Fußball

Ein ganz schlimmer Schnellcheck Ist das Schalke, oder kann das weg?

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Und noch ein Krisenfoto.

(Foto: dpa)

Eine Woche nach dem 0:8 beim FC Bayern verliert der FC Schalke 04 auch das Krisen-Duell mit Werder Bremen. Seit 18 Spielen und acht Monaten wartet der Tabellenletzte nun auf einen Sieg - Trainer David Wagner droht schon früh in der Saison die Entlassung.

Was in der Schalker Arena passiert?

Versuchen wir es mal auf die sanfte Tour: Der FC Schalke 04 hat am 2. Spieltag der Fußball-Bundesliga sein Heimspiel gegen Werder Bremen verloren. Drei Gegentore (durch Niklas Füllkrug) hat das Team von Coach David Wagner kassiert, selbst geschossen hat es immerhin eins. Macht in der Summe eine 1:3-Niederlage.Man könnte - kurzer Schlenker weg von der sanften Tour - sagen: Haha, ntv-Mann, erzähl' uns endlich mal was Neues! Und ja, es ist leider so, ein erfolgreicher Abschluss ist bei den Gelsenkirchnern selten. Nicht ganz so selten wie ein Pflichtspielsieg, der wirkt in den vergangenen Monaten ja noch unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn. Datiert ist der bislang letzte dreifache Punktgewinn auf den 17. Januar 2020. Damals wurde der Tabellenzweite aus Gladbach mit 2:0 besiegt. Wer ein bisschen was fürs gute Gefühl lesen möchte, der darf hier klicken!

Amtliche Gefahrenwarnung für alle Anhänger der Borussia: Bitte nicht klicken!

Teams & Tore

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Glück aus.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Tore: 0:1 Füllkrug (22.), 0:2 Füllkrug (37.), 0:3 Füllkrug (59., Foulelfmeter), 1:3 Uth (90.+3)
Schalke: Fährmann - Rudy, Kabak, (46. Salif Sane), Oczipka - Mascarell - Boujellab, Uth, Bentaleb - Paciencia, Raman (46. Ibisevic); Trainer: Wagner.
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Friedl, Augustinsson - Maximilian Eggestein - Mbom, Klaassen (87. Groß) - Bittencourt (68. Johannes Eggestein) - Füllkrug (68. Selke), Sargent (87. Chong); Trainer: Kohfeldt.
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: keine
Gelb-Rote Karte: Kabak (Schalke) wegen wiederholten Foulspiels (84.)

Unseren ausführlichen Spielbericht finden Sie übrigens hier!

Das Debakel im Spielfilm

11. Minute: Benjamin Stambouli, dieser asoziale Schalker (MOMENT, NICHT SOFORT LOSSCHIMPFEN: So besingt er sich selbst), legt sich den Ball ein bisschen (die sanfte Tour) zu weit vor - und verliert ihn. Dass sein Verlust nicht zum 0:1 führt, liegt vor allem daran, dass Josh Sargent aus elf Metern irgendeinen Plan verfolgt, der nichts mit einem frühen Führungstor zu tun hat.

22. Minute, TOOOOOR FÜR WERDER BREMEN, 0:1 FÜLLKRUG: Schalkes Angreifer Mark Uth sorgt für die bislang lustigste Szene der Saison. Auf der Torlinie stehend hebt er den Arm und reklamiert Abseits (so schön macht das sonst nur Manuel Neuer, ein Ex-Schalker). Dass Torschütze Füllkrug, der eine Kopfballvorlage per Fuß verlängert, deutlich vor Uth steht, ist dem Schalker offenbar egal. Aber spätestens seit Robin Gosens wissen wir ja, dass Fußballprofis nicht jede Ausprägung der Abseitsregel kennen.

27. Minute: Ozan Kabak räumt Ludwig Augustinsson erst wuchtig ab und rotzt dann hinterher. Absicht? Ekelig auf jeden Fall. Sky-Experte Lothar Matthäus und die Twitter-Gemeinde sind sich sicher: Es war Absicht!

37. Minute, TOOOOOR FÜR WERDER BREMEN, 0:2 FÜLLKRUG: Freistoß für Werder, Platz für Werder, Tor für Werder - das war von F (Foul zum Freistoß) bis S (Stambouli hatte Füllkrug vergessen) ganz miserabel verteidigt. Der Kopfball war allerdings auch gut. Und Torwart Ralf Fährmann wieder machtlos.

53. Minute: Vedad Ibisevic, der neue Stürmer der Schalker, ist jetzt im Spiel. Und wie. Sein freistehender Kopfball aus der Strafraummitte ist die bislang beste königsblaue Offensivszene der Saison (gut, sie ist noch nicht so alt). Blöd nur: Sein Kopfball geht ganz knapp am Tor vorbei.

54. Minute: Schalke arbeitet an der besten Minute der Saison: Direkt die nächste Superchance, dieses Mal schießt Jungstar Nassim Boujellab den Ball von rechts knapp links am Tor vorbei.

