Fußball

DFB-Elf trotzt San Marinos Reife Kimmich serviert, Wagner beseelt

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Traf aus jeder Position: Sandro Wagner beim 3:0

(Foto: imago/ActionPictures)

Ja, es ist nur San Marino. Sandro Wagner, dem ein Kunststück misslingt, und seine DFB-Kollegen ficht das aber nicht an: Kantersieg ist schließlich Kantersieg. Und Joshua Kimmich fühlt sich gar als Weltmeister. Der Confed Cup kann kommen.

Deutschland - San Marino 7:0 (4:0)

Tore: 1:0 Draxler (11.), 2:0 Wagner (16.), 3:0 Wagner (29.), 4:0 Younes (38.), 5:0 Mustafi (47.), 6:0 Brandt (72.), 7:0 Wagner (85.)
Deutschland: ter Stegen - Kimmich, Mustafi, Hector (55. Plattenhardt) - Can - Brandt, Goretzka, Draxler (76. Demme), Younes - Stindl (55. Werner), Wagner. - Trainer: Löw
San Marino:  Benedettini - Bonini, Della Valle, Biordi, Cesarini - A. Golinucci, Mazza (69. Bernadi), Cervellini, Zafferani (87. Brolli), Palazzi - Rinaldi (78. Hirsch). - Trainer: Manzaroli
Schiedsrichter: Radu Marian Petrescu (Rumänien)
Zuschauer: 32.467 in Nürnberg

Zumindest der Stadionsprecher hatte schon vor dem Anpfiff Spaß. Den allerdings auf Kosten der Gäste. Die stünden ja auf Platz 204 der Weltrangliste. Erst ein Spiel habe San Marino in seiner Länderspielgeschichte gewonnen. Und das gegen Lichtenstein. "Lieeechtenstein!" Motto: Wie lustig ist das denn? Tja. Das hätte er sich sparen können. Denn es war ja auch so klar, dass die deutschen Fußballer dieses Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft in Russland gewinnen würden. Die Frage war am Samstagabend vor 32.467 Zuschauern im bei Weitem nicht ausverkauften Nürnberger Frankenstadion nur, wie hoch.

Die Antwort lautete: mit 7:0, zur Pause stand es 4:0. Somit hat die DFB-Elf auch ihre sechste von insgesamt zehn Partien in dieser Gruppe C gewonnen, führt logischerweise souverän die Tabelle an und kann sich nun in Ruhe dem Konföderationenpokal zuwenden, der für sie am 19. Juni in Sotschi mit dem Spiel gegen Australien beginnt. Joachim Löw fasste das Geschehen so zusammen:  "Für uns war es ein Test, weil San Marino nicht auf Augenhöhe mit uns ist. Viele Dinge, die wir im Training einstudiert haben, konnten wir heute umsetzen. Der Confed Cup wird für viele junge Spieler eine wichtige Erfahrung. Wir haben den Gegner mit guter Laufarbeit und Ballpassagen mehr und mehr überfordert." Der Bundestrainer hatte eine Startformation mit elf Spielern aufgeboten, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Dass sie aber aus elf Klubs kamen - das gab's seit 57 Jahren nicht mehr, wie die Statistikfetischisten von Opta flugs mitteilten. Und noch etwas: In puncto Erfahrung war der Gast im Vorteil: Während die San Marinesen auf zusammengezählt 223 Länderspiele kamen, waren es bei den Akteuren des DFB nur 117. Die deutschen Spieler in der Einzelkritik:

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Hatte beim Dankesklatschen mit den Fans quasi mehr zu tun als während des gesamten Spiels: ter Stegen

(Foto: imago/Michael Weber)

Marc-André ter Stegen: Nichts gegen den 25 Jahre alten Torhüter des FC Barcelona. Der ehemalige Mönchengladbacher ist wahrscheinlich die beste Nummer zwei der Welt. Sein Pech ist halt, dass Manuel Neuer, der ja gestern geheiratet hat, gemeinhin als die beste Nummer eins der Welt gilt. Gegen San Marino allerdings hätte auch das DFB-Maskottchen Paule statt seiner im Tor stehen und dort unbehelligt den lauen Sommerabend im Nürnberger Frankenstadion genießen können. Wie das halt so ist, wenn die eigene Mannschaft auf eine Ballbesitzquote von über 80 Prozent kommt. Sein Glück am diesem lauen, sommerlichen Abend war, dass es nicht geregnet hat. Beim 8:0 im Hinspiel am 11. November vergangenen Jahres hatte er noch 90 Minuten im Regen von Serravalle gestanden. Aber halten wir fest: Er ist sechs Jahre jünger als Neuer. Und mit nun zehn Länderspielen hat er doppelt so viele Einsätze für die DFB-Elf auf dem Konto wie die Kollegen Kevin Trapp und Bernd Leno zusammen.

