Fußball

Pleite, Trainingszoff und Sorgen Leipzigs Rasenballer sind schlecht gelaunt

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"Wir hatten viele Dinge aus der Hinrunde aufzuarbeiten": Ralph Hasenhüttl in Portugal, hier mit Sportdirektor Ralf Rangnick.

(Foto: dpa)

Trotz eines Kantersieges ist die Stimmung bei RB Leipzig nach dem Trainingslager in Portugal eher gedämpft. Und doch könnte sich die maue Vorbereitung des Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga am Ende sogar positiv auswirken.

Ralf Rangnick durchmaß den Trainingsplatz in Lagos an der Algarveküste im Stechschritt und verließ das Grün wortlos in Richtung Hotel. Und auch Trainer Ralph Hasenhüttl hatte man schon euphorischer erlebt. Dabei hatte RB Leipzig an diesem Mittwoch zum Abschluss seines Trainingslagers just gegen den portugiesischen Drittligisten SC Farense mit 6:0 (4:0). Doch nach dem 1:5 (0:3) gegen Ajax Amsterdam am Samstag, als sich die Rasenballsportler mit schweren Beinen von den leichtfüßigen Niederländer hatten vorführen lassen, war es nun gegen den Klub auf Niveau eines deutschen Regionalligisten vor allem darum gegangen, sich wieder Selbstvertrauen zu holen und das zuvor Einstudierte auszuprobieren.

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Gesperrt: Emil Forsberg.

(Foto: imago/Picture Point LE)

"Man hat gesehen, dass wir mehr Rücksicht auf das Spiel genommen haben", sagte Hasenhüttl. "Wir waren wesentlich frischer. Die erste Halbzeit war ordentlich." In der zweiten Hälfte ließ RB mit komplett veränderter Formation klares Positionsspiel vermissen und kreierte zu wenige Chancen. "Das hat mir nicht mehr so gut gefallen." Generell habe der 49-Jährige während des achttägigen Aufenthaltes am Atlantik zwar alle geplanten Inhalte im Training umsetzen können und lobte auch das perfekte Wetter bei 15 bis 20 Grad. Doch es war bei dem abschließenden Gespräch - bevor die Leipziger per Charterflug zurück ins winterliche Sachsen flogen -, zu spüren, wie es in Hasenhüttl arbeitete. Was die Stimmung angeht, hatte man manchmal nicht das Gefühl, dem Tabellenzweiten und Überraschungsklub der Fußball bei der Vorbereitung zuzusehen.

Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten hatte der Österreicher nur zweimal direkt nach den Testspielen mit den Journalisten gesprochen. Unüblich bei dem sonst so gesprächigen Trainer. "Wir hatten viele Dinge aus der Hinrunde aufzuarbeiten und müssen einiges neu justieren", bat Hasenhüttl um Verständnis. "Das braucht ein bisschen Arbeit hinter den Kulissen." Vor allem treibt ihn um, dass mindestens ein, vielleicht auch zwei entscheidende Spieler zum Rückrundenstart fehlen werden. Emil Forsberg ist für drei Spiele gesperrt, Naby Keita absolvierte das gesamte Trainingslager hinweg nur Lauftraining und reiste ebenso wie Linksverteidiger Marcel Halstenberg eher ab, um sich bei Spezialist Kurt Mosetter in Konstanz behandeln zu lassen. "Dadurch, dass Emil Forsberg uns in den ersten drei Spielen fehlt, muss ich mir schon noch ein paar Gedanken mehr machen", bestätigte Hasenhüttl.

"Konkurrenz belebt das Geschäft"

Viele Angebote machten ihm die Ersatzspieler allerdings nicht. Zu Beginn der Wintervorbereitung hatte der frühere Stürmer auf Davie Selke als Sturmpartner für Yussuf Poulsen gesetzt, um Timo Werner auf die Spielmacherposition ziehen zu können. Doch gegen Ajax bot das Duo Selke/Poulsen keine gute Performance. So dürfte es wahrscheinlicher sein, dass entweder Keita ins offensive Mittelfeld rückt, falls er rechtzeitig fit wird, oder Kapitän Dominik Kaiser die Forsberg-Position einnimmt. In der Defensive gibt es ebenfalls noch vakante Positionen.

Marvin Compper gab zwar sein Comeback, ihm fehlt aber Spielpraxis und Frische. Bernardo präsentierte sich auf der Innenverteidiger-Position nicht so stabil wie als Außenverteidiger. Und der erhoffte Transfer des Salzburger Innenverteidigers Dayot Upamecano ist noch immer fraglich. Sogar über die Torhüterposition wurde auf dem Trainingsplatz in Lagos vor Palmen und Hotel-Bauruinen diskutiert. Peter Gulacsi, dem gegen Ajax ein fürchterlicher Patzer unterlief, ist nicht mehr unangefochten. Fabio Coltorti und Marius Müller hätten "einen kleinen Bonus" gesammelt, sagte Hasenhüttl. "Konkurrenz belebt das Geschäft." Es bleibt die Erkenntnis, dass der Test gegen Amsterdam zu früh für die Leipziger kam. "Ich würde es anders spielen in Zukunft, erst Farense, dann Ajax", sagte Hasenhüttl. "Aber es ist nicht schlimm. Wir wollen es nicht einfach haben und eher mal Situationen schaffen, in denen es die Spieler nicht so leicht haben. Das ist auch eine Frage von Qualität."

"Bist du bescheuert, oder was?"

Die RB-Kicker jedenfalls fühlten sich durch die Pleite extra angestachelt, was am Montag in einem Gerangel zwischen Timo Werner, der Youngster Sören Reddemann umgetreten hatte, und Diego Demme offensichtlich wurde. "Bist du bescheuert, oder was?", hatte Demme Werner entgegengeschrien und den RB-Toptorschützen gegen die Brust geschubst. Daraufhin kamen Kollegen wie Terrence Boyd dazu, um zu schlichten. Rudelbildung wie bei einem Bundesligaspiel. Sportdirektor Rangnick stand nur wenige Meter daneben und knöpfte sich Werner nach dem Training vor.

"Grätschen ist in unserem Mittel immer das allerletzte Mittel - egal, ob im Training gegen Mitspieler oder im Spiel gegen Gegenspieler. Das wollen wir gar nicht sehen, das war eine völlig unnötige Aktion." Mittelfeldmann Stefan Ilsanker erklärte nach der Aggro-Einheit: "Wir sind alle noch leicht angespannt von der Ajax-Partie. Jeder will beweisen, dass er Herz und Leidenschaft hat, dass er sich nicht aufgibt." Gut möglich also, dass die Klatsche gegen den Europaliga-Teilnehmer tatsächlich wieder alle Sinne für den Auftakt nach der Winterpause am 21. Januar gegen Eintracht Frankfurt geschärft hat.

Stürmer Yussuf Poulsen ist zumindest nicht bange, dass der umstrittene Neuling in der Rückrunde an die Leistung der Hinserie anknüpfen kann: "Alle glauben, dass wir da weitermachen können, wo wir aufgehört haben. Es spricht nichts dagegen, wenn wir alle bereit sind, genau die gleiche Bereitschaft auf den Platz zu bringen", sagte der Däne. "Warum soll es dann nicht genau so weitergehen?" Der Test gegen die Glasgow Rangers am Sonntag wird schon mehr Erkenntnisse bringen. Übrigens: Poulsen verriet kurz vor der Abreise noch: "Diego und Timo sind wieder befreundet - schon seit dem gleichen Tag."

Quelle: n-tv.de

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