55. Minute: Schalke arbeitet an den besten Minuten der Saison: Nach Eckball und Kopfball von Salif Sané taucht Ibisevic am Fünfmeterraum auf, trifft den Ball aber nicht richtig. Jiri Pavlenka faustet das Spielgerät dann rasch weg.

59. Minute, TOOOOOR FÜR WERDER BREMEN, 0:3 FÜLLKRUG: Schalke..., ach egal, machen wir es kurz: Elfmeter (verursacht von Kabak), Tor (geschossen von Füllkrug), Entscheidung (für Bremen).

85. Minute: Taktisches Foul von Kabak, Gelb-Rot. Kabak findet das überhaupt nicht in Ordnung. Ist es aber.

90.+3 Minute, TOOOOOR FÜR SCHALKE 04, 1:3 UTH: Huch, ein Schalker Tor.

Was war gut?

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Guter Mann!

(Foto: imago images/Nordphoto)

Niclas Füllkrug! Abstauber, Kopfball, abgezockter Elfmeter - Füllkrug zeigte das ganze Repertoire eines guten Bundesligastürmers. Dass er die vergangene Saison fast die ganze Zeit verletzt gefehlte hatte, das schmerzte die Bremer sehr. Wie sehr, dass unterstrich er nun abermals. Füllkrug traf nicht nur dreifach, der 27-Jährige arbeitete auch unglaublich viel für die Mannschaft, machte Bälle fest und zog Fouls. Sollte diese Saison der Bremer sorgenfreier sein als die vergangene, es dürfte auch an Füllkrug liegen.

Was war nicht gut?

Schalke! Mehr müssen Sie eigentlich nicht wissen. Aber gut, wenn Sie als Schalke-Fan bis hierhin gelesen haben, dann sind Sie das Maximum an Leid eh gewöhnt: Die Abwehr nicht stabil. Die Abstimmung eine reine Katastrophe. Selbst einfachste Pässe kamen nicht an, Bälle versprangen bei der Annahme. Und im Spiel nach vorne, abgesehen von knapp drei guten Minuten nach der Pause: Plan- und Harmlosigkeit. 1:11 Tore nach zwei Spieltagen, dass gab es in der Geschichte der Liga noch nie. So wird eine Frage drängender, die der "Spiegel" schon vor knapp anderthalb Jahren aufwarf: "Ist das Schalke, oder kann das weg?"

Die Diskussion nach dem Spiel

Für David Wagner wäre es absolut die beste Nachricht, wenn nach diesem abermals verpatzten Spiel vor allem über Ozan Kabak und seine Spukattacke diskutiert wird. Es ist wohl unstrittig, dass sich der DFB noch einmal mit der Ekel-Szene beschäftigen wird. Womöglich droht dem jungen Innenverteidiger auch noch eine Sperre. Aber, soviel dürfen wir vorwegnehmen, die Diskussion über Kabak, wird den Klub nicht elementar beschäftigen. Es geht, dringender denn je, um die Zukunft des Trainers. Die von Sportvorstand Jochen Schneider, seinem größten Lobbyisten, erwartete Leistungssteigerung nach dem Debakel beim FC Bayern (0:8 am ersten Spieltag) blieb aus.

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War's das?

(Foto: imago images/Moritz Müller)

Eine solide Anfangsphase, ein paar ordentliche Minuten nach der Pause, das geht nicht als Trendwende durch. Und so bewahrheitet sich das, was Fußball- und Rhetorik-Legende Thorsten Legat, der die Schalker einst mit dem "Hosengate" ärgerte, unter der Woche dem "Reviersport" sagte: "Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass es David Wagner noch einmal schafft das Ruder herumzureißen. Ich weiß nicht, was unter der Woche plötzlich anders laufen sollte als sonst. Schließlich hat man schon 17 Spiele in Folge in den Sand gesetzt." Nun sind es 18 - und was soll nun plötzlich anders laufen?

Die Stimmen zum Spiel

David Wagner (Trainer Schalke 04): "Klar ist es enttäuschend. Aber am Ende ist jedes neue Spiel eine Möglichkeit. Ich lasse auf den Charakter der Mannschaft nichts kommen, aber sie konnten es nicht umsetzen. Und dafür bin ich der Hauptverantwortliche, dass sie es umsetzen. Man muss sich fragen, ist man Teil der Lösung oder Teil des Problems. Und ich bin überzeugt, dass ich Teil der Lösung sein kann."

Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen): "Es war ein verdienter Sieg. Jeder hat gesehen, wie wir Bundesligaspiele gewinnen können. Und daran müssen wir jetzt anknüpfen."

Lothar Matthäus (Sky-Experte): "Schalke gibt die Spiele kampflos ab. Ich glaube, dass es das letzte Spiel von Trainer David Wagner war."

Der Tweet zum Spiel

Quelle: ntv.de