Joshua Kimmich: Nominell bildete der 22 Jahre alte Spieler des FC Bayern das rechte Ende der Dreierabwehrkette. Tatsächlich aber war er in seinem 15. Länderspiel meist damit beschäftigt, den Kollegen Julian Brandt in der Offensive zu unterstützen. Und so flankte er, also Kimmich, nach 16 Minuten sehr schön in die Flugbahn Sandro Wagners, der den Ball mit dem Kopf zum 2:0 über San Marinos Torwart Elia Benedettini hinweg zum 2:0 ins Tor hinein beförderte. Und auch zum 6:0 des Kollegen Julian Brand lieferte er maßgerecht die Vorlage. Schon beim 1:1 im Testspiel gegen Dänemark, als er mit einem Fallrückzieher seinem Team das Remis rettete, zählte Kimmich zu den Besten seines Teams - und tat es nun in Nürnberg wieder. Sein Fazit: "Wir wollten schnell nach vorne spielen. Unsere Stürmer haben das sehr gut gemacht. Wir hätten noch das ein oder andere Tor mehr machen können, aber das Ergebnis ist auch so sehr zufriedenstellend. Wir haben alle Lust auf den Confed Cup, den wir ernst nehmen." Und wie lautet das Ziel für Russland?  "Wir sind Weltmeister, für uns ist es nicht irgendein Freundschaftsturnier. Wir wollen die Spiele gewinnen", sagte Kimmich, der in Nürnberg insgesamt vier der sieben Tore vorbereitete.

Shkodran Mustafi: In seinem 16. Länderspiel war der 25 Jahre alte Bebraner in Diensten des FC Arsenal im Grunde eine Art Libero als einziger Abwehrspieler. Seine Mitstreiter Kimmich und Jonas Hector turnten überwiegend irgendwo vorne rum, während Mustafi die Stellung hielt, um ter Stegen nicht ganz alleine zu lassen. Bei Standards allerdings wagte machte auch er machte sich bisweilen auf den Weg in des Gegners Strafraum - und erzielte zwei Minuten nach der Pause und einem Eckball Julian Draxlers im Fallen mit einem abgefälschten Schuss das 5:0 und somit seinen zweiten Länderspieltreffer. Und als Draxler dann eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff den Rasen verließ, durfte Mustafi gar die Kapitänsbinde übernehmen.

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Immer mit dabei: Jonas Hector (r.)

(Foto: imago/DeFodi)

Jonas Hector: Seit er im November 2014 beim 4:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar in, genau, Nürnberg sein Debüt in der DFB-Elf gab, spielt der 27 Jahre alte Kölner quasi stets - also auch in diesem Sommer, wenn es für die DFB-Elf ab dem 19. Juni zum Confed Cup nach Russland geht. In seinem 29. Länderspiel war er für den defensiveren Part auf der linken Seite zuständig - und erledigte das nach einer sehr guten Partie am Dienstag in Dänemark nicht nur ordentlich, sondern schaltete sich im Wechsel mit Amin Younes auch immer wieder ins Offensivspiel ein. Was er allerdings, anders als sein Pendant Kimmich, vermissen ließ, waren gewinnbringende Flanken und Pässe auf die Mitspieler. Nach 55 Minuten war Schluss, für ihn kam der 25 Jahre alte Marvin Plattenhardt von der Berliner Hertha in die Partie und zu seinem zweiten Länderspiel.

Emre Can: Den 23 Jahre alten Mittelfeldspieler des FC Liverpool hatte Löw mit dem Job als Sechser vor der im Grunde nicht existenten Dreierkette betraut. Can machte das in seinem zehnten Länderspiel durchaus gut, energisch, kraftvoll, und avancierte mit zunehmender Dauer zum zentralen Spielgestalter, wartete mit guten Ideen und Pässen auf - defensiv gab's ja kaum was zu tun. Das mit den Freistößen muss er allerdings noch üben - zumindest, wenn es ihm darum gegangen sein sollte, auf diesem Weg ein Tor zu erzielen.

Julian Brand: Siebtes Länderspiel, erstes Tor - der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler des TSV Bayer 04 Leverkusen dürfte somit zufrieden sein; dieses Mal agierte er auf dem rechten Flügel. Doch dort gelang ihm, der eigentlich in den Eins-zu-eins-Situationen seine Stärken hat, beileibe nicht alles. Entweder er verdribbelte sich, oder er kam am Gegenspieler vorbei, traf dann aber mit seinem Schuss das Tor nicht. Bei seinem Kopfball zum 6:0 allerdings stand er völlig frei - kein Problem.

Leon Goretzka: Der 22 Jahre alte Hochbegabte vom FC Schalke 04 hatte bei seinem fünften Länderspiel an der Seite von Julian Draxler in der Mittelfeldmitte nicht seinen besten Abend erwischt. Dabei war er in Dänemark noch einer der Besten. Es schien so, als habe ihm gegen die massive Defensive San Marinos doch ein wenig der Raum gefehlt, um so dynamisch nach vorne zu stürmen, wie er es eigentlich zu tun pflegt. Und mit seinen Schussversuchen aus der Distanz hatte er auch kein Glück. Sagen wir es so: Er hat sich bemüht.

