Fußball

Bundesliga-Check: RB Leipzig Lass das mal den Papa machen!

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Zuckerbrot und Peitsche - nach diesem Motto arbeitet Rangnick mit seiner jungen Truppe.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Ralf Rangnick ist seit seinem zweiten Amtsantritt als Trainer in Leipzig wieder omnipräsent. Der 60-Jährige wirkt wie einem Jungbrunnen entstiegen und erzieht sein junges Team mit Zuckerbrot und Peitsche, damit es für die Champions League reicht.

RB Leipzigs neuer, alter Chefcoach Ralf Rangnick hat dieser Tage gleich mehrfach eine Anekdote zum Besten gegeben: In der Hinrunde der vergangenen Saison hatte der damalige Co-Trainer Zsolt Löw (jetzt Paris St. Germain) zu Rangnick gesagt: "Du bist für uns alle wie der Papa, und wir sind jetzt die pubertierenden Kinder, die selber was ausprobieren und einen eigenen Weg finden wollen", berichtete Rangnick der "Süddeutschen Zeitung" und antwortete: "Als guter Vater lässt du das zu." Damals war RB Zweiter mit 26 Punkten. Als das Team 19 Spieltage später nur noch auf Rang sechs stand und der Punkteschnitt auf 1,1 pro Spiel abgesackt war, nahm Rangnick die Teenie-Papa-Metapher wieder auf und fragte Löw: "Habt ihr euch beim Pubertieren vielleicht doch ein paar blaue Augen geholt oder ein paar Zigaretten zu viel geraucht? Sind wir nicht doch ein Stück zu weit vom Weg abgekommen?"

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Da auch Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl nicht mehr zurück auf Papa Rangnicks Weg - sprich: Pressingfußball pur - wollte und Trainerstar Julian Nagelsmann erst 2019 in Leipzig beginnen will, entschied sich Rangnick nach 57-tägiger Schweige-Klausur dafür, den Job gleich selbst noch einmal zu übernehmen. Getreu dem Stromberg-Klassiker "Lass das mal den Papa machen!" Wer könnte den Spielern die reine Rangnick-Lehre des Pressing-Gegenpressing-Fußballs schließlich besser vermitteln als der Papa höchstpersönlich?

Das passende Stromberg-Zitat: "Karriere ist kein Nonnen-Hockey, da musst du mit allen Tricks arbeiten." Und: "Ich bin ja wie'n Gouda, der wird ja auch im Alter immer besser."

Was gibt’s Neues?

Wenn Rangnick meist kurzbehost auf dem Trainingsplatz steht, umgibt ihn ein bis zu zwölfköpfiger Assistentenstab inklusive New Yorks bisherigem Cheftrainer Jesse Marsch. So ist das Trainer- und Betreuerteam nur unwesentlich kleiner als der aktuell bloß 17 einsatzfähige Feldspieler umfassende Kader. In Schulen und Kindergärten träumen sie von diesem Betreuungsschlüssel.

Besonderes Augenmerk liegt auf den drei neuen Spielern, die sich RB Leipzig 42 Millionen Euro kosten ließ. Marcelo Saracchi, der Linksverteidiger aus Uruguay, ist für die Startelf gesetzt, da Marcel Halstenberg nach einem Kreuzbandriss noch Zeit für sein Comeback braucht. Der brasilianische Stürmer Matheus Cunha präsentierte sich in den Europa-League-Qualifikationsspielen präsent, schussstark und treffsicher. Nur Innenverteidiger Nordi Mukiele hat nach einer Verletzung und anschließender Rangnick-Schelte noch nicht ganz Anschluss gefunden.

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Marcelo Saracchi muss Marcel Halstenberg ersetzen, der nach seinem Kreuzbandriss noch immer fehlt.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Auch neu beziehungsweise zurück sind Rangnicks schonungslos klare öffentliche Ansagen. Mukiele sowie dessen französische Landsleute Dayot Upamecano und Jean-Kévin Augustin hatte der studierte Sport- und Englischlehrer dafür kritisiert, dass sie im Urlaub ihre Hausaufgaben (19 Laufeinheiten) nicht gemacht hatten. Mit Blick auf den - Zitat Rangnick - "übergewichtigen" Upamecano sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung": "Es kann nicht sein, dass unser Busfahrer aktuell in besserer körperlicher Verfassung ist als einer unserer Spieler." Hätte auch von Stromberg sein können.

