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Fußball-Zeitreise, 27. Juli 2009 Josep Guardiola vergrault Zlatan Ibrahimovic

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Flüster, flüster: Zlatan Ibrahimovic und Josep Guardiola. Rechts der Mann, das ist José Mourinho, der seinerzeit Inter Mailand trainierte.

(Foto: imago sportfotodienst)

Nur eine Saison hält es Zlatan Ibrahimovic beim FC Barcelona aus. Das liegt vor allem an seinem legendären Zwist mit Trainer Josep Guardiola. Aber dass er kein ganz einfachen Spieler ist, sollte allen vorher klar gewesen sein, wie Ibrahimovic’ wundersame Geschichten zeigen.

Heute vor zehn Jahren präsentierte der FC Barcelona den Fans seinen neuen Fußball-Superstar. Zlatan Ibrahimović wechselte im Tausch mit Samuel Eto’o und einer zusätzlichen Ablöse von 50 Millionen Euro von Inter Mailand nach Spanien. Es sollte der Beginn einer innigen Liebesbeziehung werden - doch am Ende kam alles ganz anders. Beim ersten Auftritt im Stadion Camp Nou jedoch bejubelten 60.000 Zuschauer Ibrahimović bei der Vorstellung. Leider freuten sich nicht alle im Klub auf ihn. Mit einer Person kam Ibrahimovic so gar nicht zurecht. Und dieser Mann war ausgerechnet der Trainer.

Beim FC Barcelona traf der Schwede auf den selbstbewussten Katalanen Josep Guardiola, und das ging gründlich schief. Zuerst erklärte Ibrahimovic: "Wir brauchen den Philosophen nicht. Der Zwerg und ich reichen vollkommen." Mit Philosoph war sein Trainer und mit Zwerg sein Mitspieler Lionel Messi gemeint. Und als Guardiola ihn nach dieser Attacke quasi kaltstellte, legte Zlatan nach: "Du hast keine Eier und scheißt dir vor Mourinho in die Hose. Im Vergleich zu ihm bist du ein Nichts - fick dich!" Daraufhin war die zwischenmenschliche Basis komplett zerstört. Diese hochexplosive Beziehung überdauerte auch das gemeinsame Ende in Barcelona und flackerte erneut auf, als beide mit Mourinho 2016 in einer Stadt anheuerten: Guardiola bei Manchester City, Ibrahimovic und Mourinho bei United.

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"Ich habe so viel Scheiße gebaut, dass ich kaum wage, mich an alles zu erinnern."

(Foto: imago sportfotodienst)

Dass Barça einen Hitzkopf verpflichtet hatte, muss dem Klub bekannt gewesen sein. Ibrahimovic hat über sich selbst gesagt: "Ich habe so viel Scheiße gebaut, dass ich kaum wage, mich an alles zu erinnern." Dazu ist sein überbordendes Selbstbewusstsein legendär, seine Aktionen auf und neben dem Platz sind es auch. Seine Sprüche werden in den sozialen Medien immer wieder gefeiert. So hatte er einmal den Liverpooler Verteidiger Stéphane Henchoz gerade schwindelig gespielt, als er hinterher den Pressevertretern ebenso anschaulich erklärte, was passiert war: "Zuerst ging ich nach links, und er auch. Dann ging ich nach rechts, und er auch. Dann ging ich erneut nach links, und er ging einen Hot Dog kaufen." Ibrahimovic weiß eben, was er kann. Nachdem er in einem Länderspiel gegen England mit einem unglaublichen Fallrückziehertor aus knapp 30 Metern geglänzt hatte, sprach er mit seinem typischen Zlatan-Lächeln in die Kameras: "Diese Art von Brillanz kann man nicht trainieren."

Gott? "Sie sprechen doch gerade mit ihm"

Ein Ibrahimovic ist nicht von dieser Welt. Ein anderes Mal traf er vor der entscheidenden Begegnung in der WM-Qualifikation gegen Portugal auf einen Journalisten. Der Mann war sehr aufgeregt und fragte den langhaarigen Superstar nach dessen Gefühl. Zlatan antwortete: "Wer die Ausscheidung übersteht? Das weiß nur Gott." Der Journalist lächelte Ibrahimovic nervös an: "Na ja, den können wir ja nun schlecht fragen?" Daraufhin runzelte Ibra die Stirn und erwiderte: "Warum nicht? Sie sprechen doch gerade mit ihm."

Und obwohl der schwedische Superstar den Medien einen Teil seines kometenhaften Aufstiegs verdankt, kann man das Verhältnis von Ibrahimovic zur Presse, vorsichtig ausgedrückt, als angespannt bezeichnen. Mit einigen schwedischen Reportern redete er jahrelang überhaupt nicht. Aber auch mit allen anderen ist es bis heute schwierig: "Ich scheiß drauf, was die über mich schreiben. Ich habe ein Niveau erreicht, wo ich die Medien nicht brauche. Sie brauchen mich."

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"Du riechst nicht gut. Schleich dich!"

(Foto: imago sportfotodienst)

Als ihn ein Journalist einmal nach einem Hattrick fragte, wie er sich denn so fühlen würde, antwortete Ibrahimovic betont zickig: "Du redest so, als hätte ich das erste Mal in meinem Leben drei Tore in einem Spiel geschossen. Das gefällt mir nicht. Geh mir aus dem Weg. Sofort!" Und einen anderen Reporter fuhr Zlatan unvermittelt und böse an, weil ihm etwas persönlich nicht an diesem gefiel: "Um Gottes Willen. Was hast du denn für ein Parfum drauf? Du riechst nicht gut. Schleich dich!"

Ibrahimovic steht eben, nicht nur aufgrund seiner imposanten Größe und Erscheinung, etwas über den Dingen. Aber er kann Journalisten-Fragen durchaus auch mit einem Augenzwinkern beantworten. Als ein Reporter wissen wollte, was er denn seiner Frau zum Geburtstag schenke, sagte er: "Nichts. Sie hat ja schon Zlatan." Und die Frage einer hübschen Moderatorin im spanischen TV nach seiner sexuellen Orientierung beantwortete Ibrahimovic mit seinem süßesten Lächeln: "Komm mit deiner Schwester einfach in mein Haus. Dann wirst du schon sehen, ob ich schwul bin."

Eine Sternstunde der Schlagfertigkeit des schwedischen Ausnahmekönners erlebte ein Reporter kurz vor Zlatans Wechsel vom FC Barcelona zum AC Mailand. Nach nur einem Jahr verließ der Schwede seinen Trainer Guardiola und die Hauptstadt Kataloniens wieder. Kurz vor Ende der Saison fragte ein Reporter Ibrahimovic unmittelbar nach Spielschluss, woher er denn seine Kratzer im Gesicht habe. Über den Wahrheitsgehalt der Antwort soll der arme Pressemann noch heute grübeln: "Fragen Sie doch mal Ihre Frau!"

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Quelle: n-tv.de

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