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Das 1:0 schlenzte Draxler am Keeper vorbei ins Tor.

(Foto: imago/ActionPictures)

Julian Draxler: Der Bundestrainer hatte es ja gesagt: Wenn Draxler spielt, ist er in diesem Sommer der Kapitän. Und auch wenn man sich durchaus fragen kann, warum sich Löw so entschieden hat - sein Lieblingsspieler erzielte in seinem 30. Länderspiel nach elf Minuten den bahnbrechenden ersten Treffer. Aus sieben Metern und nach einer Flanke des Kollegen Lars Stindl schlenzte er den Ball ins Tor. Es war für den 23 Jahre alten Mittelfeldspieler von Paris St. Germain der vierte Treffer im Trikot des DFB. Danach tauchte er etwas ab und sagte hinterher: "Es macht Spaß, mit der Mannschaft zusammenzuspielen. Die Saison war lang, da will man jetzt nochmal mit Freude an die Sache gehen. Wir gehen positiv und ohne Druck in den Confed Cup." Eine Viertelstunde vor dem Ende der Partie wurde er vom Platz genommen - und es kam der 25 Jahre alte Diego Demme in die Partie und zu seinem ersten Länderspiel. Er ist der 94. Debütant in der Löw'schen Ära. Damit haben nun alle aus der Confed-Cup-Combo des Bundestrainers zumindest eine Partie auf dem Buckel.

Amin Younes: Nach seinem Kurzdebüt in Dänemark durfte der 23 Jahre alte Flügelspieler vom Europaligafinalisten Ajax Amsterdam nun in seinem zweiten Länderspiel auf der linken Seite von Beginn an ran, in der zweiten Halbzeit versuchte er es dann rechts. Seiner Analyse nach der Partie haben wir wenig entgegenzusetzen: "Es war in Ordnung, aber es gehen noch viele Sachen besser." In der Tat konnte er seine große Stärke, das Dribbling auf engsten Raum, selten voll und ganz ausspielen. Aber immerhin bereitete er nach einer knappen halben Stunde das 3:0 des Kollegen Wagner sehr schön vor; und ihm gelang nach 38 Minuten seine Torpremiere im Trikot des DFB zum 4:0 - auch wenn es sich hierbei um einen Abstauber der schnöderen Art handelte. Und sonst so? "Wir haben viel einstudiert und das schon gut umgesetzt. Ein paar Tore mehr hätten es sein können, aber das war schon in Ordnung. Wir haben noch Luft nach oben. Die Mannschaft hat eine hohe Qualität. Beim Confed Cup wollen wir den Weltmeister gut repräsentieren."

Lars Stindl: Wie gegen Dänemark durfte der 28 Jahre alte Offensivspieler des VfL Borussia Mönchengladbach von Beginn an spielen, auch in seinem zweiten Länderspiel bemühte er sich sehr, war als Wagners Angriffspartner außerordentlich fleißig - und wieder kam dem geneigten Beobachter der Gedanke, dass dieser Stindl doch eigentlich mehr kann. Immerhin leitete er den ersten Treffer seiner Mannschaft ein. Nach 55 Minuten war Schluss, er ging raus und der acht Jahre Jüngere Leipziger Timo Werner kam rein, den das Publikum in Nürnberg mit Pfiffen empfing. Seine Schwalbe aus der Bundesligapartie gegen Schalke hängt ihm wohl immer noch nach.

Sandro Wagner: Nach einer guten Viertelstunde flog der 29 Jahre alte Angreifer der TSG Hoffenheim in seinem zweiten Länderspiel durch den san marinesischen Strafraum und wuchtete den Ball mit dem Kopf ins Tor. Seinen ersten Länderspieltreffer hatte er selbst eingeleitet, indem er zuvor den Kollegen Kimmich auf der rechten Seite bediente, auf dass der die Flanke schlage - was er dann auch tat. Nach 29 Minuten war Wagner wieder zur Stelle, dieses Mal stocherte er den Ball eher über die Linie, zählte aber auch. Danach war er so beseelt, dass er es in der 35. Minute gar mit einem Hackenpass versuchte; das Kunststück allerding misslang. Fünf Minuten später knallte er den Ball an die Latte, statt ihn zu Draxler in die Mitte zu spielen.  Es sollte wohl unbedingt der Hattrick sein. Der gelang ihm dann fünf Minuten vor dem Ende der Partie. Somit hat das Kopfballungeheuer nun mehr Tore als Einsätze für den DFB zu verbuchen. Und die Zuschauer sangen: "Oh, wie ist das schön!"

Quelle: n-tv.de

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