Fußball

Bizarrer Hype um einen Transfer "Leeeerrrrrroooooyyyyy!"

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Oh, ein Foto.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern hat seinen Königstransfer endlich fix gemacht. Mit über einem Jahr "Verspätung" wechselt Nationalspieler Leroy Sané nach München. Begleitet von einem aberwitzigen Update an Statusmeldungen. Fotos hier, Fotos da und dazu noch ganz viel Trallalalalala.

Obacht, ein Foto! Leroy Sané ist in der Tiefgarage. Ei der Daus! Oh, noch ein Foto, Leroy Sané (nicht im Bild) ist im Krankenhaus! Medizincheck, letzte Hürde bevor es zum FC Bayern geht. Und noch eins: Leroy Sané ist in einem roten Audi auf dem Weg zu den Münchner Chefs - und dann, na bitte, eine Breaking News (zunächst mit einem alten Foto). Der FC Bayern, so bestätigt der FC Bayern, macht um 9.02 Uhr klar, was die Fußball-Welt schon wusste: Der 24 Jahre alte Nationalspieler wechselt von Manchester City, von Josep Guardiola, nach München, zu Hansi Flick (der eigentlich Timo Werner wollte). Es ist ein Transfer mit, wenn man so will, einem Jahr oder mehr Verspätung. So lange, tatsächlich, zieht es sich hin.

Es ist eine Geschichte über Monster-Ablösen, Mega-Gehälter, Zögern, Zaudern, Corona und einen Kreuzbandriss. Was von all dem, was über die Annäherung zwischen dem Rekordmeister und dem bisweilen spektakulär aufspielenden Flügelstürmer berichtet wurde, wahr ist und was eher weniger? Kaum jemand weiß es und es war eigentlich auch egal. Denn jedes Detail war ein himmlischer Schuss für Gerüchte-Junkies. Hätte jemand behauptet, Sané wäre in Wattenscheid (ein Ort im Ruhrgebiet) gesehen worden, bestimmt wäre etwas äußerst Klickträchtiges geschrieben (vielleicht ja sogar von uns?) worden. Vermutlich jedenfalls nicht nur, dass er dort das Fußballspielen gelernt hat.

Wohl selten hat der Transfer eines deutschen Fußballers so einen Hype ausgelöst, wie der Wechsel von Sané nach München. Dass die Rahmendaten des so ersehnten Deals dank Corona und Kreuzband nun deutlich weniger anmaßend ausfallen, als zunächst befürchtet, nimmt der Aufregung kaum die Wucht. Rund 50 Millionen Euro (statt irgendwas jenseits der 100 Millionen Euro), lässt sich mutmaßlich gerade noch irgendwie seriös in die Demutsdebatte, die der Fußball infolge der Corona-Pandemie und des leidenschaftlich erkämpften Sonderspielrechts selbst angestoßen hatte, pressen. Anders allerdings als die angeblich rund 17 Millionen Euro Jahresgehalt - aber vielleicht verzichtet er ja auch ein bisschen.

"Haben die Verantwortlichen gutgemacht"

Ob Thomas Müller, der zwischendurch mal kurz das Paradoxon zwischen Gehaltsverzicht und Ablöse-Wahnsinn aufgezeichnet hatte (um sich dann unnötigerweise falsch verstanden zu fühlen), das gefällt? Nun, medial war ihm dazu mindestens mal geraten worden. Und selbstverständlich ist es ja auch so, dass sich der Ur-Bayer immer über neue Qualität beim Rekordmeister freut. Denn so bekannte er eilstmöglich: "Ich persönlich will für mich den bestmöglichen Kader in der nächsten Saison. Ich habe große Ziele, ich will die Champions League gewinnen. Ich will, dass wir richtig angreifen, diesen Lauf, den wir aktuell haben, fortführen." Nun also mit Sané. Dem mutmaßlich wuchtigsten Investment des Münchner Sommers.

Dem FC Bayern ist wieder einmal gelungen, was Uli Hoeneß stets wichtig war: Nämlich, dass die Achse der Nationalmannschaft auch beim Rekordmeister die Achse bildet. Mit Manuel Neuer (und seinem geplanten Nachfolger Alexander Nübel), mit Abwehrchef Niklas Süle, mit dem Mittelfeld-Zentrum Joshua Kimmich und Leon Goretzka, mit Serge Gnabry und nun eben mit Sané sind ganz viele Schlüsselpositionen im Klub - und damit dann wohl auch im DFB-Team mit deutschen Hoffnungsträgern besetzt (minus Neuer). Und wäre Bundestrainer Joachim Löw nicht so bockig, ähm... zukunftszugewandt, dann wären ganz sicher auch Jérôme Boateng und Thomas Müller wieder im Aufgebot - an formstarken Nachweisen mangelt es ja nicht.

"Dieser Transfer wird die Attraktivität dieser Mannschaft noch mal verstärken", schwärmte Hoeneß, der als Ehrenpräsident immer noch gerne gehört wird, dann folglich auch. "Das haben die Verantwortlichen gutgemacht." Übrigens, was uns noch ganz wichtig ist: Sané kam mit dem Privatjet nach München. Es gibt, Sie ahnen es, ein Foto. Und sogar, jetzt Obacht, auch ein Video!

*Die aufgelistete Reihenfolge der Fotos und Videos hat weder Anspruch auf Vollständigkeit (beispielsweise fehlt das Mittagessen beim Italiener) noch auf chronologische Richtigkeit.

Quelle: ntv.de