainer und Betreuer geht weiter. Eine Gruppe engagierter Privatleute und Unternehmer bringt die notwendigen Mittel auf, um den Spiel- und Trainingsbetrieb der Jugendabteilung für die laufende Saison zu sichern", teilte die SG mit.

Demnach bleibt der Verein bestehen. Der künftige Vorstand soll sich aus diesen Reihen formieren und dem Verein eine neue zukunftsfähige Struktur geben, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, teilte der Verein weiter mit. "Gemeinsam mit der Insolvenzverwalterin soll der Traditionsverein über das Insolvenzplanverfahren erhalten bleiben." Die SG Wattenscheid 09 spielte Anfang der 1990er Jahre vier Spielzeiten in der Bundesliga. Souleyman Sané, Vater des heutigen Nationalspielers Leroy Sané, und der heutige Trainer Thorsten Fink waren für den Bochumer Klub in der Bundesliga aktiv.

Nach dem schleichenden sportlichen Abstieg kämpfte der Verein seit Jahren auch um das finanzielle Überleben. Anfang des Monats war ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Bis zuletzt bestand die Hoffnung, den Regionalliga-Spielbetrieb im Stadion an der Lohrheide zumindest bis Saisonende zu sichern. Nach 13 Spielen in der Regionalliga West lag der Traditionsklub mit 16 Zählern auf dem elften Platz.

Quelle: ntv.de, cri/sid/dpa