Fußball

Man City fast am Meister-Ziel Kompanys Gewaltschuss erlöst Guardiola

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Vincent Kompany hat Manchester City wohl den Weg zum Titel geebnet.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Sieg gegen Leicester steht Manchester City kurz vorm Gewinn der englischen Fußball-Meisterschaft. Das entscheidende Tor von Kompany ist eine Pointe im Titelrennen mit dem FC Liverpool - und könnte das Abschiedsgeschenk des Verteidigers gewesen sein.

Es war ein Spiel, das von Verzweiflung geprägt war. Ein Spiel, in dem es lange so aussah, als könnte Manchester City versuchen, was es wollte - es sollte doch nichts werden mit dem erlösenden Tor gegen Leicester City. Die Fußball-Mannschaft von Trainer Josep Guardiola hatte es mit den üblichen Kombinationen probiert, die sich allerdings immer wieder im dichten Netz aus Abwehrbeinen aus Leicester verhedderten. Sie hatte es mit Standards probiert und mit Schüssen aus jeder Lage.

All diese Versuche waren erfolglos geblieben. Es sah so aus, als würde der Titelverteidiger der englischen Premier League im vorletzten Spiel der Saison Punkte verschenken und damit dem FC Liverpool den Weg zur Meisterschaft frei machen. Guardiola wirkte panisch. In einer Situation, als der Ball ins Seitenaus geflogen war, spielte er selbst den Balljungen, damit die Partie so schnell wie möglich weitergehen konnte. Einige Ecken und Einwürfe führte seine sonst so souveräne Elf mit einer Hektik aus, als würde sie in einem Pokalfinale in der Nachspielzeit einem Rückstand hinterherlaufen.

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Auch die Szene, die die Partie - und damit wohl den Kampf um die Meisterschaft - entschied, hatte etwas Verzweifeltes. Kapitän Vincent Kompany, seit 2008 bei Manchester City angestellt und der Inbegriff dessen, was man als altes Schlachtschiff bezeichnet, bekam in der 70. Minute in der gegnerischen Hälfte den Ball und trieb ihn ein paar Meter nach vorne. Leicesters Defensive attackierte ihn nicht. Auf der Bank dachte Guardiola: "Nicht schießen, Vinnie! Nicht schießen!" So hat es der Trainer hinterher gestanden. Doch Kompany, der 33 Jahre alte Innenverteidiger, zog einfach ab. Sein Schuss aus rund 25 Metern war ein Strich und schlug genau im rechten oberen Torwinkel ein. Leicesters exzellenter Schlussmann Kasper Schmeichel machte sich lang, flog und streckte beide Arme aus. Doch er hatte keine Chance.

Der perfekte Fernschuss

Wenn Lionel Messi in der vergangenen Woche beim 3:0 gegen Liverpool in der Champions League das perfekte Freistoß-Tor geschossen hat, dann war Kompanys 1:0-Siegtreffer gegen Leicester der perfekte Fernschuss. Und es ist eine hübsche Pointe, dass das hochklassige Titelrennen zwischen Manchester City und dem FC Liverpool vermutlich nicht durch spielerische Kunst zu Gunsten von Guardiolas Ball-Ästheten entschieden wurde, sondern durch einen Akt blanker Gewalt. Durch den Sieg hat der Titelverteidiger den Ausgang des Meisterrennens wieder selbst in der Hand. Gewinnt Manchester City am letzten Spieltag am Sonntag bei Brighton & Hove Albion (16 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), ist die Mannschaft zum zweiten Mal nacheinander Meister.

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Kompany berichtete später, dass auch eine Menge Frust in seinem Schuss gelegen habe. "Alle haben gesagt: Nicht schießen! Nicht schießen! Ich konnte es hören. Ich bin nicht so weit in meiner Karriere gekommen, um mir von jüngeren Spielern sagen zu lassen, wann ich schießen soll und wann nicht", sagte der einstige Profi des Hamburger SV bei "Sky Sports". Überhaupt ist Frust ein passendes Thema: Der belgische Verteidiger war immer wieder verletzt in den vergangenen Jahren. Er ist längst kein Stammspieler mehr. Guardiola bevorzugt jüngere, schnellere und technisch bessere Spieler in der Defensive. Ob Kompanys auslaufender Vertrag noch einmal verlängert wird, ist unklar. Der Trainer äußerte sich dazu nach dem Sieg gegen Leicester ausweichend.

Logische Fortsetzung dieses Titelkampfes

Doch in den entscheidenden Momenten ist Kompany immer wieder da. 2012 hatte er gegen Manchester United ein vorentscheidendes Tor zu Citys erster Meisterschaft nach der Übernahme durch Scheich Mansour geköpft, in der vergangenen Saison traf er im Ligapokal-Finale. Jetzt also sein vermeintliches Tor zum Titel gegen Leicester. Der Treffer zeigte, dass auch eine Guardiola-Mannschaft, in der doch eigentlich das System der Star ist, Führungsspieler braucht. Jemanden, der voran geht und in komplizierten Situationen Verantwortung übernimmt. Und er zeigte, dass es nur mit fußballerischer Eleganz auch nicht geht. Manchmal braucht es Gewalt.

In gewisser Weise war Kompanys Tor die logische Fortsetzung dieses Titelkampfes, in dem sich Man City und Liverpool gegenseitig an ihre Leistungsgrenzen getrieben haben und beiden Mannschaften jedes Mittel zum Erfolg recht ist. Guardiolas Elf spielte zuletzt Guardiola-untypisch. Den 1:0-Sieg beim FC Burnley brachte sie in der Schlussphase mit vier Innenverteidigern ins Ziel. Gegen Leicester gingen ihr die spielerischen Mittel aus. Sie wirkte verzweifelt. Dann kam Kompany - und setzte möglicherweise die finale Pointe der Saison.

Quelle: n-tv.de