Fußball

Rückkehrer als Hoffnungsträger Koeman soll Barça aus der Krise retten

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Jetzt spruchreif: Ronald Koeman wird neuer Trainer des FC Barcelona.

(Foto: REUTERS)

Der FC Barcelona hat einen neuen Cheftrainer: Der Niederländer Ronald Koeman übernimmt wie erwartet das Amt des gerade erst entlassenen Quique Setién. Dessen Aus war nach dem Debakel in der Champions League gegen den FC Bayern beschlossen worden.

"Bienvenido a Casa" - Willkommen zu Hause: So verkündete der katalanische Fußball-Renommierklub FC Barcelona am Mittwoch die Verpflichtung des Niederländers Ronald Koeman als Cheftrainer und Nachfolger des am Montag entlassenen Quique Setien. Der 57-Jährige, von 1989 bis 1995 als Profi absoluter Barça-Leistungsträger, wird mit einem Zweijahresvertrag bis 2022 ausgestattet und wurde schon am Mittwochabend offiziell beim Klub von Superstar Lionel Messi vorgestellt.

Barça setzt mit der Verpflichtung von Koeman auf "Stallgeruch", denn der Europameister von 1988 hatte nie ein Geheimnis aus seiner Verbundenheit mit den Katalanen und dem Wunsch gemacht, einmal Cheftrainer von Azulgrana zu werden. "Jeder weiß", sagte Koeman einmal, "dass ich davon träume, irgendwann diesen Klub auch zu trainieren."

Jetzt ist es so weit. Auch die Barça-Führung ist zufrieden, denn es gilt, eine Zäsur einzuleiten. Das 2:8-Debakel vergangenen Freitag in der Champions-League-Finalrunde gegen Bayern München hatte alle vorhandenen Defizite bei den Katalanen offenbart.

Neuer Kaderplaner

Koeman ist der neue Hoffnungsträger. Seine Hauptaufgabe wird sein, die Zukunft des sechsmaligen Weltfußballers Messi zu klären. Der 33-Jährige, ein Barça-Urgestein, liebäugelte zuletzt mit einem Weggang aus Katalonien - vielleicht zurück zu seinem Mentor Pep Guardiola (Manchester City). Barça mit Koeman, aber ohne Messi - wohl kaum denkbar.

"Wir kennen bereits seine Denke und seine Philosophie", wurde Klubchef Josep Maria Bartomeu am späten Dienstagabend im Twitter-Kanal der Katalanen mit einer Aussage über den neuen Coach zitiert. Koeman war zuvor aus den Niederlanden kommend in Barcelona gelandet, nachdem er sich zuvor mit dem niederländischen Verband KNVB auf eine vorzeitige Freigabe aus dem bis 2022 laufenden Kontrakt geeinigt hatte.

Eine kurzfristige Lösung fand Barça auf dem Posten des Sportdirektors. Nach der Trennung von Eric Abidal wurde Ramon Planes, bisher Kaderplaner bei Barça, als Nachfolger bestimmt. Er soll nun zusammen mit Koeman die sportlichen Geschicke beim 26-maligen spanischen Champion leiten. Bei den Katalanen erlebte Koeman zu Beginn der 1990er-Jahre die schönste und erfolgreichste Zeit als Profifußballer, sein Finaltreffer ebnete 1992 den Weg zum ersten Titel in Europas Königsklasse.

Keine häusliche Quarantäne

In seiner Heimat sorgte allerdings seine Vorgehensweise bei den Verhandlungen mit Barça in Corona-Zeiten für Kritik. Er soll die niederländischen Corona-Richtlinien übertreten haben. Der 57-Jährige sei laut eines Berichts der Tageszeitung "AD.nl" von Barcelona aus zurück in die Niederlande geflogen und habe sich anschließend nicht in häusliche Quarantäne begeben.

Nach den Richtlinien der niederländischen Gesundheitsbehörden gilt für die katalanische Metropole "Code Orange". Das bedeutet, dass Personen, die aus einem Code-Orange-Gebiet einreisen, sich zehn Tage (noch) freiwillig in häusliche Quarantäne begeben sollen. Koeman verhandelte jedoch in Zeist mit dem niederländischen Fußballverband KNVB. Am Dienstagabend flog der Noch-Bondscoach mit einem Privatjet wieder nach Barcelona.

Auf AD-Anfrage erklärte das niederländische Gesundheitsministerium, dass für Hochleistungssportler und Trainer wie Koeman keine Ausnahmeregelungen gelten. Koeman hätte sich also bis Ende August in Quarantäne begeben müssen. Doch auf dem Weg zu seinem Wunschtraum FC Barcelona ließ er sich auch von Corona nicht stoppen.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid