Fußball

Nach Attacke auf Schiedsrichter Kreisligist wirft Mannschaft raus

imago43992848h.jpg

Das Vereinsgelände des FSV Münster im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

(Foto: imago images/brennweiteffm)

Der FSV Münster zieht die Konsequenz daraus, dass einer seiner Spieler den Schiedsrichter bewusstlos schlägt. Der Fußballverein meldet die Mannschaft ab. Für den Schläger gibt es lebenslanges Hausverbot - und eine klare Ansage vom Vereinschef.

Die Fußball-Mannschaft des FSV Münster meldet sich nach der Prügelattacke gegen den Schiedsrichter aus dem laufenden Spielbetrieb ab. "Wir haben beschlossen, dass die Mannschaft mit sofortiger Wirkung abgemeldet wird", sagte der Vereinsvorsitzende Hans-Peter Samoschkoff dem Radiosender Hit Radio FFH. Damit zieht der hessische Kreisliga-Klub die Konsequenzen aus dem Vorfall vom Wochenende, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. In der C-Liga-Partie gegen TV Semd hatte ein 28-jähriger FSV-Spieler den Schiedsrichter mit einem Faustschlag bewusstlos geschlagen. Der 22 Jahre alte Unparteiische kam erst nach einigen Minuten wieder zu sich und wurde anschließend mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

Dem 22-jährigen Referee geht "es den Umständen entsprechend gut", wie dessen Vater bei Hit Radio FFH sagte. "Er hat aber noch sehr starke Schmerzen." Eine Gehirnerschütterung wurde bereits festgestellt. Die körperlichen Folgen seien das eine, so der Vater weiter: "Was seelisch in ihm vorgeht, ist eine andere Geschichte." Der Vater konnte noch nicht sagen, ob sein Sohn jemals wieder ein Spiel pfeifen werde. Er werde "sehr große Angst" haben, wenn sein Sohn wieder auf dem Platz stehe. Eine Entschuldigung des Täters habe es noch nicht geben.

Der Spieler erhält nach Angaben Samoschkoffs ein lebenslanges Hausverbot. "Die Spieler werden sich noch einmal treffen, nehmen ihre persönlichen Sachen mit - das war's dann", so der Klubboss. Der Spieler, der als Reaktion auf eine Gelb-Rote Karte - also einen Platzverweis - den Schiedsrichter niedergeschlagen hatte, habe seinen Fehler zwar inzwischen eingesehen: "Er kann sich vor Gericht entschuldigen, aber hier ist die Zeit für ihn vorbei." Zudem wurde der gewalttätige Spieler aus dem FSV Münster ausgeschlossen. Samoschkoff kündigte an, den Täter im Falle einer Geldstrafe in Haftung zu nehmen.

"Einzelfälle zu sehen, hilft nicht weiter"

"Außerhalb des Platzes sind sie alle ganz okay", sagte Samoschkoff der "Bild"-Zeitung. "Aber auf dem Spielfeld geht eine Lampe aus." Der Schiedsrichter-Angreifer habe zuvor gerade eine vereinsinterne sechswöchige Sperre verbüßt, heißt es weiter. Hessens Innenminister Peter Beuth hat eine lebenslange Sperre für Täter gefordert, die Referees bewusstlos prügeln. Der Spielleiter der Kreisliga C Dieburg, Theo Greiner, hatte zuvor bereits erklärt, der Schläger müsse mit einer "massiven Strafe" rechnen.

Der Verein des von der Prügelattacke betroffenen Schiedsrichters äußerte sich auf Facebook zu den Ereignissen des Wochenendes: "Was geht in einem Menschen vor, der Gewalt gegen seine Mitmenschen ausübt? Wer es nicht ertragen kann, dass man sich im Sport an Regeln halten muss, soll zu Hause bleiben." Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses in Hessen, macht sich Sorgen, um das Schiedsrichterwesen. "Wie sollen wir das nur jungen Leuten schmackhaft machen nach solchen Vorfällen?", sagte er der "Frankfurter Rundschau". "Solche Vorfälle als Einzelfälle zu sehen, hilft nicht weiter."

Quelle: n-tv.de, tsi/dpa