Fußball

Groß denken bei der Hertha Lehmann spricht (fast) wie Klinsmann

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Jürgen Klinsmann machte Jens Lehmann vor der Heim-WM zur deutschen Nummer eins.

(Foto: dpa)

Der Versuch mit Jürgen Klinsmann scheitert krachend, nun soll es Jens Lehmann bei der Hertha richten. Der Ex-Torwart rückt in den Aufsichtsrat des Vereins und bemüht in einem ersten Statement eine nur knapp demütigere Rhetorik als sein Vorgänger. Aber auch um Lehmann gab's zuletzt Aufregung.

Einen Leisetreter bekommt Hertha BSC schon mal nicht - so viel ist sicher. Fünf Bundesliga-Platzverweise, der Kampf um das DFB-Tor mit Oliver Kahn und reichlich kuriose Aktionen: Schon als Torwart war Jens Lehmann ein streitbarer und streitlustiger Charakter. Dass Deutschlands frühere Nummer eins als Funktionär plötzlich handzahm wird, ist schwer vorstellbar. Dabei braucht der abstiegsbedrohte Verein aktuell vor allem Ruhe.

Lehmann, der zusammen mit dem renommierten Trainerberater Marc Kosicke zwei der vier dem Investor Lars Windhorst und dessen Firma Tennor zustehenden Sitze im Hertha-Aufsichtsrat bekleiden soll, ist angetan von der Aufgabe. "Das Angebot von Lars Windhorst, an der weiteren Entwicklung von Hertha BSC mitzuarbeiten, habe ich gerne angenommen. Ich sehe dies aktuell als eines der interessantesten Projekte im Fußball", so der 50-Jährige.

Es klang so ähnlich wie die Worte von Jürgen Klinsmann bei dessen Vorstellung als Aufsichtsrat im Vorjahr, als dieser Hertha BSC als das "spannendste Fußball-Projekt Europas" bezeichnete. Klinsmann trat wenig später auch die Nachfolge von Ante Covic als Trainer an, danach brach über Berlin langsam das Chaos herein, das in Klinsmanns Facebook-Rücktritt im Februar gipfelte.

Einfach mal ein Zeichen setzen

Ein feiner Unterschied zu den Eingangsworten Klinsmanns ist bei Lehmann aber erkennbar, der Ex-Schlussmann hat scheinbar aus den Fehlern des ehemaligen Bundestrainers gelernt und den absoluten Charakter der Aussage etwas abgeschwächt. Bei derzeit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang 16 auch keine schlechte Idee.

Die Meldung zu Lehmann und Kosicke kam überraschend. Die Berliner hatten sich gerade erst etwas von dem Skandal-Video von Stürmer Salomon Kalou erholt, in dem jener klar einen eher laxen Umgang des Bundesligisten mit den Hygieneregeln dokumentiert hatte. Doch Windhorst und die Hertha wollten vor dem Neustart der Bundesliga am Samstag bei der TSG Hoffenheim offenbar ein positives Signal setzen. Das ist bei vier Trainern in einer Saison, Abstiegskampf und der Klinsmann-Posse auch nötig.

Anteilseigner Windhorst, der bei seinem zweiten Besetzungsversuch besser nicht falsch liegen sollte, war unterdessen voll des Lobes für sein neues Funktionärs-Duo: "Beide bringen ein hohes Maß an Erfahrung und Professionalität mit", sagte der Unternehmer: "Sie werden dazu beitragen, die Ziele von Tennor und der Hertha zu erreichen und den Verein gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen."

Lehmann sorgte zuletzt für Wirbel

Während Kosicke als Berater der Trainer Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann erstklassig im Business vernetzt ist und als kluger Denker rund um den Fußball geschätzt wird, bringt Lehmann den Blickwinkel eines früheren Profis mit ein. Nach der aktiven Karriere versuchte er sich beim FC Arsenal und dem FC Augsburg als Co-Trainer, ansonsten trat er meist als TV-Experte - unter anderem für RTL bei den Spielen der Nationalmannschaft - in Erscheinung.

Für Wirbel sorgte Lehmann Ende April mit Äußerungen im Sport1-"Doppelpass", als er Gedankenspiele zu Bundesliga-Partien mit Zuschauern in Coronazeiten anstellte. "Warum können in einem Stadion wie der Allianz Arena, in dem 70.000 Leute reinpassen, nicht 20.000 Fans rein? Die kommen sich im Abstand von zehn Metern doch nicht in die Quere", hatte Lehmann gesagt. Mit solchen Statements wird er sich nun womöglich erst einmal zurückhalten - zum Wohle von Hertha BSC.

Quelle: ntv.de, Florian Krebl, sid