Fußball

Reif: "Das sind obszöne Zahlen" Ist Manuel Neuers Vertragspoker zu riskant?

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Die Beziehung zwischen dem FC Bayern und Manuel Neuer wird derzeit auf eine harte Probe gestellt.

(Foto: imago images/VI Images)

Wie lange bleibt Manuel Neuer beim FC Bayern? Diese Frage wird in München intensiv behandelt. Oder auch nicht. Denn die Verhandlungen zwischen dem Klub und dem Torwart stocken. Auch weil Neuer heftig pokert - womöglich zu heftig, findet Marcel Reif.

Dass es zwischen dem FC Bayern und Manuel Neuer einmal schwierig werden könnte, nun, das hat wohl niemand erwartet. Nach anfänglicher Abneigung einiger Fans hat sich in München eine emotionale und stabile Beziehung entwickelt. Nach nun bereits neun gemeinsamen und erfolgreichen Jahren wird diese indes einer komplizierten Prüfung unterzogen. Und geprüft wird: Wie lange soll die Zusammenarbeit noch dauern? Die Zusammenarbeit, die zunächst mal bis zum 30. Juni 2021, also bis zum Ende der nächsten Saison verabredet ist. Nun ist erstmal klar: Beide Seiten wollen verlängern. Der Fußball-Bundesligist gerne bis 2023. Der Torwart unbedingt bis 2025.

Und hier beginnt die Unvereinbarkeit. Während der Klub mit Alexander Nübel bereits den vermeintlichen Nachfolger für Neuer verpflichtet hat - er kommt im Sommer zunächst als Lernender vom FC Schalke 04 -, will sich Neuer nicht durch eine externe Personalie verdrängen lassen. Bis 2025 nicht. Dann übrigens läuft auch der Vertrag von Nübel aus. Und sollte er bis dahin nicht längst etablierte Nummer eins sein, wäre er vermutlich auch schon früher wieder weg. Für die Bayern ein nicht gewolltes Szenario. Für Neuer wohl egal.

Geht der Plan mit Nübel auf?

Was den Münchnern derweil nicht egal sein kann: dass sie Neuer frühzeitig verprellen. Nicht in dieser Saison. Und auch nicht in der nächsten. Und so lange sie nicht wissen, ob ihr Plan mit dem talentierten, aber zuletzt schwer verunsicherten Nübel aufgeht, brauchen sie Neuer. Motiviert und in Bestform. Für die großen Ambitionen in allen Wettbewerben. Neuer weiß das. Und er weiß auch um das Ur-Vertrauen von Trainer Hansi Flick, der für den Kapitän keine Alternative sieht.

Und so pokert Neuer hoch. Bis zu 20 Millionen Euro will er laut "Bild"-Zeitung für die Verlängerung seines Vertrags haben (aktuell soll er rund 15 Millionen verdienen). Es soll dabei wohl auch um die Gehaltsstruktur im Kader gehen. Und um Prämien, die wegfallen, sollte Nübel tatsächlich eine Einsatzgarantie gegeben worden sein.

"Wo ist sein Ass?"

Kommentatoren-Legende Marcel Reif sieht das Verhalten von Neuer indes kritisch. Er hält den Poker des 34-Jährigen für äußerst riskant, wie er in seiner aktuellen Kolumne für "Sport1" schreibt. "Manuel Neuer ist der Kapitän, sein Wort hat Gewicht. Er ist für die Struktur extrem wichtig. Ich denke dennoch, dass die Bayern intensiv über seine angebliche Gehaltsforderung von 20 Millionen Euro im Jahr diskutieren werden. Das sind obszöne Zahlen, gerade in solchen Zeiten." Aber es sei eben auch so: " Er ist nach wie vor einer der Besten der Welt [...]. Neuer kann und wird noch drei Jahre auf Top-Niveau super Leistungen bringen."

Allerdings fragt sich Reif auch: "Wo ist sein Ass?" Welcher europäische Topklub, mit dem Neuer seine Ziele, unter anderem den zweiten Triumph in der Champions League, erreichen kann, hat Bedarf für einen neuen Torwart und ist zudem bereit, die wilde Gehaltsforderung zu erfüllen? Die Antwort von Reif: keiner. Und so ganz tragisch ist das für Neuer auch nicht. In München ist er laut Oliver Kahn ja auch weiter als "Führungsspieler und Identifikationsfigur" fest eingeplant. Für Neuers aktuelles Vertrags-"All-in" ist diese Sicherheit nicht so schlecht. Ganz und gar nicht.

Quelle: ntv.de, tno