Fußball

Aber ums DFB-Team ging's nicht Joachim Löws Wutkerze zündet

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Wütend und enttäuscht - vor allem vom DFB: Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Joachim Löw ist nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien sportlich angezählt, darf aber weitermachen. Nach seiner Jobgarantie durch den DFB erklärt er sich nun, das Thema Nationalmannschaft wird dabei galant umschifft.

Auf Worte zum Abschied verzichtete Joachim Löw. Oder womöglich wurden sie auch einfach nur vom sehr schnellen Abschalten des DFB-Livestreams verschluckt. Dass sich Löw nicht den guten Wünschen von Pressesprecher Jens Grittner an alle Zuhörer und Teilnehmer der virtuellen Pressekonferenz anschloss, kann aber natürlich auch anders interpretiert werden. Nämlich so: Er hatte in den gut 60 Minuten zuvor alles gesagt.

Zumindest alles, was er sagen wollte. Was ER sagen wollte. Und dabei ging es erstaunlich wenig um das, was womöglich sehr viele Menschen erwartet haben. Es ging sehr wenig darum, wie es sportlich mit der Nationalmannschaft nach einem komplizierten Jahr, das Öffentlichkeit (kritisch) und Verband (eher unkritisch) sehr unterschiedlich interpretieren, weitergeht. Sportlich und atmosphärisch.

Nun war es aber nicht so, dass der in den vergangenen Wochen öffentlich - und offenbar auch intern beim DFB - heftig angezählte Bundestrainer sich peinlich aus einem kritischen Fragenhagel lavierte. Nein, den gab's ja schlicht gar nicht. Den gab's nicht, weil Löw direkt zu Beginn eine gut hergeleitete und gut begründete Wutkerze zündete, die fortan zum Thema des Nachmittags wurde. Es ging plötzlich um persönliche Enttäuschungen (mit "Explosionsgefahr") des 60-Jährigen über Indiskretionen beim DFB. Und über durchgestochene Unwahrheiten. Ob diese Eröffnung nun abgesprochen war oder nicht, es ändert nichts daran, dass sich Löw sehr früh die Deutungshoheit über diese virtuelle Runde holte.

Wenn's um Löw geht, wird Löw emotional

Und in der nahm er den Kampf an, der am Sonntag von DFB-Direktor Oliver Bierhoff angekündigt worden war. Affektiv wurde der Bundestrainer auch immer dann, wenn es um ihn persönlich ging. Die "emotionale Distanz", die ihm der an diesem Nachmittag mehrfach hart attackierte Verband nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien verschrieben hatte, die empfand er doch offenbar sehr unsinnig. Auch Fragen zu seiner Motivation, zu seinem Feuer nach der sportlichen Jahresendblamage inklusive Fotos und Bildern voller Resignation auf der Trainerbank- sie mündeten in klaren und sehr deutlichen Bekenntnissen zu seinem Job, zu seinem Amt.

Ja, das an diesem Nachmittag immer wiederkehrende 0:6-Debakel, nicht die anderen zähen Spiele, es hatte ganz schön viel ausgelöst rund um die Nationalmannschaft. Und es "brodelt" beim Coach auch immer noch gewaltig nach. Der ewige Löw stand nämlich nie näher am Ende seiner Amtsewigkeit. Wie groß das Zittern bei ihm nun tatsächlich war, ob er wirklich fürchten musste, seinen Job zu verlieren? Nun, unklar. Klar wurde indes sehr schnell: Der 60-Jährige bleibt. Er hatte seine Chefs beim DFB überzeugt. Von sich und seinem Weg. Und der sieht offenbar ein nuanciertes "Weiter so" vor. Den "roten Faden" in seiner Arbeit wolle er beibehalten, erklärte er nun, eine Woche nachdem er seine Jobgarantie erhalten hatte. Er sei ABSOLUT überzeugt von seinem Weg, von der Qualität und der Leistung der Spieler. Über den Haufen zu werfen gebe es nichts.

Was ihn aber überzeugt, das sagte er nicht. Welche Lehren er aus dem schwierigen Jahr mit defensiver Verunsicherung, dem "Schweigen der Männer" und einer nur schwer zu definierenden Spielidee der Nationalmannschaft gezogen hat, auch darüber gab's nichts an nachhaltig relevanten Informationen. Auch über die Fehler die er gemacht hat (das gestand er immerhin ein), sagte er nichts Konkretes. Dass die Entwicklung der Mannschaft nach einem sehr guten Jahr 2019 (so Löw) ins Stocken geraten sei, es lag auch an Corona, befand Löw. Das darf man dem Bundestrainer natürlich glauben. Belastungssteuerung der Stammspieler, kaum mal eine Einheit, exakt eine (so Löw), um taktische Dinge auszuprobieren und eine mentale Anspannung bei Reisen in infektiöse Hochrisikogebiete - das sind durchaus plausible Argumente für ausbleibende Fortschritte des Teams. Dass andere Teams damit offenbar in diesem Jahr besser klargekommen sind - nun ja.

Mit dieser Pressekonferenz hat sich Löw Zeit und Ruhe erkämpft. Bis Ende März bleiben die Ergebnisse (s)einer tiefen Analyse (die hat es selbstverständlich gegeben, wie laut Löw übrigens nach jedem Länderspiel) bestens gesichert. Bis Ende März, dann steht das nächste Länderspiel an, werden nun alle Debatten um den Bundestrainer ins Leere laufen, um die Nationalmannschaft, um Thomas Müller, um Mats Hummels und Jérôme Boateng. Über deren mögliche Rückkehr steht auch nach diesem Montag weiter ein stabiles "Nein, Ja, Neja." Es ist vorerst alles gesagt. Zumindest all das, was vom Trainer gesagt werden sollte. Das war nur leider sehr wenig zum DFB-Team. Schade.

Quelle: ntv.de

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