Fußball

Werner und die Wertschätzung Eine amtliche Ohrfeige für den FC Bayern

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Nein, zum FC Bayern geht's vorerst nicht. Das sagt Timo Werner.

(Foto: dpa)

Einen "internationalen Star" will Sportdirektor Hasan Salihamidzic zum FC Bayern holen. Ob Timo Werner in diese Kategorie passt? Der Stürmer beendet alle Diskussionen um einen möglichen Wechsel - mit einem bemerkenswerten Satz.

Als sich der Fußball noch durch die deutschen Stadien pflichtspielte, als Corona noch mehr Bier als Virus war, da war Timo Werner mit RB Leipzig beim FC Bayern zu Besuch. Und er tat etwas, das man als guter Gast so macht: Er tat den Münchnern nicht weh. Zweimal hatte er am Abend des 9. Februar, am 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga, die Chance, den Ball an Manuel Neuer vorbei ins Tor der Bayern zu schieben. Einmal grätschte David Alaba wuchtig dazwischen (der Ball war tatsächlich an Neuer vorbei), ein anderes Mal senste er den Ball freistehend neben das Tor. Zur Rettung seiner Ehre sei geschrieben: Der Ball hüpfte vor Werners Abschlusskontakt noch einmal auf - "leicht schwer" war's entsprechend, so Werner.

Nun irgendwas ist ja immer. Und ob dieses irgendwas vom 9. Februar womöglich Einfluss auf die Planungen des FC Bayern hinsichtlich eines Transfers des 24-Jährigen hatte? Akut unklar. Nun, in diesen Zeiten ist Ahnungslosigkeit ja keine Schande. Sei's drum. Timo Werner und die Münchner, das ist, pardon, war, ja eine ziemlich zähe Angelegenheit, seit über einem Jahr jubelnd begleitet von täglich neuen Gerüchten.

So waren sich die verschiedenen Quellen sicher, dass der neue Trainer des Rekordmeisters, Hansi Flick, den Spieler gerne hätte. Es gibt Aussagen, die diese These durchaus belegen. Die Quellen waren sich ebenfalls sicher, dass der Sportdirektor, Hasan Salihamidzic, kein großer Fan des Stürmers sei. Auch dafür gibt's einige stabile Belege. Der stabilste: die Absage der Münchner im vergangenen Sommer. Eine Absage, die Werner bis heute nicht versteht.

Keine maximale Wertschätzung?

Und dann war da ja noch Werner selbst, der gerne über den FC Liverpool sprach. Und über Jürgen Klopp, für den er sogar schwärmte. Sogar über eine feste Zusage an die "Reds" war bereits berichtet worden. Nun, seit diesem Freitagabend gilt zumindest das Werner-und-München-Rätsel als gelöst: Der Leipziger hat dem FC Bayern eine Absage erteilt. Und wie man das in der Welt des Fußballs am liebsten macht, war die "Bild"-Zeitung das Mittel der (Verkündungs)-Wahl. "Falls ein Wechsel irgendwann einmal ein Thema werden sollte, würde mich eher der Schritt ins Ausland reizen als ein Wechsel zu Bayern", sagte Werner.

Aber um diese Karrieretür nicht völlig unnötig aus den Angeln zu reißen, sagte der in dieser Saison bislang so überragende Werner auch: "Bayern ist ein toller Verein, da brauchen wir nicht drüber zu reden. Und Hansi Flick hat bewiesen, dass er ein richtig guter Cheftrainer ist." So weit, so nett. So weit, so klar.

Dennoch findet sich in dem Interview eine Passage, die sich wie eine amtliche Ohrfeige für die Münchner liest, lesen muss, unabhängig davon, wie groß das Interesse an einer Verpflichtung tatsächlich noch gewesen ist. "Denn natürlich spielt es auch eine Rolle, dass die gegenseitige Wertschätzung maximal da sein müsste", urteilte Werner. Deswegen habe er sich damals für RB Leipzig entschieden, "und deswegen würde ich mich bei meinem nächsten Schritt wieder für den Verein entscheiden, bei dem ich dieses Gefühl vermittelt bekommen würde."

Mia san Leroy?

Nun, vorerst bleibt alles, wie es ist: Werner bleibt erneut bei Leipzig (träumt aber wohl noch immer vom FC Liverpool). Und die Bayern, die suchen weiter nach dem von Salihamidzic angekündigten "internationalen Star". Wobei die Suche in Wahrheit ja gar keine Suche ist, sondern vielmehr eine (noch) unerfüllte Sehnsucht: Sie heißt Leroy Sané, noch angestellt bei Manchester City. Oder Kai Havertz. Wobei der junge Leverkusener auch das Kriterium "Top-Talent" erfüllt. Und das, also das "Top-Talent" will der Sportdirektor ja auch noch holen.

Nun, Sané. Das ist auch so eine ewige und zermürbende Geschichte. Aber sie steht nach wilden und wildesten Wendungen offenbar vor einem erfolgreichen Ende: Hansi Flick, der als großer Skeptiker galt, hat nämlich offenbar seinen Widerstand aufgegeben. Der Trainer hat sich laut "Sport Bild" in einem halbstündigen Telefonat mit Sané ausgetauscht und davon überzeugt, dass der 24-Jährige in sein Team und zu seiner Philosophie passt. Das "Mia san mia" sei entscheidend. Das "Mia san mia" scheint bei Sané nun endlich gefunden.

Quelle: ntv.de