Fußball

Sensationeller Tottenham-Sieg Lucas hattrickt sich zum "Supersuperhelden"

Was ist in der Champions League los? Nach dem sensationellen 4:0 des FC Liverpool über Barça gibt es gleich die nächste magische Nacht. Diesmal jubelt Tottenham, das nach einem 0:2-Rückstand Ajax doch noch bezwingt. Dank eines unfassbaren Auftritts von Lucas Moura.

Aller guten Dinge sind 20. Zumindest scheint das für Lucas Rodrigues Moura da Silva zu gelten. Erst recht nach diesem wieder einmal irren Abend in der Fußall-Champions-League. Im Halbfinal-Rückspiel zwischen Ajax Amsterdam und Tottenham Hotspur avancierte der Brasilianer zum Mann des Spiels - weil er in seinem 20. K.-o.-Spiel in der Königsklasse zum ersten Mal traf. Und dann noch einmal. Und noch einmal.

Der 26 Jahre alte Brasilianer war von Herbst und Winter eher auf der rechten Außenbahn unterwegs, nun ersetzte er den verletzten Superstar Harry Kane im Sturmzentrum. Mittelfeldspieler Christian Eriksen beschrieb das Erfolgsrezept mit "Herz und Moura. Ich hoffe, sie bauen ihm eine Statue in England." Moura selbst erklärte: "Das war ein großes Geschenk von Gott. Und ich möchte es mit meinen Teamkollegen und meiner Familie teilen." Er ist erst der fünfte Spieler, dem in einem Champions-League-Halbfinale ein Hattrick gelang - nach Alessandro Del Piero, Ivica Olic, Robert Lewandowski und Cristiano Ronaldo.

Dabei sah es zur Pause überhaupt nicht nach einer erneuten Europapokal-Sensation aus. Ajax führte 2:0 und schien nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel die Finalteilnahme gegen Jürgen Klopps FC Liverpool in der Tasche zu haben. Doch Tottenham gab nicht auf und stellte auf ein 4-3-3-System um. In der 55. Minute trieb Dele Alli den Ball nach vorn und näherte sich dem Ajax-Strafraum. Mit einem Wahnsinnsantritt rauschte plötzlich Lucas Moura heran und knallte den Ball rechts unten ins Eck. Tor!

Wie einst Gerd Müller

Der Anschlusstreffer elektrisierte Tottenham, das nun weiter Druck machte und schon in der 59. Minute wieder gefährlich vors Tor kam. Nach einer Hereingabe von links wehrte Ajax-Keeper André Onana noch einen Schuss von Tottenhams Fernando Llorente mit einem tollen Reflex ab, konnte den Ball aber nicht festhalten. Die entstehende Verwirrung nutzte Lucas Moura, der sich die Kugel schnappte, noch einen Gegenspieler aussteigen ließ und dann wie einst Gerd Müller im WM-Finale 1974 den Ball ins lange Eck schlenzte.

Nun stand es 2:2, doch das reichte für die Londoner nach dem 0:1 im Hinspiel noch immer nicht. Noch ein Tor musste her, doch das ließ auf sich warten. Die Engländer machten Druck, Ajax zitterte. In der 87. Minute köpfte Tottenhams Jan Verthongen den Ball noch an die Latte, den Nachschuss klärte dann Ajax-Verteidiger Joel Veltham auf der Linie. Doch es stand weiter unentschieden. Die Minuten verrannen, die Nachspielzeit begann und schien aus Sicht der Niederländer nicht enden zu wollen.

Dann die 96. Minute: Den x-ten hohen Ball Richtung Ajax-Strafraum behauptet Llorente, der ihn irgendwie zu Alli weiterleitet, der wiederum in den Sechzehner passt, wo schon wieder Lucas Moura kreuzt und aus vollem Lauf heraus, ohne groß zu zögern, abzieht. Der Ball zischt wieder ins rechte untere Eck. Und dann bricht der Jubel los.

"Einfach Wahnsinn!"

Nach dem Abpfiff stürmten Trainerteam und Ersatzspieler der Spurs auf den Platz und feierten ihren Hattrick-Helden Lucas Moura. "Die zweite Halbzeit war ein komplett verrücktes Spiel", sagte Tottenhams Ex-Bundesligaprofi Heung-Min Son bei Sky. "Drei Tore von Lucas sind einfach Wahnsinn!" Tottenham gelang als erst zweitem Verein in der Historie der Königsklasse der Final-Einzug trotz einer Hinspiel-Niederlage zu Hause - und machte dabei sogar noch einen 0:2-Pausenrückstand wett.

Im Lager der Engländer fehlten vielen Protagonisten fast die Worte. "Es ist schwer zu beschreiben, was ich fühle", sagte Trainer Mauricio Pochettino. "Aber das ist der außergewöhnlichste Tag in meinem Leben. Ich habe vorher schon gesagt: Meine Spieler sind Helden. Jetzt sind sie Superhelden." Doch einen hob Pochettino dann doch hervor: "Wenn alle Superhelden sind, dann ist Lucas Moura ein Supersuperheld."

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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