Fußball

"Hoffe, du stirbst in der Hölle" Kroos und Co. kontern hässlichen Cyber-Hass

"Du Bastard", "Wirf dich vor den Zug" oder "Ich stech dich ab": Die Fußball-Nationalspieler Toni Kroos und Niklas Süle lesen mit anderen Profis in einem verstörenden Video ihnen zugeschickte Hassbotschaften vor und setzen ein Zeichen gegen Cybermobbing.

"Ich hoffe, du stirbst in der Hölle." Diese Nachricht hat Rio-Weltmeister Toni Kroos in den Sozialen Medien zugeschickt bekommen. Ernst und unbewegt blickt der Profi von Real Madrid in die Kamera, während er im Off die zugeschickte Gewaltfantasie vorliest, die ein Mensch eigentlich niemals einem anderen Menschen wünschen dürfte. "Ich hoffe, du brichst dir alle Knochen", zitiert Nationalspieler Niklas Süle eine ihm zugesandte Hassbotschaft.

In einem verstörenden und schwer ohne Übelkeitsgefühle anzuschauenden Video lesen etliche Fußballprofis an sie gerichtete Hassnachrichten vor. Das reicht von üblen Verdammungen wie "Wenn ich dich erwische, du Hurensohn" bis hin zu konkreten Drohungen à la: "Ich werde dich finden und dann breche ich dir deine Beine, sodass du nie wieder Fußball spielen kannst." Produziert haben den Film die Berliner Signature Studios und Sports360, die Agentur von Kroos-Berater Volker Struth.

"Kein Kavaliersdelikt"
Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen
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Bedauerlicherweise sind Beleidigungen, Morddrohungen und Gewaltfantasien für viele Menschen mittlerweile normale Erfahrungen in den Sozialen Medien. Ron-Robert Zieler, bei Hannover 96 unter Vertrag und derzeit als Leih-Torhüter beim FC Köln, musste sogar konkreten Hass gegen seine Familie erfahren. "Wir wissen, wo ihr wohnt ... eure Kids zur Kita gehen", liest er in dem Video vor. In einer weiteren Nachricht wird ihm ein Suizid nahegelegt, wie ihn der ehemalige 96-Keeper Robert Enke begangen hatte: "Mach' den Enke und wirf dich vor den Zug!"

Zieler sagt, dass es eine "Überwindung" war, "diesen Hass noch einmal bewusst vorzulesen." Für ihn ist Cyber-Mobbing "kein Kavaliersdelikt" und er hofft, mit dem Video für das Thema sensibilisieren zu können. "Es kann wirklich jeden treffen. Von jung bis alt, Schüler wie Erwachsene."

Cybermobbing ist vor allem auch an Schulen ein wachsendes Problem. Laut der Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" des Bünd­nisses gegen Cybermobbing ist die Zahl der Betrof­fenen zwischen acht und 21 Jahren seit 2017 um 36 Prozent gestiegen von 12,7 Prozent auf 17,3 Prozent im Jahr 2020. In abso­luten Zahlen sind demnach deutschlandweit fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche von Cybermobbing betroffen. Das Online-Portal Statista hat 2019 sogar erhoben, dass 31 Prozent der Jugendlichen im Netz oder über das Handy fertig gemacht wurden. Die Zahl der Gemobbten, die Suizidgedanken äußerten ist laut des Bündnis-Berichts seit 2017 um 20 Prozent und der Anteil derer, die als Folge zu Alkohol und Tabletten griffen, um fast 30 Prozent angestiegen. Fernunterricht in Corona-Zeiten habe die Situation noch mal verschärft, Prävention würde zu wenig angeboten.

"Wer Hass säht, muss betraft werden."

Rassistische Beleidigungen sind im Netz auch sehr verbreitet und machen natürlich auch vor Fußballern nicht halt, wie das Video noch mal deutlich aufzeigt. Dayot Upamecano, Verteidiger von RB Leipzig und ab der neuen Saison beim FC Bayern, musste sich auf Französisch anhören: "Ich hoffe, du stirbst, du scheiß Afrikaner." Werder Bremens Abwehrboss Ömer Toprak liest eine türkische Nachricht vor: "Du Bastard, komm' niemals zurück in dieses Land ... bleib' bei den Deutschen, du Hurensohn."

"Cybermobbing ist ein Problem, dass unsere gesamte Gesellschaft betrifft", sagt Nationalspieler Kroos zu dem Video. "Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich." Der Rio-Weltmeister mache sich persönlich nichts aus den Kommentaren, lasse sie sich abprallen. "Aber ich kenne Leute, die so etwas mitnimmt und das geht nicht." Kroos setzt sich deshalb dafür ein, die Anonymität abzuschaffen und dass erkennbar sein sollte, wer sich hinter einem Social-Media-Profil verbirgt: "Wer Hass säht, muss betraft werden."

Quelle: ntv.de

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