Und: Unter dem neuen Boss gelten auch neue Büro-, Verzeihung, Kabinenregeln. Um den Teamgeist zu stärken herrscht ab sofort Smartphone-Verbot in der Umkleide und auch die Sitzordnung beim Essen bestimmt der Papa. "Die Spieler von heute schreien doch förmlich nach Führung", glaubt Rangnick.

Das passende Stromberg-Zitat: "Menschenführung ist für mich beispielsweise das, was der Stepptanz für die Neg-... die Farbigen ist. Hab' ich im Blut. Läuft bei mir ganz automatisch ab."

Auf wen kommt es an?

Sie können es sich denken. Wäre der RB-Busfahrer nicht so fit, würde Rangnick die Mannschaft auch selber zu den Spielen fahren. Natürlich lässt sich der 60-Jährige auch Aufgaben abnehmen, auf dem Rasen ebenso wie im Management. Doch die Verantwortung liegt bei Rangnick, und die nimmt er mit größtem Engagement wahr. Auf dem Feld will Rangnick hingegen keine One-Man-Show sehen. Spielerisch ist Leipzig nach dem Keita-Abgang wieder variabler aufgestellt. Emil Forsberg, der nach einem schlechten Jahr in Leipzig blieb, könnte wieder zum wichtigen Faktor werden.

Das passende Stromberg-Zitat: "So bin ich. Kreuzung aus Brad Pitt und Sankt Martin." Und: "Ich bin für klare Hierarchien. - Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: 'Hier Moses, ich hab da mal was aufgeschrieben, was mir nicht so gut gefaellt. Falls du Lust hast, schau doch da mal drüber.' Nein, da hieß es: 'Zack, 10 Gebote. Und wer nicht pariert kommt in die Hölle. Bums, aus, Nikolaus.'"

Was fehlt?

Ein Nachfolger für den nach Liverpool abgewanderten Naby Keita. Da Rangnicks Wunschspieler Amadou Haidara von Schwesterklub Red Bull Salzburg ganz unschwesterlich und überraschend in Österreich blieb, teilen sich bislang Kevin Kampl und Diego Demme die Aufgaben in der Mittelfeldzentrale. Doch Nationalspieler Sebastian Rudy soll noch kommen. Als die ARD-Anstalt SWR jüngst eifrig vermeldete, dass der Deal zwischen Bayern und Sachsen bereits fix sei, frotzelte Rangnick zurück: "Das, was durch den SWR verbreitet wurde, ist die Mutter aller Fake-News im Fußball." Aber wer ist dann eigentlich der Vater?

Doch auch wenn eine Einigung noch Zeit braucht: Papa Rangnick sähe seinen Ziehsohn Sebastian gern zurück unter seinen Fittichen. Tendenz: Lass das mal den Papa machen!

Das passende Stromberg-Zitat: "Erst hat er rumgezickt wie der Papst im Puff, aber letztlich hat er doch noch zugesagt." Und: "Wahrheit hat meistens nur ganz wenig mit Fakten zu tun. Gefühlte Wahrheit - darum gehts."

Wie lautet das Saisonziel?

Anders als in den Vorjahren, als RB zum Saisonstart einen Mittelfeldplatz als Ziel ausgab, um dann intern doch nach nichts anderem als der Champions League zu eifern, setzt sich Rangnick diesmal gleich die "Königsklasse" zum Ziel. Auch als Antrittsgeschenk für seinen Nachfolger Nagelsmann. Rangnick: "Ich hätte nichts dagegen, und er auch nicht. Ich möchte das maximal Mögliche erreichen und traue uns zu, wieder einen Schritt nach vorn zu machen."

Das passende Stromberg-Zitat: "Wie sagt Jesus immer? Die Zweiten werden die Ersten sein."

Die Prognose von n-tv.de

Dank Rangnicks Konsequenz - taktisch ebenso wie menschlich (Motto: "Zuckerbrot und Peitsche") - sowie der verbliebenen Stars wie Timo Werner und Forsberg sowie der guten Neuverpflichtungen landet RB auf Platz vier und erreicht die Champions League.

Das passende Stromberg-Zitat: "Zuckerbrot und ... Spiele. Die alten Griechen haben damit ganz große Er…äh..."

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Quelle: n-tv.de

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